Ein Comic vom Inkassobüro
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Mo 28.01.2019 | Dossier - Inkasso: Wer droht, bekommt das Geld?

Wie man sich gegen unberechtigte Inkassoforderungen wehrt

Inkassounternehmen machen Druck - häufig so stark, dass Kunden Inkassogebühren zahlen, obwohl diese unberechtigterweise erhoben wurden. Bei seinen Recherchen stieß SUPER.MARKT etwa auf den Fall einer Rentnerin aus Rathenow, die eine Inkassoforderung über 279,46  Euro erhalten hatte, für die Teilnahme an einem Gewinnspiel.

Das Problem: Weder hatte die Frau an einem solchen Gewinnspiel je teilgenommen, noch gab es die Firma, für die das Inkassounternehmen angeblich die Geldforderung einziehen wollte, überhaupt - jedenfalls nicht unter der angegebenen Adresse. Gedroht wurde trotzdem mit den üblichen Szenarien: Gerichtsvollzieher, Pfändung des Einkommens oder der Rente, Zwangsvollstreckung.  

Die Masche mit der Sex-Hotline

Seit 2018 bieten die Verbraucherzentralen für jeden, der Zweifel an gegen ihn gerichtete Forderungen hat, den sogenannten "Inkasso-Check". Eine erste Bilanz: 40.000 Kunden nahmen den Service allein in den ersten acht Monaten in Anspruch. Dabei kam heraus, dass jeder Fünfte sich mit einer gefälschten Inkassoforderung konfrontiert sah: zu hoch, verjährt oder komplett erfunden.

Oft sind es Forderungen, die angeblich durch die Teilnahme an Gewinnspielen oder die Nutzung von Sex-Hotlines entstanden sein sollen. Eine Masche: "Wir sehen immer wieder, dass in Wellen Forderungen, die erfunden sind, ausgebracht werden", sagt Annalena Marx von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Anscheinend lohnt sich das: "Ganz offensichtlich bezahlen so viele Verbraucher, dass diese Firmen das dann auch immer wieder versuchen."

Neben den Fantasie-Forderungen gibt es aber vielfach auch solche, die zu hoch angesetzt sind. Die Kosten, die das Inkasso-Unternehmen für seine Tätigkeit verlangen darf, bemessen sich einerseits an dem Gegenstandswert, andererseits an dem Arbeitsaufwand. Sind die Inkassoforderungen zu hoch, kann Widerspruch eingelegt werden, etwa per Musterbrief der Verbraucherzentrale.

Forderungen prüfen

Kunden, die eine Inkassoforderung erhalten, sollten zuerst überprüfen, ob sie den in der Forderung genannten Kauf getätigt oder die Dienstleistung in Anspruch genommen haben - und wenn ja, ob sie bezahlt haben. Die Ansprüche verjähren laut §195 BGB nach einer Dreijahresfrist - die beginnt aber erst nach Ablauf des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist. Außerdem kann die Frist etwa durch Mahnbescheide oder Teilzahlungen angehalten, bzw. verlängert werden.

Als zweiter Schritt kommt dann der Blick ins Rechtsdienstleistungsregister. Hier werden alle behördlich berechtigten Inkassofirmen geführt. Ist das Unternehmen nicht gelistet, ist die Forderung bestandslos: Inkasso-Unternehmen sind nicht befugt, Pfändungen oder Zwangsvollstreckungen durchzuführen, ohne dass ein Gericht involviert ist. Eine nicht zugelassene Firma wird ein Gericht dementsprechend nicht anrufen.

Was, wenn was dran ist?

Schwieriger wird es, wenn an den Forderungen des Inkasso-Unternehmens doch etwas dran ist, entstanden etwa durch Abo-Abschlüsse im Internet. Hier lohnt es sich für Kunden aber dennoch, die Forderung zu prüfen. Der Berliner Rechtsanwalt Nico Werdermann vertritt die These: Abo-Abschlüsse im Internet können als ungültig gelten, wenn der Verbraucher durch die Art des Bestellprozesses überrumpelt werde. Etwa weil neue Vertragsbedingungen geschickt so weit hinten im Buchungsvorgang aufgeführt werden, dass der Kunde sie nicht wahrnimmt, weil er "an der Stelle erwartet, dass die Bestellung, die er vorher ganz bewusst getätigt hat, hier zusammengefasst wird, wie er es aus jedem Online-Shop kennt", so Werdermann.

Ein Flirtportal setze laut Werdermann etwa auf diese Taktik. Das Unternehmen weist diese Einschätzung zwar zurück und verweist darauf, es sei gerichtlich bestätigt worden, dass durch die sogenannten "Schnupperangebote" gerichtsfeste sechsmonatige Verträge für je 89,90 € pro Monat zustände kämen, wenn die Kunden nicht vor Ablauf einer Woche kündigten. Werdermanns Mandanten wurden dennoch vom Unternehmen "kulanzweise" Kosten für Vertragsverlängerungen erlassen. Widerspruch kann sich also lohnen.

Beitrag von Andrea Everwien

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