Ein Schild wirbt für regionale Lebensmittel (Quelle: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Bernd Settnik)
Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Bernd Settnik

Mo 31.05.2021 | Beitrag | Lesedauer etwa 5 Minuten - Regional: Wie nah soll's denn sein?

So unterschiedlich benutzen die Händler das Regional-Image

Ist von hier, da greif ich zu! Immer mehr Kundinnen und Kunden kaufen regionale Produkte. Das Problem: Der Begriff "regional" ist rechtlich nicht geschützt und bietet somit reichlich Spielraum für Interpretationen, sagt Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg: "Jeder Hersteller, jeder Händler kann sagen: Meine Kriterien sind die und die und deswegen bewerbe ich ein Produkt als 'regional'. Da guckt niemand hin und kontrolliert, ob diese Standards auch eingehalten werden."
 
Wie groß sind denn die Unterschiede dabei? SUPER.MARKT hat in einer Stichprobe einige große Lebensmittelhändler gefragt, wie Sie den Begriff "regional" definieren. Und siehe da - sechs verschiedene Supermärkte und Discounter, sechs verschiedene Antworten. Von naheliegend bis weit entfernt ...
 
(Anbieter alphabetisch geordnet.)

Aldi

Aldi zeichnet Produkte mit dem "Regionalfenster" aus: "Für die Auszeichnung muss die Herkunft (und ggf. die Verarbeitung) und Verpackung innerhalb eines Bundeslandes oder einer Region erfolgen (Region ist hier gemäß der Definition der Regionalfenster Service GmbH zu verstehen.) Die entsprechend gekennzeichneten Artikel werden ausschließlich in der jeweiligen Region sowie im Umland angeboten."
 
Zusätzlich gibt es die Eigenmarke "Einfach Regional", unter der Produkte laufen, die "aus der unmittelbaren Region kommen". Heißt laut Aldi: "Die gesamte Lieferkette – vom Anbau bis zur Verpackung – findet in der gekennzeichneten Region statt. In unseren Filialen in Berlin/Brandenburg bieten wir beispielsweise saisonal Spargel, verschiedene Beeren, Äpfel, Möhren oder auch Salate an." Dabei müssen nicht in allen Fällen alle Produktionsstufen innerhalb der ausgezeichneten Region stattfinden - doch laut Aldi findet diese ebenfalls "in Deutschland und in der Nähe der genannten Region statt". Transparent gekennzeichnet würde dies dann durch das "Regionalfenster".
 
Teilweise bietet Aldi dabei auch regionale Ware in Bioqualität an, vor allem - so das Unternehmen - Obst und Gemüse in der deutschen Erntesaison.

Edeka

Edeka-Märkte arbeiten mit der Kennzeichnung "Bestes aus unserer Region", dabei bietet Edeka regionale Produkte auch in Bio-Qualität an: "Die Lebensmittel kommen von Lieferanten, die in einem Radius von etwa 30 Kilometern um den jeweiligen Edeka-Markt angesiedelt sind." Seit Anfang 2021 verkauft Edeka Minden-Hannover, die gegenüber SUPER.MARKT Auskunft gegeben hat, "mehr als 100 unterschiedliche Artikel von Obst und Gemüse aus der Region unter der neuen Marke 'Edeka Heimatliebe' in ihren Märkten."
 
In Berlin und Brandenburg definiert Edeka die "Heimatliebe"-Produkte "für die Region Berlin-Brandenburg in Kombination. Die Herkunft der Produkte stammt zum größten Teil aufgrund anbauspezifischer Aspekte aus Brandenburg. Grundsätzlich finden alle Stufen der Lieferkette innerhalb des Bundeslandes bzw. der Region statt. In einzelnen, wenigen Ausnahmesituationen erfolgt die Aufbereitung und Verpackung aufgrund ökonomischer und ökologischer Aspekte in einem anderen Bundesland."
 
Das Siegel "Regionalfenster" wird bei den "Heimatliebe"-Produkten nicht zusätzlich benutzt.

Kaufland

Bundesweit verkauft Kaufland nach eigenen Angaben rund 25.000 regionale Artikel, die am Regal mit einem "Regional-Herz" gekennzeichnet werden. Bei dieser Kennzeichnung ist der Produktionsstandort maßgeblich, sie garantiert die Herstellung im jeweiligen Bundesland, so Kaufland gegenüber SUPER.MARKT. "Artikel, die darüber hinaus aus dem Umfeld von etwa 30 Kilometern zur Filiale stammen, werden ebenfalls mit dem Produktionsstandort gekennzeichnet."

