Passant füllt Wasserflasche an einem Berliner Trinkwasserbrunnen (Quelle: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen)
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Di 21.06.2022 | Dossier | Lesedauer etwa 9 Minuten - Trinkwasser und Wasserflaschen: saubere Sache

Vor allem im Sommer sollten wir genug Wasser trinken. Leitungswasser schneidet dabei regelmäßig besser ab als das aus Flaschen. Beim Mitnehmen in Trinkflaschen gibt es allerdings einiges zu beachten.

Viel trinken! Das hört man gerade im Sommer regelmäßig. Wer unterwegs ist und nicht ständig eine oder gar mehrere Einwegflaschen mitnehmen oder gar kaufen möchte, greift zu wiederverwendbaren Flaschen aus PET, Glas oder Metall. Doch was viele von uns nicht wissen: Auch Wasser kann schlecht werden, gerade im Sommer.

Kaltes, klares Wasser

Was in Deutschland aus der Leitung kommt, ist in der Regel Trinkwasser mit guter oder sehr guter Qualität - das wissen wohl die meisten von uns. Frisch in ein sauberes Glas oder eine Flasche gefüllt, gibt es quasi nichts zu beachten.
 
Wurde der Hahn länger nicht aufgedreht, wie etwa nach dem Urlaub, dann sollte man das Wasser einige Sekunden laufen lassen um sicherzustellen, dass kein abgestandenes Wasser getrunken wird, da das u.U. Bakterien der Hausleitung enthalten kann. Wer dieses Wasser nicht verschwenden möchte, kann es gut zum Gießen von Pflanzen verwenden, die kommen in der Regel besser mit den Bakterien klar als unsere Mägen.
 
Frisch gezapft ist Leitungswasser der beste Durstlöscher und kann mit jedem gekauften Wasser locker mithalten oder das sogar übertreffen. Mehrmals am Tag checken Wasserwerke 49 Parameter – von Aluminium bis Uran. In Flaschen gekauftes Mineralwasser hingegen wird nur auf 17 Parameter untersucht.

Und die Mineralien?

Wer zu Mineralwasser wegen der ja schon im Namen enthaltenen Mineralien greift - das sind oft nur geringe Mengen, stellte auch die Verbraucherzentrale Brandenburg fest. Und gerade das Wasser in unserer Region bringt mit seiner Härte auch viele wertvolle Mineralien und Spurenelemente mit. Was sich auf Armaturen und in der Kaffeemaschine als Kalk ablagert und dort nervt, ist für den menschlichen Körper super.
 
Calcium, Kalium, Magnesium und Eisen befinden sich unter anderem in unserem Leitungswasser. Die Mengen reichen zwar nicht aus, um unseren Körper vollständig damit zu versorgen, in Zusammenhang mit einer ausgewogenen Ernährung können diese aber auf alle Fälle dazu beitragen.
 
In Berlin kann man hier diese Werte nach Postleitzahlen überprüfen, in Brandenburg sind diese Daten in der Regel beim jeweiligen Trinkwasserversorger abrufbar, etwa bei der BRAWAG, die für Brandenburg an der Havel zuständig ist, oder beim Lausitzer Wasser, das die Region in und rund um Cottbus mit Trinkwasser versorgt.

Wasserfilter können für Geräte, wie hier einen Wasserkocher, sinnvoll sein (Quelle: IMAGO / Westend61)
Also doch filtern?

Filtersysteme mit Kartuschen sind unnötig, wenn das Wasser "nur" getrunken wird. Hier werden die wertvollen Stoffe oft fast komplett herausgefiltert, was das Wasser zwar weicher, aber auch quasi etwas schlechter macht. Zudem besteht die Gefahr, dass die Kartuschen bzw. Filter bei zu spätem Wechseln Keime und Bakterien bilden, die das Wasser verschmutzen.
 
Einzig für die Verwendung in Geräten wie Wasserkochern oder Kaffeemaschinen kann gefiltertes Wasser sinnvoll sein, da diese dann nicht so schnell verkalken und sie in der Regel auch etwas länger leben.

Wasserqualität schon top, aber geht besser

Nicht nur gute Sachen finden sich in unserem Trinkwasser, durch unsachgemäße Entsorgung von Arzneimitteln oder den Einsatz von Bioziden kommt es zu Spurenstoffen, die Fischen und anderen Tieren und Organismen im Wasser schaden können. Für den Menschen sind diese sehr geringen Konzentrationen unbedenklich.
 
