Schilder weisen auf den CO2-Vebrauch hin (Quelle: imago images/Christian Ohde)
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- CO2-Ausgleich: Ablasshandel oder sinnvolle Sache?

Flugreise buchen, CO2-Ausstoß ausgleichen - so funktiert es

Ein Flug von Berlin nach Nordamerika sorgt laut CO2-Rechner für Emissionen in Höhe von rund  4,8 Tonnen pro Passagier. Um das zu kompensieren, müsste der Reisende über hundert Euro zusätzlich zum Flugpreis zahlen, der zwischen 500 und 1.000 Euro liegt. Mit dem Geld würden dann zertifizierte Projektentwickler Klimaschutzprojekte unterstützen.

Der vergleichsweise hohe Kostenaufwand wundert die Verbraucher-Expertin Silja Sodtke von Radio rbb 88,8 nicht. Das Flugzeug ist ein großer CO2-Verursacher im modernen Alltag. Wer viel fliegt, lebt daher auf großem CO2-Fuß. Ein Australien-Urlaubsflug setzt zum Beispiel so viel CO2 frei, wie ein Deutscher durchschnittlich im Jahr mit Heizen, Essen und Autofahren ausstößt.

Im Zuge der Klimadebatte habe sich, so Sodtke, auch das Thema CO2-Kompensation für Privatpersonen entwickelt, das "polarisiert, aber eine Möglichkeit ist, selbst etwas zu machen." Ziel der CO2-Kompensation sei es, weltweit den CO2-Ausstoß zu verringern: "Auf einer Seite wird durch die Vielfliegerei CO2 ausgestoßen, in ärmeren Ländern wird das Kohlenstoffdioxid durch Projekte eingespart. Und bestenfalls werden gleichzeitig vor Ort die Lebensumstände verbessert."

Sechs Anbieter auf dem Markt

Sechs Anbieter für den CO2-Ausgleich gibt es in Deutschland, die sich an private Verbraucher wenden. Aber ist das Angebot der Online-Portale seriös oder eine neue Form der Verbraucher-Abzocke?

Die Klimaprojekte bewirken tatsächlich eine signifikante Einsparung von CO2. Aber es gibt Unterschiede, so Expertin Sodtke. Dabei ginge es um die Art der geförderten Projekte, die Transparenz und die Kosten für die Verwaltung des Angebots. Diese sind teils sehr unterschiedlich. Beim letzten Vergleich der Stiftung Warentest 2018 haben von den sechs Anbietern drei mit "sehr gut" abgeschnitten: Atmosfair, Klima-Kollekte und Primaklima. Bewertet wurden die Qualität der Klimaprojekte, die Transparenz der Firma und die externe Kontrolle.

"Es ist ein positiver Ansatz"

Für Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Testsieger Atmosfair aus Berlin-Kreuzberg, ist der freiwillige Ansatz der CO2-Abgabe ausschlaggebend für den Erfolg des Unternehmens: Höhere Steuern sind seiner Meinung nach kein Anreiz, um Verbraucher zu weniger Flugreisen zu bewegen und letztlich CO2 einzusparen. Das freiwillige Angebot der CO2-Kompensation hingegen schon.

"Es ist ein positiver Ansatz", so Brockhagen. Die Energiewende, von der hier schon viele reden, werde aber nur dann dem Klima wirklich helfen, wenn es auch weltweit fortgesetzt werde: "Es ist möglich, mit relativ wenig Geld in Ländern des globalen Südens sehr viel CO2 einzusparen und damit auch Menschen zu helfen und Fluchtursachen zu bekämpfen." Brockhagen zieht den Vergleich zu Deutschland: "Wenn Sie in Deutschland Geld nehmen und etwa einen Windpark aufbauen, dann haben Sie schon ein kommerzielles Modell dahinter, da verdienen Leute schon Geld mit und die brauchen keine Spenden mehr."

Eines der Atmosfair-Klimaprojekte ist die Produktion von Feuerholzofen in Ruanda. Seit 2012 fördert das Unternehmen diese, schafft vor Ort Arbeitsplätze und reduziert die Abholzung der Wälder. Weil die Bevölkerung klimafreundlicher koche, habe Atmosfair mit dem Projekt 120.000 Tonnen CO2-Einsparungen pro Jahr geschafft, so das Unternehmen.

Simple Rechenaufgabe

Wichtigstes Mittel bei dem ganzen Geschäft: der Emissionsrechner. Er zeigt an, wie viel Treibhausgase bei einem Flug anfallen und wie viel die Kompensation kostet. Aber wie funktioniert er? "Bei Atmosfair haben wir alle Flugzeuge der Welt mit allen Triebwerken und Bestuhlungen in der Datenbank. Wenn jemand bei uns einen Flug einträgt, wird der gesamte Treibstoffverbrauch dieses Fluges durch die Anzahl der Passagiere geteilt." Das wichtigste sei aber die Tüv-Prüfung vor Ort. Denn dort werde untersucht, ob das Projekt von Atmosfair auch wirklich einen Klimaeffekt aufweist.

Doch im Alltag funktioniert der Tausch "Geld gegen gutes Gewissen" noch nicht. Erst ein Prozent der Deutschen kompensiert. Nachhaltigkeitsexpertin Sodtke hat daher einen Tipp: "Das Gute am Kompensieren: Man kann es von der Steuer absetzen, weil es eine Spende ist. Und man kann Teilzahlungen machen, muss also nicht die komplette Summe zahlen – und tut damit was Gutes."

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