Medikamente werden in einen Papierkorb geworfen (Quelle: imago images/Panthermedia)
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- Medikamente: viel zu viele im Müll

Immense Kosten durch Verschwendung von Medikamenten 

Viele Arzneien werden in Deutschland von den Patienten gar nicht eingenommen, sondern einfach weggeworfen. Der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske schätzt, dass in Deutschland zwischen fünf und sieben Millarden Euro jährlich in der Tonne landen - weil noch einsatzfähige Medikamente weggeworfen würden.

Die Zahlen beziehen sich dabei auf einige Jahre alte Studien, als Medikamente noch als Sondermüll galten. Heutzutage können Arzneien einfach über den Hausmüll entsorgt werden - was den realen Schaden schwerer nachvollziehbar macht.

SUPER.MARKT wollte genaueres wissen - und hat eine Umfage dazu in Auftrag gegeben. Das Ergebnis zeigt: Drei Viertel aller Befragten gaben an, schon Medikamente weggeschmissen zu haben - etwa, weil sie nicht vertragen wurden oder weil sie nicht die erwartete Wirkung gezeigt haben.

Eine Statistik zu weggeworfenen Medikamenten (Quelle: SUPER.MARKT)
Bild: SUPER.MARKT

Zu den Gründen gaben die Befragten die unterschiedlichsten Antworten, klar ist aber: Die meisten Medikamente waren in solchen Mengen verpackt worden, dass die Patienten schon längst gesund waren, bevor die Pillen aufgebraucht werden konnten. Die Medikamente waren schlicht übrig.

Eine Statistik zu weggeworfenen Medikamenten (Quelle: SUPER.MARKT)
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In Skandinavien wurde ein Gegenmodell entwickelt: Die sogenannten Blister werden dort individuell vom Apotheker für die Patienten mit den jeweiligen Medikamenten befüllt. In Deutschland gibt es bereits Nachahmer des Projekts. Der Vorteil: Die Patienten nehmen nur die wirklich benötigten Tabletten mit. Sollte der Arzt eine Medizin absetzen, bleibt kein großer Rest übrig.  

Diese individuelle "Verblisterung" ist auch im industriellen Stil möglich – das zeigt die Hamburger Firma Multidos. Sie versorgt heute schon rund 23.000 Patienten in Deutschland für monatlich knapp zehn Euro pro Patient.

Die richtige Entsorgung

Fast 50 Prozent der Berliner und Brandenburger geben ihre Altmedikamente beim Arzt oder Apotheker ab - von dort wird die Medizin entsorgt. Knapp 40 Prozent schmeißen die Arzneien gleich selbst in den Hausmüll. Aber es muss doch bessere Wege geben, als einfach alles in die Müllverbrennungsanlage zu stecken, oder?

Eine Statistik zu weggeworfenen Medikamenten (Quelle: SUPER.MARKT)
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Wer jetzt meint, man könnte die abgelaufenen Arzneien doch einfach noch einnehmen, der irrt: denn dies ist mit realen Gefahren verbunden. Inhaltsstoffe verlieren ihre Wirksamkeit, auch können sich in der Medizin Keime sammeln, etwa in Augentropfen.

Ebenso wenig ist es möglich, entsorgte Medikamente noch auf einem Zweitmarkt zu verwerten. Aus eben genannten Gründen, falls sie abgelaufen sind, sowieso nicht. Aber auch, wenn sie noch nicht abgelaufen sind, besteht die Gefahr, dass sie vorher zum Beispiel nicht sachgemäß gelagert worden sind und so ihre Wirksamkeit verloren haben.

Besser: Medikamentenmüll vermeiden

Im Grunde kann der enorme Medikamentenmüll in Deutschland nur vermieden werden, wenn Kassen, Ärzte, Apotheker und Patienten gemeinsam daran arbeiten. So müssten Patienten zum Beispiel ihre Therapietreue erhöhen - heißt: Die Medikamente tatsächlich so nehmen, wie der Arzt sie verordnet hat. In einer Studie hat etwa die Techniker Krankenkasse herausgefunden, dass 48 Prozent der befragten chronisch Erkrankten ihre Medikamente nicht wie vom Arzt verordnet einnehmen. Denn Chroniker spüren ihre Krankheit oft nicht gleich und halten die Medizin nicht wirklich für nötig. Das Ergebnis: gefährliche Unterversorgung – und Medikamentenmüll.  

Auch kleinere Packungen können dabei helfen, diesen zu vermeiden. Zum Hintergrund: Fast alle Medikamente gibt es in mehreren Packungsgrößen, der Preisunterschied pro Tablette beträgt oft nur wenige Cent. Krankenkassen erwarten allerdings von Ärzten, gleich die größere Packung zu verordnen - rechnerisch ist es für sie günstiger als mehrere kleine Packungen bezahlen zu müssen. Wird ein Medikament aber etwa wegen Unverträglichkeit nach 20 Tagen abgesetzt, wandern bei einer 100er Packung 80 Tabletten in den Müll. Und am Ende ist es für alle teurer.

Die gesamten Daten der Befragung finden Sie in diesem PDF.

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