Eine an Krebs erkrankte Frau mit Kopftuch sitzt in einem Wohnzimmer und bekommt von einer anderen Frau die Hand auf die Schulter gelegt (Quelle: Colourbox)
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- Krebsversicherung: das Geschäft mit der Angst

Es gibt oft bessere Möglichkeiten der Absicherung

520.000. So viele Menschen werden im Jahr 2020 voraussichtlich an Krebs erkranken. Das hat das Robert Koch-Institut prognostiziert. Für viele Menschen mit der Diagnose Krebs ändert sich das Leben schwerwiegend. Lassen sich vor allem die finanziellen Folgen einer solchen Erkrankung wenigstens abmildern? Auf dem deutschen Versicherungsmarkt werden inzwischen diverse Krebsversicherungen angeboten. Aber brauchen Sie eine solche Versicherung wirklich? Oder wird hier nur ein Geschäft mit der Angst gemacht und es gibt bessere Alternativen? SUPER.MARKT-Finanzexperte Gerald Meyer klärt das. 

Mehr Leistungen und Diagnosegeld

Neben einem Diagnosegeld, das einmal gezahlt wird und nach Belieben genutzt werden kann, werben die Anbieter von Krebsversicherungen mit der Kostenübernahme von Vorsorgeleistungen oder einer besseren Behandlung.

Das Diagnosegeld klingt zunächst recht reizvoll. Mal eben 10.000 Euro (oder mehr) zusätzlich auf dem Konto erleichtern direkt nach der Diagnose sicherlich den Alltag. Doch gerade bei längerer Krankheit und hohen laufenden Kosten verpufft so ein Betrag sehr schnell.

Und sind da noch die versprochenen Extraleistungen. Erhält man die wirklich nur mit einer Zusatzversicherung? Gibt es bei der Krebsbehandlung eine Zwei-Klassenmedizin? "Das ist Unsinn", sagt Prof. Dr. med. Georg Maschmeyer, Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Potsdamer Ernst von Bergmann-Klinikum. "Das, was durch die Krankenkassen gesichert und gestattungsfähig ist, bekommt jeder." Auch neue Therapien seien für alle Patienten verfügbar.

Ausschlusskriterien

Wie bei anderen Versicherungen auch, gibt es bei den Krebsversicherungen diverse Einschränkungen. Viele dieser Angebote haben eine Altersgrenze von 65 oder 70 Jahren. Statistisch gesehen erkranken aber vor allem Menschen ab Mitte 60 am häufigsten an Krebs. Das heißt, selbst mit Abschluss einer Krebsversicherung können Sie am Ende zwar mit der Diagnose Krebs, aber ohne Leistung dastehen. Außerdem zahlen Sie mitunter höhere Beiträge, wenn bereits ein enger Verwandter an Krebs erkrankt ist oder Sie Raucher sind.

Vergessen Sie außerdem den Blick in die Klauseln nicht! Nicht jede Krebsversicherung deckt auch alle Krebsformen ab. Oder der Tumor muss eine bestimmte Größe erreicht haben, ehe der Versicherer zahlt.

Welche Alternativen gibt es?

Sie möchten sich rundum absichern? Dafür braucht es in der Regel keine spezielle „Krebsversicherung“. Der Bund der Versicherten empfiehlt stattdessen Versicherungen, die Ihnen monatlich Leistungen erbringen. Dazu zählen die Berufsunfähigkeits- oder die Erwerbsunfähigkeitsversicherungen.

Sollten Sie diese beiden Versicherungstypen nicht in Anspruch nehmen können, gibt es noch die sogenannte Dread-Desease-Versicherung (dt.: Schwere-Krankheiten-Versicherung). Allerdings wird bei dieser, genau wie bei der Krebsversicherung, im Erkrankungsfall nur ein Einmalbetrag an Sie ausgezahlt. Der Vorteil ist hier - gegenüber der einfachen Krebsversicherung -, dass Sie gegen mehrere schwere Krankheiten, wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle, abgesichert sind und nicht nur gegen Krebs.

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