Mädchen haelt Mini-Windrad hoch (Quelle: imago/westend61)
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- Ökostrom: Viele sind gar nicht so öko

Daran erkennen Sie den echt umweltfreundlichen Ökostrom

Lange Zeit war der Vertrieb von Ökostrom eine Nische für Unternehmen, die ausschließlich auf den Verkauf von sauberer Energie fokussiert waren. Doch mittlerweile haben diese Nische auch viele große Versorger und Billiganbieter entdeckt. Doch ist der Strom, der unter dem Öko-Label verkauft wird, auch wirklich ökologischer Strom? SUPER.MARKT zeigt die Unterschiede, und woran Sie richtig umweltfreundliche Ökostromtarife erkennen.  

Ökostrom liegt im Trend

Tausende Windkraftanlagen und Millionen Solarzellen gibt es mittlerweile in Deutschland. Ein Drittel unseres Stroms wurde im Jahr 2017 aus erneuerbaren Energien erzeugt, und immer mehr Menschen wollen die Energiewende unterstützen: mit Ökostrom. Im Jahr 2017 hatten über 10 Millionen Menschen in Deutschland einen grünen Stromanbieter. Und ihre Zahl steigt jedes Jahr. „Ich ernähre mich vegetarisch, ich achte auf die Umwelt und darum will ich Ökostrom“, fasst die Berliner Sozialpädagogin Viktoria Hofer für sich zusammen.

Zahlreiche Anbieter und Tarife erschweren die Auswahl

Doch die Auswahl des Anbieters ist nicht einfach. Mittlerweile ist der Verkauf sauberer Energie mehr als nur eine Nische. Über 1.000 Ökostromanbieter mit über 8.000 Ökostromtarifen listet das Vergleichsportal check24.de. Viele große Versorger und Billiganbieter werben jetzt auch für Ökostrom. Doch nicht alle sind wirklich grün. „Es gibt ja viele Siegel, was Ökostrom ist und was nicht. Und ich kenne mich gar nicht aus“, gibt Hofer zu. Aber wie findet sie raus, ob der Strom nicht doch aus dem nächsten Kohlekraftwerk kommt? Es gibt Wege.

Ohne Ökostrom keine Energiewende in Deutschland

„Unsere Energieversorgung soll klimaverträglicher werden und uns gleichzeitig unabhängiger vom Import fossiler Brenn-, Kraft- und Heizstoffe machen“, schreibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) will die Bundesregierung fossile Energien durch Wind- und Wasserkraftwerke ersetzen. Strom, Wärme und Verkehr sollen in Zukunft ausschließlich auf erneuerbaren Energien basieren. „Damit Deutschland bis 2050 klimaneutral werden kann, brauchen wir 100 Prozent erneuerbare Energien“, verdeutlicht Michael Bilharz vom Umweltbundesamt.

Aber: Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Der Begriff „Ökostrom“ ist nicht genau definiert und auch nicht gesetzlich geschützt. Das ermöglicht Unternehmen, sich grüner zu verkaufen, als sie tatsächlich sind. Zum Beispiel vermarkten viele Ökostromanbieter den Strom alter Wasserkraftanlagen aus Norwegen einfach neu. Daneben vertreiben sie aber weiter Kohle- und Atomkraftstrom. „Es gibt viele Anbieter, die sagen, das ist Ökostrom. Das ist sehr viel Intransparenz da, und Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom“, weiß Florian Munder, Energieexperte der Verbraucherzentrale Berlin. Das bringe die Energiewende nicht voran.

Zudem beziehen viele Anbieter ihren Ökostrom aus dem Ausland. Denn: Die Nachfrage nach Ökostrom ist in Deutschland groß, in anderen europäischen Ländern aber geringer als das Angebot. Wer beim Ökostrom nicht genau hinsieht, unterstützt so oft den Ausbau regenerativer Energien im Ausland.

Und jetzt? Vergleichen ist wichtig

Die Verbraucherzentrale Berlin empfiehlt Ökostrom, der nach dem OK-Power-Label oder Grüner Strom-Label zertifiziert ist. „Das bedeutet, dass der Stromanbieter eben auch etwas wirklich für den Klimaschutz aktiv tut“, erklärt Energieexperte Munder. Die beiden Label garantieren also nicht nur, dass der Strom aus Anlagen mit erneuerbarer Energie stammt. Sondern auch, dass der Anbieter deren weiteren Ausbau fördert.

Auf der Plattform Enyway kann man lokale Anbieter mit kleineren erneuerbaren Energieanlagen finden. Zum Beispiel die Windkraftanlage von Frank Vach in Prenzlau. „Für jeden weiteren Kunden, den wir bekommen, bauen wir neue Anlagen. In der Regel Windkraftanlagen. Und für diese Anlagen benötigen wir auch keine staatliche Vergütung“, erklärt Vach. Hier muss man allerdings selbst vor Ort rausfinden, ob der Anbieter die Energiewende vorantreibt.

Und: Die Preisspanne zwischen Ökostrom ohne seriöses Label und hochwertig zertifiziertem Ökostrom ist gar nicht so groß, wie man vielleicht denkt; sie beträgt etwa 60 Euro im Jahr – berechnet für einen Drei-Personenhaushalt mit einem typischen Jahresverbrauch von 4.250 Kilowattstunden. Wie immer gilt: Es ist sehr einfach, den Stromtarif zu wechseln. Tipps hat zum Beispiel die Verbraucherzentrale Berlin

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