Guckende Schafe (Quelle: imago images/Panthermedia)
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- Merinowolle: Sorge um das Tierwohl

So finden Sie Strick- und Outdoorware, für die kein Schaf leiden musste

Die Bekleidungsgeschäfte sind im Wintermodus. Pullis, Schals und Strickjacken füllen Schaufenster und Online-Shops. Kuschelige Kleidung für die kalten Tage geht in vielen Läden jetzt über die Theke. Besonders beliebt ist Merinowolle. Die nachhaltige Ressource gilt als besonders warm, nicht kratzig, atmungsaktiv und wird deshalb gerne in Outdoor-Kleidung und Wintermode eingearbeitet. Doch kaum ein Verbraucher weiß, dass Millionen Schafe für die warmen Wollprodukte leiden. Mit unseren Tipps finden Sie die fair produzierten Kuschelpullis im Shopping-Dschungel.

Merinowolle ist nicht gleich Merinowolle

Zwei exakt gleich wirkende Woll-Kleidungsstücke können die unterschiedlichsten Herstellungswege gegangen sein. Angefangen von der Schafhaltung über die Verwendung von Chemikalien bis hin zum Zusatz von Kunststofffasern. Besonders umstritten ist die Tierhaltung in einigen Betrieben. Vor allem das sogenannte Mulesing, das vor allem auf Merinofarmen in Australien praktiziert wird. Dabei wird den Lämmern rund um den After ohne Betäubung Haut abgezogen.

"Mulesing ist einer der größten Eingriffe, den es bei Nutztieren gibt", sagt Corinna Reinisch von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. "Die Tiere haben großen Schmerzen, verlieren Gewicht und meiden die Person, die den Eingriff durchgeführt hat", so Reinisch. Durch das Mulesing sollen die Schafe in dieser eher feuchten, schmutzigen und warmen Körperregion vor Fliegenbefall bewahrt werden. Einige Schafe werden außerdem hin und wieder in der krebserregenden Chemikalie Permethrin gebadet, um Insekten und deren Maden und Larven im Fell des Tieres abzutöten. Der krebserregende Stoff Permethrin kann in den Wollprodukten nachgewiesen werden.

Welche Siegel gibt es und worin unterscheiden sie sich?

Wenn Sie beim nächsten Shoppingbummel für die kuschelige Wintergarderobe auf faire Produktionsbedingungen und wenig Chemikalien achten wollen, müssen Sie sich ein bisschen vorbereiten. Denn die Begriffe "Bio", "Öko" und "Natur" sind in der Kleidungsindustrie nicht geschützt - theoretisch kann jeder sie verwenden. Sie können sich aber an diesen Labeln und Siegeln orientieren:

  • Responsible Wool Standard (RWS)

  • New Merino

  • ZQ Merino

  • Kontrollierte biologische Tierhaltung (kbT)

  • IVN Naturtextil zertifiziert Best

  • GOTS (Global Organic Textile Standards)

Hier können Sie sich informieren

Wenn Sie beim Einkaufen nach diesen Labeln Ausschau halten, dann fällt es Ihnen sicher nicht mehr so schwer, fair produzierte Schals, Mützen, Socken oder Pullover zu identifizieren. Meist sind die Labels in den Etiketten abgedruckt. Auch Verkäufer können Ihnen Auskunft geben. Wenn Sie eher der Online-Shopping-Typ sind, können Sie sich direkt auf der Webseite der Hersteller informieren. In den meisten Fällen werden die Labels direkt mit den Produkten angezeigt.

Kein Siegel – was nun?

Und was, wenn der Merino-Pulli Ihrer Wahl keins dieser Label trägt? Nun ja, dann sollten Sie zu Schritt zwei übergehen: nachfragen. Denn es gibt auch Merino-Produkte, die ohne Mulesing hergestellt wurden und kein Label tragen. Das liegt daran, dass Label teuer sind und kleine Hersteller sich die Zertifizierung manchmal nicht leisten können. Also, vielleicht hat Ihr Wunsch-Pulli ja doch eine faire Herstellung hinter sich. "Die Label sind noch nicht sehr verbreitet. Oft bleibt nichts anderes übrig, als den Aussagen der Marke zu vertrauen, dass die Tiere bei der Herstellung nicht leiden", sagt Corinna Reinisch von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Um sicher zu sein, sollten Sie sich vergewissern, dass die gesamte Lieferkette regelmäßig kontrolliert wird. "Als Konsument können Sie so auch Druck machen und mehr Transparenz in dem Bereich einfordern", sagt Reinisch.

Auch ein Blick ins Etikett ist hilfreich, um herauszufinden, ob billige Polyester-Fasern dazwischen gemischt wurden. Und noch ein Tipp: Abseits der großen Geschäfte - auf kleinen Bio-Höfen und in deren Onlineshops - gibt es oft auch nachhaltige Wollprodukte zu kaufen.

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