Trinkgeld neben einer leeren Kaffeetasse (Quelle: IMAGO / Sven Simon)
Bild: IMAGO / Sven Simon

Mo 04.07.2022 | Dossier | Lesedauer 7 Minuten - Trinkgeld-Knigge: Wie viel in welchem Urlaubsland?

Mal wird aufgerundet, mal sind zehn Prozent üblich und an manchen Orten wird Trinkgeld sogar als unhöflich angesehen. Wer diesen Sommer in den Urlaub fahren möchte, sollte sich vor Reiseantritt schlau machen.

Ganz trocken heißt es in der Deutschen Gewerbeordnung laut § 107 Absatz 3: "Trinkgeld ist ein Geldbetrag, den ein Dritter ohne rechtliche Verpflichtung dem Arbeitnehmer zusätzlich zu einer dem Arbeitgeber geschuldeten Leistung zahlt."
 
Wichtig zu wissen: Trinkgeld ist also ein KANN, kein Muss. Nichtsdestotrotz sollte gute Serviceleistung auch mit finanzieller "Anerkennung" gewürdigt werden. Wie viel Prozent des Rechnungsbetrages angemessen sind, lässt sich pauschal nicht festhalten. Diverse Faktoren spielen eine Rolle: Beispielsweise die Umgebung oder das Etablissement, in welchem Sie sich befinden, und natürlich die Höhe der Rechnung. Wenn Sie sich jedoch an der Faustregel langhangeln, fünf bis zehn Prozent zu geben, können Sie nichts falsch machen. Und wenn Sie sich mit einem Lob aus einem Restaurant verabschieden, dann wertet dieses das gegebene Trinkgeld in jedem Fall auf - logisch. Ebenfalls gut zu wissen: Sollten Sie mit Karte zahlen, versuchen Sie das Trinkgeld trotzdem in bar zu überreichen.

Hotels, Garderoben und Taxis

Sind Sie in gehobeneren Hotels unterwegs, dann können Sie mit dem Trinkgeld folgendermaßen umghehen: Bei An- und Abreise lassen Sie dem Concierge jeweils zwei bis fünf Euro pro Gepäckstück da. Geben Sie eine Bestellung über den Zimmerservice ab, dann gelten ebenfalls zwei bis fünf Euro pro Lieferung.
 
An Garderoben ist, wie in allen Situationen, Fingerspitzengefühl gefragt. 50 Cent und ein nettes Lächeln können hier schon ausreichen. Haben Sie mehrere Kleidungsstücke abgegeben und Sie sind zufrieden, kann es gerne auch mehr sein. In Taxis gilt: Ist der Service zu Ihrer Zufriedenheit, geben Sie zehn Prozent der Summe.

Wie viel Trinkgeld gibt man in welchem Land?

Bei unseren österreichischen Nachbarn läuft das Trinkgeldgeben ähnlich ab wie bei uns. Fünf bis zehn Prozent und Sie sind auf der sicheren Seite. In Italien und Kroatien gelten im Restaurant ebenfalls circa zehn Prozent des Rechnungsbetrags. Sollte ein Gedeck bereits mit eingerechnet sein, kann auch weniger gegeben werden. Gut zu wissen: Es gilt als unhöflich, das Trinkgeld dem Restaurant-Chef auszuhändigen. Zusätzlich sollten Sie sich bemühen, gemeinsam zu bezahlen. Die deutsche Sitte getrennter Rechnungen gilt als unhöflich.
 
In Spanien und Portugal ist es Brauch, fünf bis zehn Prozent in Restaurants einfach auf dem Tisch liegen zu lassen. Aber bitte keine Kupfermünzen. In Taxis wird auf die nächsten 50 Cent oder den Euro aufgerundet. In Hotels sollten es dann schon fünf Euro pro Übernachtung sein. In Frankreich gilt in Restaurants dasselbe: Zehn Prozent auf dem Tisch liegen lassen. In Taxis sind ebenfalls zehn Prozent üblich, in Hotels wird kein Trinkgeld gegeben.

Geld für den Platzanweiser

Jetzt wird es spannend. In den Benelux-Staaten beispielsweise ist das Trinkgeld in Restaurants, Hotels und Taxis bereits in der Rechnung inkludiert. Interessant: Platzanweiser im Kino oder Theater bekommen ein kleines Trinkgeld für den Service.
 
In Skandinavien ist die Trinkgeld-Sitaution einigermaßen einheitlich. In Dänemark, Norwegen und Finnland erwarten Kellner kein Trinkgeld. In Finnland ist es aber üblich, dem Kofferträger eine Kleinigkeit zu geben. Die Trinkgeld-Ausnahme: Schweden. Hier orientieren Sie sich am besten wieder an den zehn Prozent.
 
Bezahlen Sie bloß zusammen

 
In der Türkei sollten Sie nun ein wenig aufpassen: Hier gilt kein Trinkgeld zu geben als äußerst unhöflich. Lassen Sie am besten sechs bis zehn Prozent auf dem Tisch liegen und zahlen Sie bitte nicht getrennt. Knauserigkeit ist in der Türkei alles andere als gern gesehen.

Und in Übersee?

In den USA und Kanada ist die Situation eine andere als in Europa: Kellnerinnen und Kellner leben größtenteils von den Geldern, die ihnen von Kunden als Obolus gegeben werden. Dementsprechend liegen die "Tips" bei 15 bis 20 Prozent. Pro Gepäckstück bekommen die Pagen einen Dollar, pro Nacht sind zwei Dollar der Richtwert.
 
Trinkgeld als Beleidigung

 
In Nordafrika liegen die Prozentzahlen, vornehmlich in Restaurants, bei zehn bis fünfzehn Prozent. In Asien, beispielsweise in Japan, ist guter Service eine Selbstverständlichkeit. Dementsprechend gelten Trinkgelder als Beleidigung. Es sei denn, es sind touristische Zentren, die westliche Gepflogenheiten übernommen haben, wie etwa Thailand. Hier sind dann wieder zehn Prozent der Richtwert.

Trinkgeld verboten

In Mittelamerika freuen sich Zimmerpersonal und Kellner:innen über ein Trinkgeld - einen festgelegten Brauch gibt es aber nicht. In der Südsee gestaltet sich das drastischer: Trinkgeld anzunehmen ist tatsächlich verboten. Bringen Sie also am Besten niemanden in Verlegenheit. Australien und Neuseeland unterscheiden sich voneinander: Während in Australien finanzielle Nettigkeiten eher unüblich sind, können in Neuseeland durchaus zehn Prozent Trinkgeld gegeben werden.