Eine Frau geht in Regenkleidung mit ihrem Hund spazieren (Quelle: dpa)
Bild: dpa

Mi 27.01.2021 | Dossier| Lesedauer etwa 6 Minuten - Nur raus: Pimp my Spaziergang

So läuft es sich draußen leichter

Regen, Schneeregen, Regen, Dunkelheit und noch mal Regen. Klar, da bleibt jeder am liebsten zu Hause in den eigenen vier - möglichst warmen! - Wänden. Aber: Raus müssen Sie trotzdem. Und das nicht nur, um Besorgungen zu erledigen. Bewegung, Tageslicht und frische Luft sind nicht nur das Allheilmittel gegen den Lockdown-Blues, sondern erwiesenermaßen auch gesund: Diverse Studien aus den vergangenen Jahren zeigen, dass ein einfacher Spaziergang Herz-Kreislauf-Krankheiten, Demenz und auch Depressionen vorbeugt. Und dabei müssen Sie den Gesundheitsaspekt noch nicht einmal in den Vordergrund stellen! Eine Studie, die die American Psychological Association 2016 veröffentlicht hat, zeigt, dass Spaziergänger sogar dann eine Stimmungsaufhellung beim Spazierengehen erleben, wenn Sie vorher das Gegenteil erwarteten.
 
Ja, das sind alles gute Argumente. Allein, den inneren Schweinehund müssen Sie trotzdem noch dazu bringen, mitzumachen. Und dafür liefern wir Ihnen hier ein paar Tipps: Alles zum Thema Ausrüstung, spannende Apps für interessante Routen und das Einmaleins des Spazierengehens.

Die richtige Ausrüstung

Keine Sorge, wir fangen jetzt nicht mit Wanderstiefeln und hochgebirgstauglicher Sonnencreme an. Wir wollen Sie ja vor der eigenen Haustür nach draußen schicken. Also, was brauchen Sie jetzt, bei unstetem Wetter und kalten Temperaturen?
 
Schuhe, Hose, Jacke - alles wasserdicht und im Fall der Jacke auch winddicht. Achten Sie darauf, dass die Kapuze Ihrer Jacke sich gut um das Gesicht schließen lässt und bestenfalls einen "Regenvorsprung" über Ihrer Stirn hat. So können Sie auf einen lästigen Regenschirm verzichten, Ihr Gesicht bleibt aber dennoch trocken. Außerdem sinnvoll: Unterarmschlitze in der Jacke, die Ihnen Frischluft bringen, sollten Sie "warmlaufen".
 
Bei der Regenhose kann nicht viel schiefgehen, solange Sie darauf achten, dass sie wirklich dicht hält und sich gut über Ihre Schuhe ziehen lässt. Das empfiehlt sich eher, als die Hose in die Schuhe zu stecken, etwa bei Stiefeln, weil die Gefahr besteht, dass der Regen dann an der Hose hinab in Ihre Schuhe läuft. Alles schon passiert!
 
Da sind wir auch schon bei den Schuhen. Ziehen Sie an, was bequem, rutsch- und wetterfest ist. Ob das Gummistiefel, leichte Winterstiefel oder regenfeste Halbschuhe sind, bleibt Ihnen überlassen.
 
Im Grunde reicht das schon. Verzichten Sie auf allen überflüssigen Ballast, und konzentrieren Sie sich statt aufs Herumtragen von Dingen lieber aufs Betrachten von Dingen. Regenschirm, Snacks oder Fotokamera? Versuchen Sie einmal, ohne auszukommen - und Sie werden noch eher merken, dass das rucksack- wie absichtslose Spazierengehen sich wirklich vom sonstigen Herumgehetze unterscheidet. Und einen Supermarkt, um notfalls Getränke oder Essen zu kaufen, findet man in Berlin oder Brandenburg ja nun wirklich an vielen Ecken.

Eine Frau versucht, einen widerspenstigen Regenschirm zu schließen (Quelle: dpa)
Die besten Helferlein

Es gibt ja Tricks, wie man sich den Regenspaziergang schönreden kann: Die neue Regenjacke will ausgeführt werden, der Hund muss raus, notfalls der Müll. Der Gang durch den Vorgarten ist doch auch schon ein Spaziergang, oder? Nein. Suchen Sie sich lieber tolle Helferlein, die Ihnen wirklich Lust auf einen Spaziergang bringen. Die Rede ist von Apps!
 
Raus in die Natur
Tourenapps wie etwa Komoot, Alltrails, die Rother Tourenapp oder Outdooractive kennen die meisten vielleicht schon. Solche Wander- und Tourenapps lohnen sich, wenn Sie mal ein neues Stück Natur vor der Haustür entdecken wollen. Das Angebot an entsprechenden Apps ist groß, es lohnt, auf eine einfache Handhabung und niedrigen Akkuverbrauch zu achten - gerade, wenn Sie unterwegs sind, sollte das Smartphone zwischendurch nicht den Geist aufgeben.
 
