Ein Schild verweist auf einen Privatparkplatz (Quelle: imago images/McPHOTO)
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- Abschleppabzocke: Wenn das Auto im Käfig landet

Das sind die Tipps bei rüden Abschleppmethoden 

Daniela Fruk hilft ihrer Mutter beim Umzug, parkt nur wenige Minuten auf einer Stellfläche der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gesobau - und wird sofort abgeschleppt. Doppelt schlimm für sie, denn im Auto befindet sich ihr Insulin. Erst als sie 280 Euro an den Abschlepper bezahlt, erfährt sie, wo ihr Auto steht. Erpressung - so empfindet sie das.

Bei privaten Stellflächen braucht es keine Polizei

Kein Einzelfall. Immer mehr Eigentümer von großen Privatgrundstücken wie Wohnanlagen oder Supermärkten haben Verträge mit Abschleppdiensten geschlossen. Und die haben ein leichtes Spiel bei Falschparkern, so ganz ohne Ordnungsamt oder Polizei. Für das Versetzen eines Fahrzeugs verlangen sie nach SUPER.MARKT-Recherchen Preise zwischen 120 und 280 Euro, in einem Fall sogar 580 Euro.

Die Höhe der Preise ist nirgends konkret geregelt

Für das Abschleppen von falsch parkenden Fahrzeugen auf privaten Grundstücken dürfen Abschlepp-Unternehmen in Berlin und Brandenburg eigene Preise aufrufen. Einen geregelten festen Satz wie beim Abschleppen von Fahrzeugen im öffentlichen Raum gibt es hier nicht. Aber: "Die Abschleppunternehmen dürfen natürlich keine Fantasiepreise fordern, sie müssen sich an die ortsüblichen Preise halten, und die Ortsüblichkeit wird bemessen an anderen Preisen oder anderen Abschleppunternehmen", sagt der Anwalt für Verkehrsrecht, Patrick Rümmler.

Das Auto wird eingeschlossen, um den Druck zu erhöhen

Die abgeschleppten Fahrzeuge werden in einigen Fällen in sogenannte Autokäfige eingeschlossen, damit die jeweiligen Besitzer den Preis auch bezahlen. Das Einschließen der Fahrzeuge sei auch nicht rechtswidrig, das sogenannte "Zurückbehaltungsrecht" legalisiere diese Methode, sagt Antwalt Patrick Rümmler: "Leider ist vom höchsten deutschen Gericht entschieden worden, dass es keine Erpressung ist, was die Unternehmen machen, indem sie sagen, erst Geld, dann Auto."

Es gibt Möglichkeiten, gegen zu hohe Preise vorzugehen, aber das ist mit einigem Aufwand verbunden: Verlangen Sie eine detaillierte Rechnung mit allen Posten und zahlen Sie bei überhöhten Preisen nur "unter Vorbehalt". Noch besser ist es, die Summe beim zuständigen Amtsgericht zu hinterlegen. So besteht eine Chance, das "Zurückbehaltungsrecht" der Abschlepper auszuhebeln. 

Das beste Mittel gegen Abschleppabzocke ist und bleibt allerdings: Korrekt parken. 

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