Mann und Frau freuen sich beim Onlinekauf vorm Computer (Quelle: imago images/Westend61)
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Mo 16.03.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 5 Minuten - Gütesiegel: Online gut eingekauft?

Das sagen Siegel über die Sicherheit eines Shops aus

64 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2019 im Online-Handel aus. Immerhin 23 Prozent der Befragten gaben an, dabei schon einmal betrogen worden zu sein. Der Schaden durch Online-Betrug: Über 1,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, Tendenz steigend. Aber wie können sich Verbraucher schützen? Nur auf Siegel wie "Trusted Shops" zu achten, reicht nicht aus, warnt die Verbraucherzentrale Berlin.

Siegel nicht gleich Sicherheit

Zwar sollen Prüfsiegel dem Käufer Sicherheit verschaffen. Bei der Vielzahl der verschiedenen Gütesiegel ist es für Verbraucher allerdings schwer, den Überblick zu behalten. Josephine Frindte, Rechtsexpertin bei der Berliner Verbraucherzentrale, warnt dementsprechend davor, den Siegeln blindlings zu vertrauen: "Nicht jedes Siegel bedeutet gleichzeitig, dass man Sicherheit beim Einkaufen hat. Man sollte immer schauen: Was verspricht dieses Siegel überhaupt?"

Untersuchungen zeigen, dass besonders bei unbekannten Online-Shops die Siegel für zwei Drittel der Käufer eine große Rolle spielen. Denn Gütesiegel wirken vertrauensfördernd. So wie Trusted Shops - mit 30.000 zertifizierten Online-Händlern ist es der Marktführer unter den Gütesiegel-Betreibern.

Thomas Zieba ist Rechtsberater bei Trusted Shops. Er erklärt, wie Händler ein solches Siegel erwerben können: "Ein Siegel führen darf jeder. Wichtig ist, dass die Person hinter dem Siegel auch dafür einsteht. Und ein einmal erhaltenes Gütesiegel heißt nicht, dass die Prüfung aufhört. Wir kontrollieren ständig, ob das Siegel tatsächlich noch geführt werden kann und wir dahinter stehen." Sollten sich die Voraussetzungen für das Siegel ändern oder von den Shopbetreibern nicht mehr erfüllt werden, würde das Siegel entzogen, so Zieba.

Laut dem Siegel-Experten lässt sich online leicht erkennen, was das Trusted-Shops-Siegel über den jeweiligen Onlineshop aussagt: Durch einen Klick auf das Gütesiegel öffnet sich ein Pop-up. Hier kann der Käufer sehen, dass der Shop zertifiziert ist. Außerdem kann man sehen, seit wann der Shop zertifiziert ist und ob ein Käuferschutz besteht. "Ganz wichtig ist, dass die URL-Adresse bei Trusted Shops mit der bei dem Shop angegebenen übereinstimmt", erläutert Zieba die Sicherheitsmechanismen von Trusted Shops.

Stiftung Warentest mit Siegeltest

Stiftung Warentest hat Ende 2019 die vier gängigsten Online-Gütesiegel getestet. Dazu haben sie fingierte Online-Shops präpariert: "Heißt, wir haben einmal Fehler in den allgemeinen Geschäftsbedingungen eingebaut", erläutert Simone Vintz, Projektleiterin bei Warentest. "Wir haben Fehler in den Datenschutzerklärungen eingebaut und wir haben darüber hinaus noch fünf Sicherheitsmängel in der Technik selber eingebaut."

Viele Verbraucher würden denken, bei der Vergabe eines Gütesiegels würde gleichzeitig die Güte der Waren in den Shops geprüft, dies sei aber nicht der Fall, warnt Vintz. Ein Gütesiegel prüft nur das Prozedere, nicht andere Kriterien der Shops.

Das Ergebnis des Tests: Die Aussagekraft der Siegel von TÜV Süd und Trusted Shops wurden mit mittel eingestuft. Das Internetsiegel Sicher und Seriös hat laut Stiftung Warentest nur eine geringe Aussagekraft für den Verbraucher und das Siegel Geprüfter Webshop fiel beim Test negativ auf, weil das Siegel vergeben wurde, ohne dass die gefundenen Sicherheitsmängel beseitigt wurden. Absolute Sicherheit kann also keines der Siegel dem Verbraucher garantieren.

5 Tipps für die Kaufentscheidung

Aber wenn die Gütesiegel nur bedingt als Sicherheitsindikator brauchbar sind, wie kann sich der Verbraucher zusätzlich schützen, um wirklich sicher online einzukaufen? Für Verbraucherschützerin Frindte gibt es fünf Sicherheitsmerkmale, die beim Online-Kauf helfen:

  • "Um sicher zu sein, dass der Online-Shop, bei dem ich jetzt einkaufe, wirklich ein sicherer Onlineshop ist, ist der erste Weg zu schauen: Gibt es überhaupt ein Impressum?" Das sei das A & O. Wenn es kein Impressum gibt, "sofort die Finger davon lassen", so Frindte.
  • Als nächstes müsse gecheckt werden, ob das Gütesiegel, das auf der Internetseite ist, überhaupt echt ist - und nicht nur reinkopiert. Mit einem Mausklick auf das Siegel lässt sich das überprüfen.
  • Weiteres Anzeichen für einen unseriösen Anbieter: Nur die Zahlung per Vorkasse wird akzeptiert.
  • Auch massiv reduzierte Preise auf den Seiten, die extrem hervorgehoben sind, können auf betrügerische Shops hinweisen.
  • Und zuletzt ist es immer ratsam, so die Verbraucher-Expertin, sich andere Kundenbewertungen anzugucken. Und dies nicht nur auf der eigenen Seite des Shops, sondern etwa auch über Google oder andere Suchmaschinen.

Der richtige Umgang mit Online-Gütesiegeln ist also nur eine Voraussetzung, um den Einkauf im Netz sicherer zu machen, getreu dem alten Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!