Viel Kleidung hängt an zwei langen Kleiderstangen (Quelle: Colourbox)
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Mo 07.10.2019 | Beitrag | Lesedauer etwa 5 Minuten - Kleidung: Licht im Größen-Dschungel

Viele Angaben, viele Maße, viel Verwirrung

Wer schön sein will, muss leiden? Darauf können Sie sich verlassen. Vor allem, wenn es darum geht, neue Kleidungsstücke zu kaufen, bewahrheitet sich dieser Spruch gerne mal. Denn schon beim ersten Anziehen wird klar: Hier passt nichts so, wie es passen sollte. Tragen Sie als Frau zum Beispiel eigentlich Größe 42, passen Sie bei dem einen Hersteller sogar in die 38 rein. Eine sogenannte "Schmeichelgröße". Bei der anderen Marke passt zwar theoretisch die 42, die schlackert aber an ganz seltsamen Stellen ...

Hintergrund des Größenverwirrspiels: Die Konfektionsgrößen sind zwar genormt, es besteht allerdings keine Verpflichtung für die Hersteller, sich an die Normen zu halten. So kann jeder seine eigene Größen-Tabelle entwerfen. Und je nachdem, worauf der Hersteller seinen Fokus setzt - also etwa auf Rundungen oder auf schmale Figuren - ändert sich die Größe, die passt, so schnell, als laufe man durchs Spiegelkabinett.

Herrengrößen - drei Unterkategorien

Bei der Herrenbekleidung ist es nicht besser. Man könnte sogar fast der Meinung sein, hier sei alles noch schlimmer, denn Männergrößen sind in sich noch mal in verschiedene Kategorien unterteilt: "untersetzt", "normal" und "schlank". Was eigentlich für besseren Sitz der Kleidung sorgen soll, bringt im echten Leben eines Mannes vor allem eines: den blanken Horror beim Gang ins Bekleidungsgeschäft.

Es herrscht also Wirrwarr - sowohl bei Frauen- als auch bei Männer-Kleidung. Doch wir haben die Tipps, mit denen der Klamottenkauf besser gelingt. Denn jetzt mal ehrlich: Wer hat schon Lust, die online geshoppte Ware jedesmal zum Pakete-Shop zurückzuschleppen?

So kaufen Sie richtig

1. Wichtigster Tipp: Kennen Sie Ihre Maße! Messen Sie sich jährlich. Und das bitte, ohne wegen zwei Zentimetern mehr oder weniger an der ein oder anderen Stelle Trübsal zu blasen. Denn genau dafür ist Kleidung ja da: Sie soll uns nicht nur gut aussehen lassen - sondern uns vor allem zu einem angenehmen Körpergefühl verhelfen. Dafür muss sie allerdings gut sitzen. Also: messen.

2. Nehmen Sie Technik zu Hilfe! Gerade im Urlaub kann es sich lohnen, eine App aufs Smartphone zu laden, die deutsche Größen ins andere System überträgt und andersrum.

3. Lesen Sie beim Onlineshoppen die Bewertungen anderer Käufer. Natürlich können die Ihnen nicht sagen, ob Ihnen das Teil perfekt passt - aber ob es etwa im Brustbereich extrem weit geschnitten ist oder die Beine erstaunlich kurz sind, das erfahren Sie so schon.

Oft hilft es auch, dass heutzutage gerne die Größen der Models, die online abgebildet sind, angegeben werden - nach dem Motto "Laura ist 176 Zentimeter groß und trägt Größe 38". Da kann man schon mal sehen, ob man den Gang zur Änderungsschneiderei finanziell besser mit einplanen sollte.

4. Probieren Sie im Laden alles an, um nerviges Umtauschen zu vermeiden. Wenn Sie zu den Käufern gehören, die enge Ankleidekabinen und schlechte Beleuchtung hassen: Nehmen Sie genug Zeit mit. Nur so lässt man sich von Winzkabinen, Musikgedudel oder anderen Shoppern nicht stressen. Kleiner Tipp: Immer häufiger gibt es auch sogenannte "Familienkabinen", die besonders groß sind.

Fun Fact zum Schluss

Deutschland wird vom Hohenstein-Institut vermessen. Eine Forschungseinrichtung bei Stuttgart, die sich auf Textil-Studien spezialisiert hat. Zuletzt wurden wir 2007/2008 vermessen. Dazu nahm das Institut die Maße von mehr als 13.000 Personen - mit der Erkenntnis, dass sowohl die deutschen Frauen als auch die deutschen Männer zugenommen haben und größer geworden sind. 

Die Ergebnisse der Studie sind nicht für alle Textilhersteller zugänglich. Lediglich die rund 80 Firmen, die dem Hohenstein-Institut den Auftrag zu "Size Germany" gegeben hatten, haben Einblick in die detaillierten Ausführungen. Dafür haben sich die Unternehmen mit Beträgen zwischen 5.000 und 75.000 Euro an den Kosten der Studie beteiligt. Je nachdem, wie viele Daten sie hinterher einsehen wollten.

Die letzte Vermessung vor "Size Germany" fand für die deutschen Männer in den 1970er-Jahren statt, für die Frauen erfolgte sie 1994.