Nahaufnahme von einem Brötchen und anderen Lebensmitteln in einem Mülleimer (Quelle: imago images/Mario Hösel)
Bild: imago images/Mario Hösel

Mo 03.05.2021 | Dossier | Lesedauer 7 etwa Minuten - Lebensmittel: Weniger wegschmeißen leicht gemacht

Was wie lang und warum frisch bleibt

Bewusster Einkaufen, Lebensmittelreste genauer überprüfen und das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abschaffen: Es gibt inzwischen eine Reihe von Forderungen, die das Ziel haben, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Denn in Deutschland landen jährlich 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. 52 Prozent davon stammen aus Privathaushalten. So heißt es in einer Studie vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Mindesthaltbarkeitsdatum vs. Verbrauchsdatum

Ob Essen im Müll landet, machen Verbraucher oft vom MHD abhängig. Doch, Achtung: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein „Verfallsdatum“. Es besagt lediglich, wie lange ein Produkt mindestens haltbar ist, um den Hersteller rechtlich abzusichern. Wann ein Lebensmittel verdorben ist, kennzeichnet dagegen das Verbrauchsdatum. Es findet sich meist auf leicht verderblichen Produkten, wie abgepacktem Hackfleisch, geräuchertem Fisch oder Rohmilch und sollte unbedingt ernst genommen werden.
 
Verschlossene Produkte sind bei ordnungsgemäßer Lagerung auch noch genießbar, wenn das MHD schon abgelaufen ist. Die Verpackungen sind sehr steril, sodass sich schädliche Keime kaum bilden können.  

Lebensmittel: verdorben oder nicht?

  • Eier kann man nach Ablauf des MHD noch erhitzt verwenden, solange sie noch frisch sind. Ob das so ist, verrät der Wassertest: Frische Eier bleiben in einem Gefäß mit kaltem Wasser am Boden liegen, ältere richten sich auf oder schwimmen sogar an der Oberfläche. Allerdings kein sicheres Indiz, dass das Ei schlecht ist. Deshalb Geruch checken: Wenn es komisch riecht, kann es weg.  

  • Verschlossene Milch kann man bei korrekter Lagerung (im Kühlschrank bei bis zu sieben Grad) noch etwa 14 Tage über das Haltbarkeitsdatum hinaus noch trinken.

  • Ein gewölbter Joghurt-Deckel ist kein Grund zum Wegwerfen. Die Wölbung könnte zwar ein Hinweis auf Fäulnis sein. Es könnte aber auch beim Einschweißen Luft in die Verpackung gekommen sein. Oder die Milchsäurebakterien haben sich vermehrt und Gase gebildet. Auch dann kann man den Joghurt noch essen.

  • Zwiebeln sollte man nicht mehr verwenden, wenn die Knollen verschimmelt sind. Gekeimte Zwiebeln sind kein Problem.

  • Bei Hartkäse kann man Schimmel großzügig abschneiden und den Rest weitergenießen. Denn er enthält wenig Flüssigkeit, sodass sich Schimmelsporen nicht so einfach ausbreiten können. Andere Käsesorten dagegen sollte man bei Schimmel wegschmeißen, weil sie feuchter sind.

  • Frischkäse muss bei Schimmel komplett weggeschmissen werden, denn hier ist die Gefahr groß, dass sich ungesunde Schimmelpilzsporen schon ausgebreitet haben. Achtung: Frischkäse ist auch manchmal schlecht, wenn er nicht schimmelt.

  • Wurst und Schinken sollte man nach Ablauf des MHD grundsätzlich nicht mehr verwenden!

Verdorben oder nicht?

Grundsätzlich gilt, was laut Bauchgefühl noch gut riecht, schmeckt und aussieht, darf auf den Teller. Und damit das Essen erst gar nicht verdirbt, kann man beim Einkauf besser planen oder Lebensmittel wie Butter oder Brot teilweise einfrieren. Weitere detaillierte Informationen zur Haltbarkeit von Lebensmitteln hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

MHD abschaffen = weniger wegschmeißen?

In Lebensmittelindustrie, Politik und Wirtschaft ist das Mindesthaltbarkeitsdatum derzeit umstritten. Denn: Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, landet in der Tonne. Ohne MHD wäre das weniger, behauptet Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, weil sich die Menschen auf ihr Bauchgefühl verlassen. Eine heikle Debatte, denn die meisten Lebensmittel, die wir wegwerfen, sind frisches Brot, Obst und Gemüse - alles Produkte, die kein MHD haben. Verlierer bei der MHD-Abschaffung wären die Tafeln, die von abgelaufener Ware stark profitiert.