Siegel: Regionales Fenster (Quelle: dpa)
dpa

So erkennen Sie regionale Produkte

Mit dem "Regionalfenster" hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein Siegel geschaffen, das den Herkunftsort des Produkts zumindest offenlegt. Das Siegel ist freiwillig und wird von dem privaten unabhängigen Verein "Regionalfenster e.V." getragen. Verbraucher können direkt auf dem Kennzeichen ablesen, aus welcher Region das Produkt stammt. Allerdings kann die Region auch hier bezüglich ihrer Größe variieren – von Ortschaft bis zu Bundesland. Voraussetzung ist, dass die Hauptzutat zu 100 Prozent aus dieser Region kommt und mindestens 51 Prozent des Gesamtgewichts ausmacht. Seit 2014 ist das Siegel auf dem Markt und schon auf vielen Produkten abgebildet.

Das Identitätskennzeichen
dpa

Bei wenig verarbeiteten Lebensmitteln wie Milch, Fleisch oder Eiern bringt ein Blick auf das sogenannte Identitätskennzeichen etwas Klarheit. Das ovale Zeichen enthält nämlich das Kürzel des Bundeslandes, in dem das Produkt zuletzt behandelt worden ist - zum Beipiel HH für Hamburg. Somit lassen sich Transportwege nachvollziehen, Rückschlüsse auf die Herkunft der Rohstoffe allerdings nicht.

Lidl

Lidl arbeitet nicht mit einer regionalen Eigenmarke. Doch wo es möglich ist, bietet das Unternehmen - nach eigenen Angaben - etwa in Berlin und Brandenburg Molkereiartikel, Obst und Gemüse von regionalen Erzeugern an. Darunter befinden sich auch Bio-Produkte.
 
Teilweise kennzeichnet Lidl dabei Erzeugnisse mit dem "Regionalfenster", welches Herkunft der Hauptzutat und Verarbeitungsort der jeweiligen Produkte angibt.
 
"Unter regionalen Produkten verstehen wir zum einen regionale Spezialitäten, unabhängig von der Herkunft der Zutaten und dem Verkaufsort. Zum anderen sind für uns Produkte regional, wenn die Hauptzutat aus einer bestimmten deutschen Region stammt und nur in einer regional begrenzten Anzahl von Filialen angeboten wird." Was nun "regional" ganz genau für das Unternehmen bedeutet, wird gegenüber SUPER.MARKT nicht erläutert.

Penny

Die Definition von Regionalität hängt bei Penny "vom jeweiligen Produkt ab". Penny kennzeichnet nach eigenen Angaben etwa 60 Artikel mit dem Siegel "Regionalfenster", wenn diese in Deutschland saisonal verfügbar sind. "Dazu gehören unter anderem Äpfel, Möhren, Spargel oder Tomaten, die häufig von einem Lieferanten pro Region stammen". So seien nahezu sämtliche Artikel deutscher Herkunft mit dem Regionalfenster ausgestattet. Der Kunde kann hier selbst entscheiden, ob ihm regional auch wirklich regional genug ist.
 
Als zusätzliche Herkunftsangabe weist Penny "bei regionalem Obst und Gemüse etwa das Bundesland oder eine Anbau- oder "Genussregion" wie zum Beispiel "aus der deutschen Bodenseeregion" aus".

Rewe

Rewe unterscheidet zwischen regionalen und lokalen Produkten. Insgesamt und auf das ganze Jahr gerechnet kommen bei Rewe "weit mehr als 20.000 Produkte von lokalen und regionalen Herstellern" in die Regale, so das Unternehmen.
 
Lokal bedeutet dabei: Die "Produkte kommen unmittelbar aus der Stadt, der Gemeinde oder dem nahen Umkreis", so Rewe - in der Regel kämen die Erzeuger aus einem Umkreis von weniger als 30 km.
 
Bei den regionalen Erzeugnissen sollen die Kundinnen laut Händler möglichst transparent nachvollziehen können, woher die Produkte kommen.
 
"Der Verbraucher kann gleich auf der Verpackung der Eigenmarke Rewe Regional nachvollziehen, aus welcher Region die Möhre oder der Apfel stammt. Dabei unterscheidet Rewe Bundesländer, traditionell nachvollziehbare Gebiete wie beispielsweise den Spreewald oder topographische Gebiete wie die deutsche Bodenseeregion." So erhalten die Rewe Regional-Produkte laut Unternehmen etwa die Auslobung "aus Brandenburg", "aus dem Havelland" oder "aus dem Spreewald".
 
"Das gilt auch für verarbeitete Produkte. Bei Apfelrotkohl muss sowohl der Apfel als auch der Rotkohl aus der Region kommen. Salz und Kümmel können, müssen aber nicht aus der Region sein." Darüber hinaus trügen viele Rewe Regional-Produkte zusätzlich das Siegel "Regionalfenster".
 
Oft sei die Entfernung von Rewe Regional-Erzeuger und Rewe-Markt, in dem die Produkte landen, geringer als 100 km.