Dennoch soll bis 2023 eine Anlage zur Beseitigung von Spurenstoffen beim Klärwerk Schönerlinde errichtet werden, so die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt. Darauf aufbauend soll entschieden werden, ob in gewissem Umfang auch Maßnahmen bei weiteren Klärwerken in Brandenburg ergriffen werden.
 
Berlin gewinnt sein Trinkwasser größtenteils durch Uferfiltration, also indirekt aus Flüssen und Seen, und ist damit besonders von der Wasserqualität der Gewässer abhängig.

Plörre vermeiden

So gut und rein es auch aus dem Hahn kommen mag - was passiert eigentlich mit dem frischen, klaren Wasser, wenn man es einen Tag lang in der Tasche mitschleppt und vielleicht auch noch in der knallenden Sonne stehen lässt? Eines vorweg: Auch Wasser kann schlecht werden.
 
Nach dem Sport die Wasserflasche drei Tage in der Tasche mitschleppen, bei brütender Hitze im Auto liegen lassen oder einfach immer wieder neu befüllen? Das sollte man vermeiden. Und dabei geht es nicht um den leicht chemischen Geschmack, den Plastikflaschen in solchen Fällen oft bekommen. Dieser ist nämlich einfach nur unangenehm, aber nicht gesundheitsschädlich, haben Studien ergeben. Man schmeckt nämlich nur das vom Plastik abgegebene Acetaldehyd, das aber in der Menge völlig ungefährlich ist und nur die Geschmacksnerven ärgert.
 
Es geht um das, was sich bildet, wenn in der Flasche nicht nur reines Leitungs- oder Mineralwasser ist, sondern sich z.B. auch Zitronenscheiben, Sirup oder Teebeutel darin befinden. In der Hitze können hier Bakterien und Keime entstehen, die zu Durchfall, Übelkeit und anderen, teils schlimmeren Beschwerden führen können.
 
Und: Auch wir verunreinigen die Flasche bei der Benutzung. Durch Speichel, unsere Mundflora, und teilweise auch Darmbakterien sorgen wir dafür, dass Keime auf und in die Flasche gelangen. Wird diese über Tage nicht gereinigt, dann kann sich ein sogenannter Biofilm bilden. Das ist eine Schleimschicht aus Mikroorganismen, die insbesondere in nicht durchsichtigen Flaschen gerne mal unerkannt bleibt.

Glas-und-Gabel-Symbol, besagt dass ein Produkt für Lebensmittel gemacht ist (Quelle: BVL, Verordnung (EG) Nr. 1935/2004)
Keimschleuder Trinkflasche?

Wer gerne eine Wasserflasche mitnimmt, sollte schon bei der Auswahl auf einige Kriterien achten. Das "Glas und Gabel"-Symbol gibt grundsätzlich an, dass ein Behältnis dafür geeignet ist, Lebensmittel darin aufzubewahren. Ist das nicht vorhanden, z.B. auf alten Metallflaschen, dann sollte darin auch kein Wasser mitgenommen werden, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich möglicherweise eine Beschichtung löst.
 
Weiterhin sollte man die Flasche gut reinigen können und das auch tun. Viele können in die Spülmaschine gepackt werden, ist das nicht der Fall, hilft eine Flaschenbürste. Die größten Keimherde sind aber oft die Deckel oder Mundstücke. Diese sollte man regelmäßig auseinandernehmen und die Einzelteile inklusive Gummidichtungen mit heißem Wasser und etwas Spülmittel reinigen. Wer beim Kauf darauf achtet, dass das leicht zu machen ist, erspart sich später viel Fummelei und Ärger und sogt für eine hygienisch reine Flasche.
 
Eine einfache Grundreinigung sollte täglich passieren. Am einfachsten gibt man etwas Spüli und Wasser in die Flasche, schüttelt das kräftig durch, kippt alles wieder aus und spült nach und lässt sie dann über Nacht und kopfüber trocknen. So kommt Luft an alle Stellen und die Schimmelbildung wird vermieden.
 
Apropos Beschichtung: Wird in der Flasche auch mal Saft mitgenommen, ist eine gründliche Reinigung mindestens einmal in der Woche unumgänglich. Die im Saft enthaltene Fruchtsäure kann nämlich die Beschichtung angreifen - und das ist weder lecker noch gesund.

Wasserflaschen aus Metall an einem Fahrrad (Quelle: picture alliance / Hauke-Christian Dittrich | Hauke-Christian Dittrich)
Flasche = Gebiss?

