Eine Ladesäule für E-Autos (Quelle: imago images/ Christian Spicker)
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- E-Autos: Ein Königreich für eine Ladestation!

Alle reden von E-Mobilität - Autopapst Andreas Keßler testet die Praxis

Viele Menschen möchten ein E-Auto kaufen. Es gibt auch Händler, die solche Autos verkaufen. Und Werkstätten, die sie reparieren. Läuft doch, oder? Jein - denn die große Frage für viele Käufer ist: Wo soll ich die Batterien laden? Der Mangel an Ladestationen ist vor allem in den Städten groß. Wie soll das in Zukunft funktionieren? SUPER.MARKT-Mobilitätsexperte und Autopapst Andreas Keßler will das herausfinden.

Berlins Innenstadt: Elektros rein, Verbrenner raus

Berlins Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) möchte, dass in zehn Jahren keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr innerhalb der Berliner City fahren. Ab 2035 soll das Fahrverbot nach rbb-Informationen dann auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt werden. Die Senatsvorlage wird Ende Januar beraten, die Fahrverbote sind allerdings selbst in der rot-rot-grünen Koalition umstritten.

Günthers Vorlage ist Teil eines Zeit- und Maßnahmeplans, mit dem die Hauptstadt klimaneutral werden soll: Bis 2050 soll der CO2-Ausstoß, gemessen an den Werten von 1990, um 85 Prozent gesenkt werden. Jeder Senatsbeschluss soll künftig auf seine Auswirkungen auf das Klima überprüft werden.

Infrastruktur weit davon entfernt

Aber wo sollen all die Elektroautos, vor allem in der City, den Strom hernehmen? Noch immer ist die Zahl der öffentlichen Ladesäulen sehr überschaubar. Berlin liegt im deutschlandweiten Städteranking immerhin auf Platz drei mit insgesamt 974 Ladepunkten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Energieverbandes BDEW. Im Vergleich zu Dezember 2018 seien in der Hauptstadt bis Ende 2019 etwa 200 Punkte dazugekommen. Berlins Senatsverwaltung für Verkehr verspricht: Bis Ende 2020 werden insgesamt über 1.000 öffentliche Ladepunkte verfügbar sein.

In Brandenburg bleibt die Ladesituation für Elektroautos weiterhin kritisch: Zwar wurden im Jahr 2019 rund 150 weitere Ladestationen installiert, womit das Bundesland nun laut BDEW auf 355 öffentliche Ladepunkte kommt. Doch das reicht lange nicht, um weite Strecken durch die Mark mit dem Elektroauto zurücklegen zu können. Hier fehlt es nicht nur an einzelnen Ladesäulen, sondern vielmehr an einer flächendeckenden Infrastruktur.

Förderprogramme für eine bessere Ladestruktur

Um den noch vorhandenen Mangel wie in Brandenburg zu beheben, will die Bundesregierung bis 2030 insgesamt eine Million Ladepunkte zur Verfügung stellen. Deshalb sollen in den kommenden Monaten verschiedene weitere Gesetze und Förderangebote die Situation für Halter von Elektroautos verbessern. Damit will die Bundesregierung die noch schleppenden Genehmigungsverfahren und Prozesse für den Netzanschluss beschleunigen.

Förderungen für Ladesäulen

  • Ladesäulen an Straßenlaternen

  • Ladesäulen an Autobahnen

  • Ladesäulen an Kundenparkplätzen

  • Ladesäulen am Arbeitsplatz

  • Ladesäulen vor dem eigenen Haus

Geplantes Bußgeld für zugeparkte Ladesäulen

Ein weiteres Problem ist die Verfügbarkeit der Ladesäulen. Berliner Autofahrer zum Beispiel beschweren sich über Falschparker und Dauerlader, die Ladepunkte mit ihren Autos blockieren. Besonders problematisch seien die Elektroautos der Car-Sharing-Dienste, die an den Ladepunkten abgestellt und nicht wieder weggefahren werden.

Bisher werden solche Fälle in Berlin wenig bestraft, die Autos werden kaum abgeschleppt. Auch das soll sich ändern: Das Bundesverkehrsministerium will künftig ein Bußgeld in Höhe von 55 Euro für Autofahrer einführen, die unberechtigt auf einem Parkplatz für Elektroautos parken.

Transparente und nachvollziehbare Preise

Elektroautos sollen nach den Vorstellungen der Bundesregierung irgendwann eine Option für jeden sein. Doch dafür muss auch der Preis stimmen. Nicht nur für die Anschaffung des Autos, sondern auch für den Strom. Doch genau hier gibt es noch Probleme. Denn: Für die Preise an den Ladesäulen gibt es in Deutschland noch keine einheitliche Tarifregelung. Das ermöglicht Säulenbetreibern, extrem hohe Kosten für die Aufladung zu verlangen, diese aber zu verschleiern. Nicht alle Ladepunkte sind mit Preisschildern ausgestattet, sodass E-Autofahrer nicht immer einschätzen können, wie teuer die Aufladung am Ende sein wird.

Das soll sich ändern: Die Bundesregierung hat mit dem Masterplan Ladeinfrastruktur bereits angekündigt, die Preisgestaltung der Ladesäulen flächendeckend transparent und nachvollziehbar zu machen.

Bis das soweit ist, empfehlen Verbraucherschützer, die Preisangaben der Ladesäulen auf der Webseite oder App abzufotografieren und mit der Rechnung abzugleichen. Nur so können Sie sich im Fall von Preisunterschieden beim Betreiber beschweren.

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