Ein leckeres Honigbrot
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11.03.2019 | Beitrag | Lesedauer etwa 6 Minuten - Honig oder "Honig"?

Der Streit um chinesische Honigprodukte

Der Bedarf an Honig in Deutschland ist groß: Rund ein Kilo isst jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Damit sind wir Weltmeister im Honigverbrauch. Die Nachfrage kann allerdings nur zu 30 Prozent aus hiesigen Imkerbeständen befriedigt werden. Die restlichen 70 Prozent stammen aus dem Import, etwa aus den Hauptimportländern Argentinien und Mexiko. Chinesischer Honig ist allerdings billiger – und wird deshalb gerne von deutschen Herstellern gekauft.

Doch ob chinesischer Honig überhaupt als Honig verkauft werden darf, darüber gehen die Meinungen auseinander. Denn dieser wird oft unreif geerntet und danach thermisch getrocknet. „Man nimmt den Bienen den letzten Arbeitsschritt ab und bearbeitet den Honig in Fabriken weiter, in sogenannten Vakuum-Trocknungs-Anlagen, setzt da eben Wärme ein und entzieht dann darüber das überschüssige Wasser“, so Nicole Merbach von der Stiftung Warentest.

Honig, der auf traditionelle Art entsteht, trocknet stattdessen, indem die Bienen ihn  umhertragen und immer wieder ablegen und aufnehmen. Dadurch wird der Honig mit bieneneigenen Stoffen angereichert. Nach Auffassung des Landesverbandes Brandenburgischer Imker fehlten dem vakuum-getrockneten Produkt aus China genau diese wertvollen bieneneigenen Enzyme.

Süßer Brotaufstrich - mehr nicht?

„Wir sind als Imker der Meinung, dass das Produkt am Ende nicht den Namen Bienenhonig tragen sollte, sondern da  kann man dann vielleicht draufschreiben: süßer Brotaufstrich, Vorsicht, kann Spuren von Honig enthalten", so Holger Ackermann, Sprecher des Landesverbandes Brandenburgischer Imker, gegenüber SUPER.MARKT. Und weiter: „Das in China sind gar keine Imker, das sind Industrieanlagen.“ Die Biene werde nur dazu benutzt, einen meist künstlich hergestellten Sirup aufzunehmen und diesen einmalig durch den Honigmagen durchzugeben. Danach würde der Trocknungsprozess künstlich herbeigeführt.

Aus Nicht-EU-Ländern

Ackermann reagiert damit auf einen aktuellen Bericht der Stiftung Warentest. Vor rund fünf Wochen hatte die Stiftung unter anderem mehrere Bio-Akazienhonige getestet und mit mangelhaft bewertet. Darunter Akazienhonige von Allos, DM, Penny Bio und der Biozentrale. Diese Honige zeigten Wärmeschäden und in einem Fall einen erhöhten Anteil von Glyzerin und Hefe. Durch die Analyse von Pollen konnte Stiftung Warentest nachweisen, dass diese Produkte aus China stammen - was der Verbraucher auf dem Etikett aber nicht erkennen kann. Dort steht lediglich, der Honig sei aus „nicht EU-Ländern“ oder aus „nicht EU-Landwirtschaft“.

Von Aufregung bei denen nach den miserablen Testergebnissen: keine Spur. Lediglich DM will sich anlässlich des Warentest-Berichtes mit dem chinesischen Hersteller austauschen und die vorliegenden Ergebnisse prüfen.