Die Szene eines Unfalls
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- LKW-Unfälle: tonnenschwere Gefahr auf den Straßen

Bleiben Sie auf der sicheren Seite - mit diesen Tipps

Immer mehr Brummis auf den Straßen in Berlin und Brandenburg - seit Jahren gibt es diese Entwicklung und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Lage mitten in Europa, die Just-in-time-Produktion der Wirtschaft, aber auch der wachsende Online-Handel lassen den LKW-Verkehr weiter wachsen.

Eine Folge: Auch die Zahl der LKW-Unfälle nimmt zu. Allein 2017 kamen dabei in Brandenburg 39 Menschen ums Leben. Knapp Dreiviertel dieser Unfälle wurden von LKW-Fahrern verursacht.

Ein Grund dafür ist: Immer mehr elektronische Hilfsmittel - etwa Tempomat oder Spurassistent - erleichtern dem Brummifahrer die Fahrt. Sie sorgen allerdings auch dafür, dass in der Fahrerkabine immer "weniger" zu tun ist: Die Langeweile des Fahrers steigt, die Ablenkungsmomente werden häufiger - mit teils fatalen Folgen.

Daher ist die Frage: Was können wir als Autofahrer tun, um gefährliche Situationen mit LKW zu vermeiden? Wir haben die wichtigsten Tipps für Sie.  

Es passiert schnell

Theresa Romer wurde im Frühjahr 2018 in ihrem Auto von einem LKW erfasst. Sie fuhr auf der rechten Spur im zähflüssigen Verkehr - ein LKW zog von links einfach auf ihre Spur, ohne sie überhaupt gesehen zu haben. Der tote Winkel auf der rechten Fahrzeugseite ist auch bei den modernen LKW noch groß, mehrere Personen oder eben ein ganzer PKW können darin "verschwinden".

Abhilfe leisten könnte der sogenannte Abbiegeassistent - ein elektronischer Sensor, der warnt, wenn sich rechts der Fahrerkabine etwas im toten Winkel befindet. Diese sind allerdings keine Pflicht, und viele Speditionen scheuen die hohen Kosten für die Aufrüstung ihrer Wagen.

Romer hatte Glück: Die junge Frau hupt, macht mit aller Kraft auf sich aufmerksam und kann dem LKW im letzten Augenblick entkommen. Am Ende ist die Fahrerseite eingedrückt, der Außenspiegel fehlt, aber niemand ist zu Schaden gekommen. "Ich hoffe, dass mir das nie wieder passiert. Das wünscht man keinem", so das Fazit der 24-Jährigen.

So können Sie sich schützen

Nicht immer gehen LKW-Unfälle so glimpflich aus: Allein im ersten Halbjahr 2018 gab es in Berlin und Brandenburg 262 Verkehrsunfälle mit LKW, bei denen Personen zu Schaden kamen. Doch als Autofahrer können Sie teilweise Schutzmaßnahmen ergreifen. Für Unfallforscher Siegfried Brockmann gibt es zwei Grundszenarien, bei denen die Begegnung mit dem LKW am gefährlichsten werden kann: an Ein- und Ausfahrten und an Stau-Enden.

Um einen Unfall mit einem LKW zu vermeiden, sollten Autofahrer bei einem Stau oder langsam fließendem Verkehr nicht längere Zeit neben einem LKW fahren. Denn je langsamer der LKW fährt, desto schneller kann man dann im toten Winkel des LKW verschwinden.

Eine der gefährlichsten Situationen ist das Stau-Ende. Hier ist es wichtig, dass der Autofahrer früh genug erkennt, dass sich ein Stau gebildet hat. Nur dann kann der Fahrer rechtzeitig abbremsen und ausreichend Abstand zum Vordermann halten. Drei Wagenlängen empfiehlt Brockmann. Das Einschalten des Warnblinkers gehört in solchen Situationen genauso dazu wie der häufige Blick in den Rückspiegel.

Sieht man einen LKW ohne deutliches Abbremsen auf sich zufahren, sollte man versuchen, nach rechts oder nach links auszuweichen. Noch besser ist es, wenn man auf Stau-Enden nicht auf der rechten Spur zufährt, denn dort fahren die LKW am häufigsten - und die Gefahr eines Aufpralls ist am größten.

Eine weitere Gefahrensituation: Bei Überholvorgängen sollte man vermeiden, zwischen zwei LKW einzuscheren. Denn dies sorgt für abruptes Abbremsen beim hinteren LKW und so für Risiken für Folgeautos.

Nicht zuletzt gilt: LKW brauchen mehr Platz - und die Fahrer brauchen mehr Zeit, um ihre tonnenschweren Kolosse zu manövrieren. Als PKW-Fahrer sollte man das im Hinterkopf behalten.

Elektronische Assistenzsysteme

Moderne LKW haben heutzutage oft Assistenzsysteme eingebaut, so etwa den Notbremsassistent, der die Zeit bis zur Kollision misst und abbremst, sollte der Fahrer nicht reagieren. Ein Zusammenstoß wird dadurch zwar meist nicht verhindert, wohl aber der fast immer tödliche Ausgang.

Der Spurassistent hilft dem Fahrer, in der richtigen Spur zu bleiben. Auch ein Abstandsregeltempomat kann dem Fahrer helfen, Unfällen vorzubeugen. Bei all dem gilt allerdings: Nur wenn die LKW-Fahrer hinreichend auf die Assistenzsysteme geschult werden, können sie auch effektiv eingesetzt werden Und wenn die Systeme eingeschaltet werden. Denn in der Praxis werden diese von den Fahrern oft abgeschaltet - mit teils schlimmen Folgen.

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