Immer wieder liest man im Internet, dass man Wasserflaschen direkt mit Gebissreiniger reinigen soll - aber das ist nur in seltenen Fällen wirklich nötig. Hat sich in der Flasche bereits Schimmel gebildet oder gibt es sichtbare Ablagerungen, dann ist eine Reinigung mit einer Gebissreinigungstablette sinnvoll, da diese auch harte Verschmutzungen lösen und zudem schonend für das Material sind. Dazu gibt man die Tablette und heißes Wasser in die Flasche und lässt das ganze eine Weile einwirken und spült gut nach. Auch den Deckel kann man - ähnlich wie die Dritten - einfach in eine Schüssel mit einer Tablette geben und diese die Arbeit machen lassen.
 
Ein Muss ist das beim sorgsamen Umgang mit der Wasserflasche aber nicht. Alternativ klappt es auch mit Essig - der muss allerdings länger einwirken - und / oder ordentlichem Schrubben.

Und abseits vom heimischen Wasserhahn?

Die Flasche ist tiefenrein, das Mundstück frisch zusammengebaut und dann will man sie unterwegs befüllen - aber doch nicht etwa an einem öffentlichen Trinkbrunnen? Doch! Denn auch wenn diese bei Wind und Wetter draußen stehen, kann man hier bedenkenlos Wasser zapfen.
 
"Wir sichern die Hygiene an den Trinkbrunnen dadurch, dass sie 1. permanent laufen, so kann es nicht zu Stagnation und Keimbildung kommen und 2. dadurch, dass sie in einem "Rohr-in-Rohr-Prinzip" gebaut wurden. Das heißt, das wasserführende Rohr kann nicht von außen verunreinigt werden, weil es in einem anderen Rohr verborgen liegt." erklärt Astrid Hackenesch-Rump, Pressesprecherin der Berliner Wasserbetriebe, SUPER.MARKT gegenüber.
 
Wer trotzdem nicht an einem öffentlichen Trinkwasserbrunnen nachtanken will, der kann auch zu einer von zahlreichen Refill-Stationen gehen. In Berlin gibt es diese bereits in jedem Kiez (nachzuschauen bei refill-berlin.de), aber auch in Brandenburg gibt es gerade in Städten schon einige Stationen (wie hier zu sehen). Neben kleinen Cafés und Shops sind auch Apotheken, Biomarkt- und Café-Ketten dabei und bieten einen Ort zum kostenlosen Nachfüllen mit Trinkwasser.

Kein Hahn weit und breit?

Gibt es keine Nachfüllstation und der Durst ist groß, kann man natürlich zum Wasser in der Flasche greifen. Wer auch hier auf die Umwelt achten möchte, kauft regionales Trinkwasser und verzichtet auf aus dem Ausland auf langen Wegen importierte Marken wie etwa Evian, Volvic oder Sanpellegrino. Die langen Wege sind hier nur ein Faktor, der der Umwelt schadet. An den Quellorten gibt es oft sinkende Grundwasserspiegel, unter denen Anwohnern und Natur gleichermaßen leiden.
 
Auch Marken wie Viva con Agua oder Share können eine Alternative sein. Zwar ist deren Quelle nicht direkt in der Region, durch den Kauf werden aber Menschen ohne Zugang zu sicherem, sauberem Trinkwasser mit solchem versorgt, beispielsweise über den Bau von Brunnen.
 
Unbedingt zu Wasser aus der Flasche sollte man auch greifen, wenn im Haus noch Leitungen aus Blei verbaut sind. Im öffentlichen Trinkwassernetz gibt es diese zwar inzwischen nicht mehr, aber in manchen Altbauten sind diese noch zu finden. Blei ist giftig und kann über längere Dauer zu chronischer Vergiftung führen. Bei Unsicherheit sollte unbedingt der oder die Vermieter:in gefragt werden, gibt es dort keine Auskunft, kann man für zirka 16 Euro eine Wasseranalyse beim lokalen Wasserbetrieb machen.

Na dann Prost!

Egal ob pur, in der Schorle, als Eiswürfel oder gesprudelt - Wasser ist wahrlich ein Lebenselixir und dass wir jederzeit Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, ist ein Privileg, das nicht alle Länder mit uns teilen. Ein sorgsamer Umgang damit, gerade wenn es mal wieder länger nicht geregnet hat, hilft uns allen - und vor allem auch der Natur.
 
Aber auch hier sollte man manches Wasser eher nicht zu sich nehmen. Mal eben die Flasche im Neptunbrunnen oder am Luisenplatz auffüllen ist keine gute Idee - in Springbrunnen ist, im Gegensatz zu den kleinen blauen Trinkwasserbrunnen, nämlich kein Trinkwasser und bei der Hitze ist sicherlich auch schon mancher Käsefuß drin gelandet.