Bunte Abnehmpillen auf einem Löffel (Quelle: picture alliance / Bildagentur-online)
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Mo 15.02.2021 | Beitrag | Lesezeit zirka 5 Minuten - Abnehmprodukte: Ohne ist besser

Was sie bringen, wo Gefahren stecken

Die Fitnessstudios und Schwimmbäder sind zu, draußen ist es zu kalt oder zu voll und dann war ja auch noch Weihnachten. Kein Wunder, dass die Pölsterchen wachsen. Ist es da ein Zufall, dass gerade jetzt überall Werbung für Abnehmpillen zu sehen ist?
 
Es ist ja auch allzu verlockend, die unerwünschten Pfunde mit Shakes, Pillen oder anderen Schlankheitsmitteln wieder loszuwerden. Fast 1,7 Millionen Menschen in Deutschland nahmen vergangenes Jahr regelmäßig Hilfsmittel zur Gewichtsreduktion ein, das fand das Meinungsforschungsinstitut Allensbach heraus. Und über vier Millionen Menschen hatten laut der Studie ein grundsätzliches Interesse daran.
 
Aber schnell einen Schoko-Protein-Shake trinken und die Kilos schwinden - funktioniert das oder ist das alles nur Hokuspokus? Eine Übersicht.

Shaker und Proteindrink-Pulver auf grauem Hintergrunf (Quelle: picture alliance / Zoonar | JIRI HERA)
Formula-Diäten - flüssige Ersatznahrung

Sogenannte Formula-Diäten basieren meist auf Pulvern, die mit Wasser oder Milch angemischt werden und Mahlzeiten ersetzen sollen - sie erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Branche der Schlankheitsmittel macht einen Jahresumsatz von rund 140 Millionen Euro.
 
Durch das Ersetzen von Mahlzeiten, so versprechen die Hersteller, würden weniger Kalorien, aber alle nötigen Nährstoffe aufgenommen.
 
Die deutsche Diätverordnung regelt zwar sowohl die Nährstoffe als auch die Höchstzahl an Kalorien für solche Produkte, aber das macht diese Drinks noch lange nicht gesund. Abgesehen vom oft hohen Zuckergehalt wurden laut Ökotest selbst bei Markenprodukten wie Almased Mineralölrückstände und Gen-Soja gefunden, was 2019 zum Test-Urteil "ungenügend" führte.
 
Während Markenprodukte zwischen 15 und 20 Euro pro 500 g kosten, gibt es Eigenmarken von Drogerien schon ab zirka sieben Euro. Werden am Anfang einer solchen Diät alle Mahlzeiten mit den Shakes ersetzt, kann das schnell teurer werden als die gewohnte Ernährung.
 
Zudem darf man nur maximal drei Wochen alle Mahlzeiten ersetzen. Danach - aber idealerweise schon vor Beginn - sollte unbedingt mit der Hausärztin darüber gesprochen werden. Es besteht neben Nährstoffmangel auch die große Gefahr des Jo-Jo-Effekts beim Absetzen.

Ballast- und Quellstoffe - für das Völlegefühl

Ballast- und Quellstoffe sollen, wie der Name schon sagt, im Magen aufquellen und somit für ein Völlegefühl sorgen. Das funktioniert grundsätzlich auch, aber der Verzehr ist nicht ganz ungefährlich. Werden die Produkte nicht mit genügend Flüssigkeit aufgenommen, droht ein Darmverschluss oder im schlimmsten Fall sogar Erstickung. Auch Durchfall oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen vor. Quellstoffe binden diese und die Wirkung kann sich verändern - es sollte mindestens eine Stunde Abstand zwischen der Einnahme liegen.
 
Während Flohsamenschalen relativ günstig sind, kosten Markenprodukte mit solchen Stoffen auch schon mal 30 Euro pro Packung.
 
Aber auch hier muss auf eine kalorienarme Ernährung geachtet werden, die zudem alle nötigen Nährstoffe liefert. Der wichtigste Hinweis ist allerdings: Viel trinken.

Fett- und Kohlehydratblocker - Eingriff in den Stoffwechsel

Es klingt so einfach: Weiter normal essen und eine Pille sorgt dafür, dass Kohlehydrate und Fette einfach nicht aufgenommen werden. Aber der Schein trügt. Zwar spalten bzw. binden diese Mittel das Fett zur Ausscheidung und behindern ein zuständiges Verdauungsenzym, aber das bringt allerlei unschöne Nebeneffekte.
 
Neben sehr fettigem Stuhl oder Durchfall, insbesondere nach deftigem, fettigem Essen, werden nicht nur Fett und Kohlehydrate, sondern auch wichtige Stoffe nicht mehr richtig aufgenommen. Neben Vitaminen, Mineralien und Nährstoffen zählen dazu auch Medikamente. Eine Rücksprache mit dem Arzt ist also unumgänglich.
 
