Ein Waschbär guckt aus einem Spalt einer Holzkiste (Quelle: imago images/Martin Wagner)
Bild: imago images/Martin Wagner

Fr 12.02.2021 | Beitrag| Lesedauer etwa 6 Minuten - Waschbären: Unerwünschte Untermieter

So werden Sie die Allesfresser wieder los - vielleicht

Eigentlich sieht er ja ganz süß aus, mit der schwarzen Brille um die Augen, dem Stupsnäschen und den kleinen Händen - der Waschbär. Nicht mehr so süß ist es, wenn die Mülltonnen morgens umgekippt vor dem Haus liegen oder sich die Allesfresser sogar im Haus unter dem Dach eingenistet haben. Denn dort können sie ziemliche Schäden an der Fassade und Dachisolierung sowie jede Menge Dreck verursachen. Mal ganz abgesehen von den Geräuschen so eines ungewollten Untermieters.

Berliner Waschbären fühlen sich wohl

Wie viele Waschbären in Berlin leben, dazu gibt es keine genauen Zahlen. Derk Ehlert, Wildtierexperte der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, geht von über 1.000 Tieren aus. Die Population habe über die Jahre zugenommen - gab es vor 20 Jahren noch alle paar Tage einen Anruf von Bürgern und Bürgerinnen zum Thema Waschbären, seien es heute teilweise mehrere am Tag. Die meisten Tiere leben am Stadtrand, dort, wo sie leicht Nahrung finden und nah an Gewässern leben können. Aber auch am Breitscheidplatz seien schon Tiere gesichtet worden. "Die Lebensbedingungen in der Stadt sind grundsätzlich gut", so Derk Ehlert.
 
Auch in Brandenburg ist die Population ordentlich gewachsen. Zwar gibt es auch hier keine offiziellen Zahlen zu den Tieren, aber im vergangenen Jagdjahr von April 2019 bis März 2020 wurden 36.900 Waschbären entweder gejagt, gefangen oder tot aufgefunden. Das ist der bisher höchste Wert. Die meisten Waschbären wurden im Landkreis Ostprignitz-Ruppin gezählt.

Fangen oder gar abschießen?

Ist der Waschbär einmal da, ist er leider nicht so einfach wieder loszuwerden. Fangen geht in Berlin nicht, denn hier ist das Aufstellen von Lebendfallen laut Tierschutzrecht verboten, weil die Tiere dadurch unnötigem Stress ausgesetzt werden. "Nur im Einzelfall dürfen, wenn eine Genehmigung vorliegt, Lebendfallen in Berlin aufgestellt werden. Zum Beispiel, wenn ein Waschbär in einem Gebäude auftaucht, wo er zur Gefahr für den Menschen werden kann. Das könnte in einem Krankenhaus oder einem Travo-Häuschen der Fall sein", erklärt Derk Ehlert.
 
Der Abschuss durch Jägerinnen und Jäger ist nur in Forstgebieten erlaubt, in befriedeten - also städtischen - Gebieten nicht. In Brandenburg ist die rechtliche Lage etwas anders, hier dürfen Lebendfallen auf der Jagdfläche Brandenburgs aufgestellt werden. Allerdings nur durch Jägerinnen und Jäger. Auf befriedeten Flächen kann eine eingeschränkte Jagdausübung genehmigt werden. Damit sollen lokale, für den Naturschutz wertvolle Gebiete und heimische Arten geschützt werden. Denn laut EU-Verordnung gelten die Waschbären als invasive Art.

Vergrämen und aussperren

Fangen lassen dürfen Sie die Allesfresser also nicht. Doch wie werden Sie den unerwünschten Besucher dann wieder los? Es bleibt nur: Aussperren oder, wenn der Waschbär schon unter ihrem Dach oder ähnlichem heimisch geworden ist, vergrämen.
 
Aussperren
 
Der Waschbär ist ein guter Kletterer. Um ins Dach zu kommen, benutzt er entweder die Fallrohre von Regenrinnen oder überhängende Äste von Bäumen. Kürzen Sie daher regelmäßig die Äste von nahestehenden Bäumen und andere Kletterhilfen, wie Ranken und Büsche an der Hauswand. Dabei aber unbedingt die örtliche Baumschutzverordnung beachten! Für die Fallrohre können Sie sogenannte Abwehrgürtel kaufen. Das sind Metallgürtel mit langen Stacheln, die Waschbären, aber auch Marder, daran hindern, die Fallrohre als Kletterhilfe zu benutzen. Diese Gürtel gibt es übrigens auch für Bäume, falls Sie verhindern möchten, dass ein Waschbär Ihnen das ganze Obst von den Ästen frisst.
 
Vergrämen
 
Ist der Waschbär schon Untermieter bei Ihnen, können Sie versuchen ihn zu vergrämen. Derk Ehlert empfiehlt technische Abwehrmaßnahmen wie beispielsweise obengenannte Metallgürtel an Dachrinnen und Bäumen: "Es gibt Ultraschallgeräte oder Geruchsstoffe, die hier angewandt werden können. Allerdings muss man sagen: Je städtischer ein Waschbär ist, desto weniger reagiert er auf solche Störfaktoren. Ein Ausprobieren lohnt sich aber trotzdem", so der Wildtierexperte. Wenn der Waschbär darauf nicht reagiert, können Sie nur abwarten, bis er nachts sein Heim verlässt und dann die Abwehrgürtel rund ums Haus anbringen. So hat der Waschbär keine Chance mehr, zurück in sein Versteck zu kommen.
 
Beim Aufräumen der Waschbär-Behausung bitte unbedingt Handschuhe und Mundschutz tragen. Denn der Waschbärkot kann Erreger enthalten, die auch bei uns Menschen für Krankheiten sorgen. Übrigens: Tollwut ist bei den hiesigen Waschbären nicht so verbreitet. Dafür aber Räude und Staupe, welche für Haustiere gefährlich werden können. Für Staupe gibt es aber eine Pflichtimpfung.

Hilfe beim Vergraulen

Der Landesverband vom NABU - Naturschutzbund Deutschland - hat für Berlin ein ein Wildtiertelefon geschaltet. Unter der Nummer 030-54 71 28 91 können Sie Problemfälle mit Wildtieren melden und sich auch über Wildtiere im Stadtgebiet informieren. Die Hotline ist von Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr und Freitag von 9 bis 15 Uhr erreichbar.
 
Sie können sich auch direkt an die Senatsverwaltung für Umwelt, Klimaschutz und Verkehr wenden. Die Senatsverwaltung hat zu den verschiedenen Wildtieren im Stadtgebiet Flyer veröffentlicht, die auch online als PDF erhältlich sind.
 
In Brandenburg helfen Ihnen die unteren Jagd- und Naturschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte.

Super anpassungsfähig

Waschbären sind nicht nur ziemlich hartnäckig, sie sind wahnsinnig anpassungsfähige Tiere. Sie in Deutschland wieder auszurotten, ist unmöglich. Die übermäßige Jagd von Waschbären kann sogar zum Gegenteil führen. In einer Studie hat man herausgefunden, dass Waschbären ihre Geburtenrate erhöhen, wenn die Population sinkt. Waschbärweibchen bekommen dann nicht nur mehr Nachwuchs, sondern auch mehr weiblichen Nachwuchs, um die Population aufrecht zu erhalten.