Eine Rettungsgasse auf der Autobahn (Quelle: Colourbox)
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- Rettungsgasse: gefährliches Halbwissen

Darum sollten Sie schon bei Schritttempo die Rettungsgasse bilden

Wenn die Sekunden zählen, aber die Rettungskräfte nicht ihre Arbeit machen können: Oft wissen Autofahrer nicht, wie die Rettungsgasse entstehen soll - zum Beispiel an einer Kreuzung oder auf einer zweispurigen Straße. Und wenn die Retter vor Ort sind, dann wird gegafft und fotografiert, statt Platz zu schaffen. Zusammen mit den Rettern stellen wir Voyeure zur Rede. Und zeigen, wie Rettungsgasse geht - und was es kostet, wenn die Einsatzkräfte behindert werden. 

Keine Rettungsgasse, keine Rettung

Wenn es auf der Autobahn kracht, ist der Aufprall für Fahrer und Beifahrer meist heftig. Je schneller Ärzte und Sanitäter jetzt am Unfallort sein können, desto größer sind die Überlebens- und Genesungschancen für Unfallopfer. Eine Untersuchung des Deutschen Roten Kreuzes von 2018 zeigt, dass in 80 Prozent der Fälle Autofahrer die Rettungsgasse blockierten und dass Rettungsfahrzeuge deshalb im Schnitt fünf Minuten später am Unfallort ankamen. "Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass deswegen Menschen sterben und nicht rechtzeitig gerettet werden", sagt Julia Fohmann, Pressesprecherin des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Wenn Autofahrer die Gasse erst bilden, sobald sie Rettungskräfte mit Blaulicht hören, vergeht wertvolle Zeit. "Wenn der Verkehr stillsteht, ist alles blockiert. Es funktioniert viel besser, wenn der Verkehr noch fließt", erklärt Fohmann.

Einige Regeln werden leicht vergessen - und eine können Sie vergessen

Damit keine Zeit verloren geht, sollten Sie eine Rettungsgasse vorbeugend bilden. Nicht nur bei einem Stau, sondern auch schon bei Schritttempo. In einer Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrats von 2018 zeigte sich, dass 40 Prozent der Befragten das nicht wussten. "Es kann immer ein Unfall passieren", sagt Julia Fohmann. Die gute Nachricht: Fängt einer mit der Rettungsgasse an, gehen die anderen meist mit. "Schwarmverhalten funktioniert auch auf der Autobahn", sagt Fohmann. Es gibt immer Leute, die die Rettungsgasse vergessen und sich freuen, wenn jemand anderes daran denkt und damit anfängt.

Der Standstreifen darf nur im äußersten Notfall zum Ausweichen benutzt werden, denn er ist baulich nicht zum Befahren angelegt. Erst wenn die Polizei es erlaubt oder wenn es für die Rettungsgasse notwendig ist, dürfen Sie auf den Standstreifen fahren.

Und es gibt eine Regel, die es gar nicht gibt. Das vermeintliche Sonderrecht von Motorradfahrern, sich durch die Mitte der Rettungsgasse oder über den Standstreifen durch den Stau zu mogeln, dieses Recht gibt es nicht. Es ist falsches Verhalten und kostet 200 bis 320 Euro Strafe.

Rettungsgasse im Ausland?

Auch im Urlaub müssen Sie die Regeln der Rettungsgasse befolgen. Vergleichbar zu Deutschland ist es vor allem in der Schweiz, in Slowenien, Ungarn, Tschechien und Österreich. Mehr Infos zur Rettungsgasse im Ausland hat der ADAC aufgelistet. 

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