Mit 30 Euro pro Monat sind die Kosten ähnlich zu anderen Mitteln, aber die Folgen weitaus deutlicher, als die Herstellererklärungen vermuten lassen. Und auch hier gilt: Es ist kein Wundermittel. Eine kalorienarme Ernährung ist auch hier ein Muss.

Fatburner-Kapseln auf einer Sport-Gummimatte (Quelle: IMAGO / YAY Images)
Fatburner - problematische Pulstreiber

Sogenannte Fatburner (also Fettverbrenner) sind insbesondere in der Fitness-Community beliebt. Der verhältnismäßig günstige Preis von teilweise unter 10 Cent pro Kapsel und die nicht selten riesigen Packungen von 300 Stück gaukeln aber eine Harmlosigkeit vor, die überhaupt nicht gegeben ist.
 
Diese Fatburner verbrennen nämlich gar kein Fett, sondern regen nur das Herz-Kreislauf-System an. Dadurch kann es auch bei gesunden, sportlichen Menschen zu Bluthochdruck, Herzrasen, bis hin zum Herzinfarkt kommen. Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor der Gefahr von Fatburnern.
 
Produkte, in denen Koffein enthalten ist, verstärken diese Effekte oft zusätzlich. Schlafstörungen treten auf. Einige Anbieter verkaufen diese Mittel in Kombination mit entwässernden Tees oder Pillen - eine fatale Mischung, die den Körper schnell komplett überlastet und dabei zu keinerlei "echtem" Gewichtsverlust führt.

Weitere Produkte

Es gibt eine Vielzahl weiterer Produkte auf dem Markt, die einfaches Abnehmen versprechen. Während homöopathische Mittel oft nur wie ein Placebo wirken, sind diese immerhin verhältnismäßig harmlos. Auch Appetitbremsen - nicht zu verwechseln mit den verschreibungspflichtigen Appetitzüglern - haben kaum Effekt. Die Haupt-Inhaltsstoffe sind hier oft nur Wachmacher wie Guarana und Mate.
 
Die schon angesprochenen Entwässerungs- und Abführmittel sollten niemals zur Gewichtsreduktion eingenommen werden, wenn überhaupt, nur nach Verordnung eines Arztes. Mangelerscheinungen treten dabei ebenso auf wie Darmreizungen oder allgemeine Mattigkeit.
 
Die Enzyme Papain (gewonnen aus der Papaya) sowie Bromelain (aus der Ananas) bewirken zwar keinen Fettabbau, helfen aber bei der Spaltung von Eiweißen, wodurch ihnen eine leichte Verdauungsförderung zugeschrieben wird. Wissenschaftlich belegte Effekte gibt es aber nicht.
 
Von der Verwendung von Hormonen zur Gewichtsreduktion wird strengstens abgeraten. Therapien, wie die Behandlung mit HCG, einem Hormon, das bei einer Schwangerschaft ganz natürlich im Körper gebildet wird, waren in den 1950er Jahren noch gang und gäbe. Diese sind inzwischen in Deutschland verboten, nur Ärzte können den Einsatz von Hormonen verschreiben. Bei einer Hormonbehandlung drohen gesundheitlichen Folgen wie Nierensteine oder Herzversagen.

Ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen besser

Produkte zur Gewichtsabnahme halten selten, was sie versprechen. Abnehmen wird dadurch weder einfacher, noch wird die Versorgung mit Nährstoffen grundlegend besser. Bei allen Methoden ist eine kalorienreduzierte Ernährung die Basis - und auch das, was letztendlich den gewünschten Effekt bringt.
 
Mit einer dauerhaften Ernährungsumstellung lassen sich gesundheitliche Schäden, aber auch Jo-Jo-Effekte vermeiden. Es reicht, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und sich regelmäßig zu bewegen. Den einen, voll einfachen Weg oder gar ein Zaubermittel zum Abnehmen gibt es entgegen aller Versprechungen nämlich nicht. Viele natürliche Ballaststoffe, wenig Kohlehydrate und viel Protein in der Ernährung haben den gleichen Effekt wie viele der Mittel, sind dabei aber günstiger und gesünder.
 
Anstatt den nächsten Schoko-Protein-Shake zu mixen, können wir uns also getrost ein Eis, ein Stück dunkle Schokolade oder einen heißen Kakao gönnen. Diese haben nämlich ähnlichen Zuckergehalt, dafür stecken im Kakao aber Vitamin D2, Mineralien und Spurenelemente - und besser schmeckt das Ganze auch noch.