Kleingeld in einer Kassenschublade
Bild: Colourbox

Di 12.02.2019 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Bargeld: schneller als sein Ruf

Wer bar zahlt, spart Zeit

Kontaktloses Bezahlen. Das ist das neue Zauberwort der Bezahlvorgangsoptimierer. Karte oder Smartphone werden dabei nur schnell am Bezahlterminal vorbeigezogen, schon erkennt das Terminal den NFC-Chip, der sich in Karte oder Gerät befindet - die Zahlung erfolgt fast wie von Geisterhand. Das ist futuristisch - aber ist es auch schneller als das Bezahlen mit Bargeld?

Blitzzahlung per Bargeld

Mitnichten, hat eine Untersuchung der Deutschen Bundesbank - die in Zusammenarbeit mit dem Handelsinstitut EHI erfolgte - herausgefunden. Derzufolge ist das Bezahlen mit Bargeld nämlich immer noch die schnellste Variante: durchschnittlich dauert der Bezahlvorgang mit Bargeld 22 Sekunden.

Kontaktlos kann schnell - oder auch nicht

Beim kontaktlosen Bezahlen gibt es die schnelle Variante: 15 Sekunden im Schnitt - wenn der Bezahlbetrag bis 25 Euro beträgt. Hier muss keine PIN eingegeben werden. Ist der Betrag höher, ist auch das kontaktlose Bezahlen deutlich langsamer als das Bargeldzahlen: durchschnittlich knapp 30 Sekunden dauert der Vorgang nun. Die Studie berücksichtigte diese Entwicklungen allerdings durch eine Simulation, da das Verfahren zum Testzeitpunkt noch nicht ausreichend verbreitet war.

Bezahlvorgänge mit Karte und Eingabe der PIN-Nummer dauern durchschnittlich 29 Sekunden, beim Einsatz der Karte mit Unterschrift fallen sogar 38 Sekunden an.

Für die Erhebung haben Bundesbank und EHI mehr als 3.000 Bezahlvorgänge in 15 Geschäften im Herbst und Sommer 2017 ausgewertet.

Zukunftsmodell kontaktloses Bezahlen

Das, was immer mehr Supermarkt-, Drogerie- und andere Handelsketten an ihren Kassen anbieten, hört sich für viele noch wie vage Zukunft an. Nur ein Drittel der Deutschen hat laut einer Bitkom-Studie kontaktloses Zahlen bislang ausprobiert, lediglich 44 Prozent könnten sich vorstellen, komplett auf Bargeld zu verzichten.

Die Deutschen mögen eben immer noch ihr Bargeld. 20 Milliarden Transaktionen verzeichnet der Einzelhandel jährlich - davon erfolgen derzeit Dreiviertel mit Barzahlung. Der Weg für die Kontaktlos-Fans ist also noch ein weiter.

Trotzdem: Das kontaktlose Bezahlen soll auf dem Vormarsch sein. Zumindest, wenn es nach den Handelsriesen geht. Es sei einfach, schneller und letztlich auch günstiger als das Bezahlen mit Bargeld, so die gängigen Argumente. Das dem nicht unbedingt so ist, wissen wir nun. Bleibt die Frage, ob der kontaktlose Bezahlvorgang eventuell günstiger für die Unternehmen ist - und somit auch für die Verbraucher, die die Transaktionskosten durch höhere Produktpreise am Ende zahlen.

Was kostet der Spaß?

Die Bundesbank hat auch auf diese Frage eine Antwort gefunden: 24 Cent kostet die Barzahlung, 33 Cent das Bezahlen mit Girokarte. Auf 34 Cent kommt das Lastschriftverfahren - und die Kreditkarte liegt mit einem Euro Kosten abgeschlagen auf Platz vier.

Die Summen ergeben sich unter anderem aus der Arbeitszeit des Kassierers, aus Abrechnungsgebühren und aus den Versorgungskosten, also etwa den Kosten für den Geldtransport.

Was fehlt, sind die Kosten für das kontaktlose Bezahlen. Die Autoren der Bundesbank-Studie haben allerdings in der Simulation gegengerechnet: Der Vorteil bleibt auf Seiten der Barzahlung. Nur bezogen auf den Umsatz punktet das kontaktlose Bezahlmodell für die Händler, hier ist sie am günstigsten.

Fakten für Besserwisser

Deutsche kaufen im Schnitt 220 Mal im Jahr für jeweils 21 Euro ein. Bis zu einem Betrag von 14,21 Euro zahlen sie gerne bar, ab durchschnittlich 47 Euro zücken sie lieber die Girokarte.

Beitrag von Andrea Everwien

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