Mehr von der Stadt sehen
Berlin mal mit neuen Augen sehen? Klar, laden Sie sich einfach eine Stadtführer-App runter und starten Sie Ihren Gang. Schon werden Ihnen völlig neue Seiten der Stadt präsentiert. Going Local, Augmented Berlin oder About Berlin zeigen Ihnen das heutige Berlin, Mauar und Die Berliner Mauer nehmen Sie mit auf einen Ausflug in die Vergangenheit.
 
Und wer es offline schaffen will, Berlin neu zu entdecken - ja, auch das geht - , sucht sich einfach einen alten Stadtplan, denkt sich eine kleine Zahl, kombiniert diese mit einem Buchstaben aus der ersten Hälfte des Alphabets aus, etwa B7, und sucht das so entstandene Planquadrat auf dem Stadtplan. Schon wissen Sie, wo Sie Ihr heutiger Spaziergang hinführen wird!
 
Lebenwesen und Pfanzen entdecken
Selbst ein Spaziergang in der Stadt taugt dazu, die Natur besser kennenzulernen. In diesem Fall eben die Stadtnatur! Und dafür gibt es zahlreiche Apps. Die Naturschutzorganisation Nabu bietet verschiedene Apps an, etwa die Vogelwelt oder die Insektenwelt, um die kleinen Krabbler besser kennenzulernen. Auch andere Anbieter spielen da mit: Vogelführer Pro HD für Vögel etwa, oder Naturalist. Wer draußen in der Natur ist, kann sich auch an den - kostenpflichtigen - Apps Wilde Tiere und Spuren oder Tierspuren bestimmen versuchen.
 
Das war die Fauna, kommen wir zur Flora! Schauen Sie sich gerne mal an, was dort in den Gehsteigritzen so wächst, empfehlen wir Planzenbestimmungsapps wie etwa Flora Incognita, Pl@ntnet, Picturethis-Pflanzen bestimmen oder Krautfinder (kostenpflichtig). Wer sich auf Bäume konzentrieren möchte, kann die Apps Bäume bestimmen - Baumbestimmung, Bäume oder Baumportal Baumbestimmung ausprobieren. Die Waldfibel-App des
Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft bringt schließlich Flora und Fauna zusammen und führt Sie kenntnisbereichernd durch den Wald.
 
Übrigens: Das Museum für Naturkunde in Berlin hat auch eine eigene App - mit Naturblick entdecken Sie die Stadtnatur.
 
Unterwegs Lernen
Ja! Das geht vor allem mit Podcasts wunderbar. Lernen Sie laufend eine neue Sprache, hören Sie sich die spannendsten Erkenntnisse aus der Wissenschaft an oder nutzen Sie Ihren Spaziergang, um Historie vor Ihren Augen aufleben zu lassen. Webseiten wie Podwatch.io oder Podcast.de bringt einen guten Überblick über die unterschiedlichsten Podcasts. Ohne Podcast, aber trotzdem schön: Schauen Sie beim Abendspaziergang in den Sternenhimmel und lernen mit der App Star Walk, welcher Stern Sie von wo anblinkt.
 
Apps auf Abwegen
Viele Apps wollen sich derzeit mit den Stichworten Achtsamkeit, Gutes tun, Natur am Markt positionieren. Das treibt mitunter seltsame Blüten. Die App Cherrisk Go des ungarischen Versicherungsunternehmens Uniqa vergibt etwa virtuelle Kirschen für jede Art von Bewegung: Sobald Sie fünf Minuten unterwegs sind, bekommen Sie eine Kirsche. Mit den Kirschen erhalten Sie einerseits Rabatte bei diversen Shops oder Sie spenden sie an wohltätige Organisationen. Hört sich topsuperstark an - wird aber mit Ihren Daten bezahlt. Und: Diese App ist nur ein Beispiel von vielen. Daher raten wir: Vor der App-Installation unbedingt die AGB checken und Bewertungen - auf mehreren Webseiten - lesen.

Zwei Spaziergänger vor nächtlicher Berliner Kulisse (Quelle: dpa)
Der treueste Begleiter

Nein, in diesem Fall meinen wir nicht Ihren Vierbeiner. Sondern zum einen eine anständige Wetter-App, zum anderen die Corona-Warn-App sowie die allseits bekannten Abstandsregeln. Wenn wir draußen unterwegs sind, sei es im Wald oder auf Berlins oder Frankfurts Bürgersteigen, neigen wir dazu, uns die Gefahr, die von dem Coronavirus ausgeht, nicht ganz so deutlich zu machen. Eine Unterhaltung vor der Haustür oder das knappe Überholen eines anderen Passanten - wer denkt da schon an Corona? Trotzdem sollten wir alle vorsichtig bleiben: Auch an der frischen Luft kann das Virus übertragen werden. Genug der Worte! Jetzt raus mit Ihnen.