Eine Hand hält ein mit Milch gefülltes Glas vor eine Kuh, die auf einer Weide steht (Quelle: imago images/Paul von Stroheim)
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Bild: imago images/Paul von Stroheim

- Milch: Glückliche Kühe oder alles nur Marketing?

So unterscheiden sich die vielen Milchsorten

Ein Blick ins Kühlregal reicht, um festzustellen: Milch ist schon lange nicht mehr einfach nur Milch. Stattdessen stehen dort Biomilch, Landmilch, Alpenmilch, Weidemilch oder Heumilch. Doch wo genau liegt eigentlich der Unterschied? Stehen alle Kühe auf der Weide? Und welchen Einfluss hat das auf die Qualität der Milch? Schon komisch, dass wir das nicht auf Anhieb wissen. Im Schnitt verbrauchen wir in Deutschland nämlich über 50 Liter Milch pro Jahr.

Marketing oder gute Milch?

Glückliche Kühe auf einer saftig grünen Weide - das gibt es doch nur in der Werbung, oder? Hinter einigen Milchsorten steckt tatsächlich mehr Marketing als Weide. Die Bezeichnung Landmilch ist beispielsweise nicht geschützt. Worin genau sich die Heumilch von der Weidemilch, die Bio- von der Landmilch und so weiter unterscheidet, haben wir Ihnen daher einmal aufgedröselt.

Das steckt hinter den Milchsorten

  • Wer zur Landmilch greift, greift ins Ungewisse. Denn der Begriff ist nicht geschützt und muss daher auch keine bestimmten Vorgaben erfüllen. Was wirklich drin ist, weiß nur der Hersteller beziehungsweise der Milchbauer.

  • Auch Weidemilch ist keine geschützte Bezeichnung. Allerdings gibt es inzwischen das "Pro Weideland - Deutsche Weidecharta"-Siegel, das vom Grünlandzentrum Niedersachen/Bremen e.V. vergeben wird.

    Für Weidemilch mit diesem Siegel gelten folgende Richtlinien: Die Kühe müssen mindestens 120 Tage im Jahr für mindestens sechs Stunden weiden. Dazu muss jeder Milchkuh 2000m² Grünland, wovon mindestens 1000m² Weidefläche sind, zur Verfügung stehen. Zusätzliches Futtermittel muss frei von Gentechnik sein, kann aber z.B. auch Kraftfutter wie Soja enthalten.

  • Die Bezeichung Heumlich ist seit 2018 EU-weit geschützt. Das betrifft allerdings nur die Futtermittel, nicht die Tierhaltung. Wer Heumilch trinkt, kann sich also darauf verlassen, dass die Kühe nur frisches Gras, Heu und Getreide gegessen haben. Silage, also durch Gärung konserviertes Grünfutter, darf nicht eingesetzt werden. Zugleich kann es aber sein, dass die Tiere dennoch ausschließlich im Stall stehen.  

  • Eine Bergwiese, saftiges Gras, Kühe mit großen Glocken um den Hals ... Klingt idyllisch und irgendwie nach Heidi. Doch auch die Bezeichnung Alpenmilch ist nicht durch Richtlinien geschützt. Wie die Tiere gehalten und gefüttert werden, können wir daher nur schwer nachvollziehen. Gentechnisch verändertes Futtermittel kann hier genauso zum Einsatz kommen wie Antibiotika zur Prävention von Krankheiten.

  • Für Biomilch gibt es die sehr strengen Vorgaben der EU-Bio-Verordnung. Die Kühe dürfen u.a. nicht mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert werden. Die Stallfläche muss mindestens sechs Quadratmeter betragen, und Auslauf oder Weidegang ist auch vorgeschrieben. Außerdem darf Antibiotika nicht vorsorglich eingesetzt werden.

    "Premium-Bio": Neben der EU-Verordnung gibt es noch die Bio-Siegel Naturland, Bioland und Demeter. Tierwohl und Umwelt werden hier noch strenger geregelt als in den gesetzlichen Vorgaben, das gilt auch für die Haltung von Milchkühen.

Mehr Omega-3-Fettsäuren

Die Bezeichungen der unterschiedlichen Milchsorten sind zum Teil also klar definiert. Wer Bio kauft, bekommt auch Bio. Gleiches gilt für Heumilch. Bei Weidemilch lohnt sich der Blick auf den Milchkarton - trägt es ein seriöses Siegel? Alle anderen Bezeichnungen bleiben ohne Richtlinien erstmal nur Versprechen der Hersteller. Als Verbraucher bleibt man leider im Unklaren.

Übrigens: Eine Studie der Newcastle University ergab, dass Kuhmilch aus Bio- und Weidehaltung im Vergleich zu anderen Milchsorten 50 Prozent mehr Omega-3-Fettsäuren enthält. Diese sind lebensnotwendig für uns Menschen.

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