Eine Meise am Knödel (Quelle: dpa)
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Mo 30.11.2020 | Dossier| Lesedauer etwa 4 Minuten - Wildvögel: die große Futterfrage

Ja, nein und was überhaupt?

Wir kümmern uns im Winter gern um Vögel. Das haben Umfragen ergeben. 15 bis 20 Millionen Euro geben wir in Deutschland im Durchschnitt pro Jahr für das Wohl der Piepmätze aus. Und das Angebot ist groß: Maiskolben, Sonnenblumenkerne oder Fruchtschnitze, da fällt die Wahl oft schwer. Auch die grundsätzliche Frage stellt sich immer wieder: Soll man Wildvögel überhaupt füttern? Und wenn ja: Mit welchem Vogelfutter? Wir haben die Tipps für Sie.

Vogel-Futter-Antworten

  • Vogel am futtern (Quelle: dpa)
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    Im Winter die Piepsis zu füttern ist nicht per se schlecht - aber es bringt halt auch nicht wirklich viel, um die Wildvögel unserer Region zu schützen. Der BUND Naturschutz beschreibt das so: "Über 90 Prozent der heimischen Brutvogelarten, vor allem die seltenen und bedrohten Arten, kommen gar nicht ans Futterhäuschen", sie haben also überhaupt nichts davon. Stattdessen müssen sie im nächsten Frühjahr mit wohlgenährten Amseln und Meisen konkurrieren, wenn es wieder heißt: Selbst Futter suchen.

     

    Der BUND rät daher dazu, lieber zu schauen, wo man im eigenen Garten vogelfreundlich wirtschaften kann: Laub liegen lassen, damit sich Insekten einnisten können. Gartenstauden, Altgras oder Disteln ebenfalls den Winter über stehen lassen. Und letztlich hilft alles, was einer naturnahen Bewirtschaftung von Agrarflächen dienlich ist. Und das fängt beim eigenen Kaufverhalten an.

     

  • Füttern Sie die Wildvögel nur, wenn Schnee liegt, Frost herrscht und es draußen Minusgrade gibt. Die Vögel brauchen ansonsten keine Futterhilfe - und gerade im Frühling kann das Futter etwa Jungvögeln schaden.

    Werfen Sie das Vogelfutter nicht auf den Boden, sondern sorgen Sie dafür, dass es einen erhöhten Futterplatz gibt, ob nun Vogelhäuschen oder nicht. Dieser Futterplatz sollte immer sauber gehalten werden, also gerne täglich reinigen. Der Nabu empfiehlt, Futtersilos zu verwenden. Diese sind am besten so gebaut und angebracht, "dass das Futter auch bei starkem Wind, Schnee und Regen nicht durchnässt werden kann, da es sonst verdirbt oder vereist".

  • Wenn Sie sich dazu entschließen, Vögel über den Winter zu füttern, entscheiden Sie sich für Sonnenblumenkerne - darauf können sich so ziemlich alle Vögel einigen. Es eignet sich also hervorragend für Ihr Ansinnen.

     

    Außerdem geeignet sind Hanf, Hirse, Getreidekörner. Aber auch Fett-Kleie-Mischungen und Haferflocken. Obst und Rosinen sorgen für Abwechslung. Salz, reines Fett und Gefrorenes können den Vögeln hingegen schaden, bitte nicht auslegen.

     

    Achten Sie beim Kauf darauf, Produkte aus Bioanbau zu kaufen.

     

    Ein gutes Vogelfutter erkennen Sie laut dem bayrischen Landesbund für Vogelschutz (LBV) daran, dass wenig davon übrigbleibt an der Futterstelle: Wird das Futter gestreckt, finden sich viele Reste an der Futterstelle. Auch die Angabe des Kaloriengehalts ist wichtig - so ist der Ölgehalt zu erkennen. Und schließlich sollte das Futter Ambrosia-frei sein. Dazu muss das Futter mehrmals gereinigt werden, fragen Sie beim Hersteller einfach nach! Bonuspunkte, wenn das Futter die Zertifizierung eines Vogelschutzverbandes hat, etwa Nabu oder LBV.

  • Sonnenblumenkerne und Basteleien (Quelle: dpa)
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    Am einfachsten, günstigsten und effektivsten ist es, wenn Sie Ihr Vogelfutter einfach selber sammeln und danach trocknen. Mit der Suche nach den richtigen Leckerbissen können Sie Spaziergänge und Wanderungen das ganze Jahr über gestalten. Geeignet sind Beeren von Weißdorn, Holunder, Sanddorn, Eberesche und Schlehe für Amsel und Wacholderdrossel. Getreidekörner und Samen von Gräsern, Kletten, Brennnesseln, Disteln, Ampfer und Löwenzahn für Grünfink, Sperling und Dompfaff. Und sowieso sind Sonnenblumen­kerne, Kürbissamen, Bucheckern sowie Wal- und Haselnüsse beliebt. Aber natürlich gilt auch hier: Mit Augenmaß sammeln, damit die Vögel in Wald und Flur auch noch etwas übrig haben.

     

    Wollen Sie Futterknödel für die Wildlinge herstellen, benutzen Sie ein Gemisch aus zwei Teilen Rindertalg bzw. Pflanzenfett und einem Teil Samenmischung. Dafür das Fett erhitzen, die Samen hinzufügen und vermischen. Formen Sie Knödel daraus, lassen alles erkalten und schon haben sie astreines Vogelfutter.