Regionale Lebensmittel (Quelle: imago / chromorange)
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Mo 21.01.2019 | Dossier - Der Irrtum mit den "Regional"-Siegeln

So erkennen Sie regionale Produkte

Obst und Gemüse aus der Region, Fleisch von lokalen Bauern: Laut einer Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist es 70 Prozent der Konsumenten wichtig, dass ihre Lebensmittel aus einer bestimmten Region stammen. Supermärkte und Hersteller gehen darauf ein und locken umweltbewusste Kunden mit haufenweise "Regional"-Labeln. Doch, wo regional draufsteht, ist meist gar nicht regional drin.

Regional ist "in"

Die Hinweise wie "Rewe regional" oder "Aldi - Obst und Gemüse aus Deutschland" begegnen Verbrauchern beim Einkauf immer öfter. Auf Plakaten, Werbetafeln und Webseiten liefern viele Supermarkt-Ketten Informationen zum lokalen und saisonalen Anbau von Obst und Gemüse in Deutschland und erwecken damit den Anschein, dass auch die Ware im Handel vom Hof um die Ecke stammt. Wer diese regionalen Produkte kauft, schont die Umwelt, weil klimaschädliche Transportwege wegfallen - so suggeriert es die Werbung. Doch leider kann man meistens nicht wirklich nachvollziehen, wie die Region definiert ist und zu welchem Anteil das Produkt von dort stammt.  

Das Label „regional“ ist nicht definiert

Die Kennzeichnung "regional" bedeutet nicht unbedingt, dass das Produkt vom Hof im nächsten Ort kommt. Denn im Gegensatz zum "bio" oder "öko" gibt es keine gesetzliche Definition für das Label "regional". Jeder Händler kann sein eigenes Verständnis von regional nutzen, um seine Produkte zu beschriften. Egal, ob sie aus einem Umkreis von 50 oder 500 Kilometern stammen. Die Bezeichnung kann wenige Kilometer oder ganz Deutschland umfassen.

Manche Zutaten sind regional, andere nicht

Ein weiteres Problem bei der Identifizierung regionaler Lebensmittel ist die industrielle Behandlung. Verbraucher können nicht immer nachvollziehen, welche Zusatzstoffe enthalten sind und woher diese stammen. Sind die Möhren beispielsweise aus dem selben Ort, können chemische Zusätze aus dem Ausland importiert sein. Es ist kompliziert, hier den Durchblick zu behalten. Doch mit folgenden Tipps können Sie von der Verpackung ablesen, welche Transportwege das Produkt hinter sich hat.  

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Siegel "Regionalfenster"Bild: dpa

So erkennen Sie regionale Produkte

Mit dem Regionalfenster hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein Siegel geschaffen, das den Herkunftsort des Produkts zumindest offenlegt. Das Siegel ist freiwillig und wird von dem privaten unabhängigen Verein "Regionalfenster e.V." getragen. Verbraucher können direkt auf dem Kennzeichen ablesen, aus welcher Region das Produkt stammt. Allerdings kann die Region auch hier bezüglich ihrer Größe variieren – von Ortschaft bis zu Bundesland. Voraussetzung ist, dass die Hauptzutat zu 100 Prozent aus dieser Region kommt und mindestens 51 Prozent des Gesamtgewichts ausmacht. Seit 2014 ist das Siegel auf dem Markt und schon auf vielen Produkten abgebildet.

Das Identitätskennzeichen
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Bei wenig verarbeiteten Lebensmitteln wie Milch, Fleisch oder Eiern bringt ein Blick auf das sogenannte Identitätskennzeichen etwas Klarheit. Das ovale Zeichen enthält nämlich das Kürzel des Bundeslandes, in dem das Produkt zuletzt behandelt worden ist - zum Beipiel HH für Hamburg. Somit lassen sich Transportwege nachvollziehen, Rückschlüsse auf die Herkunft der Rohstoffe allerdings nicht.

Ihre Garantie für umweltfreundliche Herstellung

Wer beim Einkauf neben Regionalität außerdem auf Herstellung, Tierhaltung und Umweltschutz achten möchte, kann sich an diesen Bio-Labeln orientieren. Sie sind gesetzlich geschützt und garantieren artgerechte Tierhaltung, Verzicht auf Pestizide, Stickstoffdünger und Gentechnik. Alle Bio-Produkte müssen das EU-Bio-Logo tragen, das sechseckige deutsche Bio-Label ist zusätzlich. Außerdem gibt es diverse Bio-Label der Bio-Anbauverbände, die strengeren Kriterien unterliegen. Beim Bio-Ei ist die erste Zahl im Herkunftsstempel eine Null.

Wer sich nicht alle wichtigen Bio-, Öko, Fairtrade- und Regional-Siegel merken möchte, kann auch den NABU Siegel-Check zur Hilfe nehmen. Mit dieser Smartphone-App können Sie die Siegel vor dem Einkauf scannen und erhalten sofort im Supermarkt Infos über Hintergründe und Kriterien.

Anerkannte Bio-Label
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