Die Paypal-App auf einem Smartphone (Quelle dpa)
Bild: dpa

Mo 23.11.2020 | Dossier | Lesedauer etwa 4 Minuten - Paypal: Konkurrenz für den Platzhirsch

Ebay-Kleinanzeigen & Co. starten eigene Treuhänder-Services

Der Onlinehandel boomt in Corona-Deutschland, einen starken Zuwachs haben auch Webshops, die Second-Hand-Ware verkaufen: Ebay, Ebay-Kleinanzeigen, Ubup, Vinted - ehemals Kleiderkreisel und Mamikreisel. Sie alle profitieren von Deutschland im Zuhause-Modus.
 
Was die meisten der "Pre-loved"-Portale eint, ist neben dem Flohmarktansatz die Möglichkeit, dort über den Bezahldienst Paypal zahlen zu können. Die Zahlung ist unkompliziert und schnell. Und die Kunden können so - zumindest theoretisch - den Paypal-Käuferschutz erhalten. Doch an diesem Geschäft als "Onlinetreuhänder" wollen jetzt auch andere mit verdienen.

Konkurrenz zu Paypal

Ende Oktober hat das Shoppingportal Ebay-Kleinanzeigen eine eigene Bezahlfunktion an den Start gebracht. Der Service ist noch nicht vollumfänglich verfügbar, sondern soll nach und nach eingeführt werden. Von Rubrik zu Rubrik.
 
Nach eigenen Aussagen reagiert das Unternehmen dabei auf den Trend, dass das Anzeigenportal immer stärker auch als Marktplatz genutzt wird. Heißt, die Kunden holen die Waren nicht mehr persönlich ab, ein hoher Prozentsatz der Verkäufe wird mittlerweile postalisch abgewickelt. Ein Risiko für den Käufer, das Ebay-Kleinanzeigen mit dem neuen Dienst minimieren möchte.
 
Von Seiten des Unternehmens heißt es: "Die Funktion sorgt dafür, dass Käufer den Kaufpreis zurückerhalten, falls sie einen Artikel nicht erhalten oder dieser wesentlich von der Beschreibung abweicht. Das Portal verlangt für den Schutz vom Käufer eine Gebühr in Abhängigkeit von der vereinbarten Kaufsumme. Für Verkäufer ist die Nutzung des Services kostenlos." Sie müssen den Artikel allerdings versichert, mit Nachweis an den Käufer oder die Käuferin schicken. Der vom Käufer gezahlte Betrag wird bis zu 14 Tage treuhänderisch verwahrt. Bestätigt der Käufer den Erhalt des Artikels, wird der Betrag unmittelbar an den Verkäufer ausgezahlt. Auch ein Schlichtungsverfahren bei Unstimmigkeiten ist vorgesehen.
 
Unterschiede zu Paypal: Die Tatsache, dass hier der Käufer die Gebühr trägt und nicht der Verkäufer. Ansonsten wenige bis keine. Und doch setzen auch Portale wie Vinted oder Mädchenflohmarkt auf das Konzept des eigenen Treuhänder-Dienstes - und selbst der Riesenmarktplatz Ebay will bis 2021 Paypal durch ein eigenes System ersetzen.

Pinke, Knete, Moneten

Warum die Onlinemarktplätze sich nach und nach von Paypal verabschieden oder zumindest eigene Optionen einführen, hat unterschiedliche Gründe, aber vor allem geht es ums Geld - und die Reichweite.
 
Das Geschäftsmodell von Paypal sieht so aus: Der Anbieter veranschlagt Gebühren für seinen Service, bestehend aus einem Teil des Verkaufspreises und einem festgesetzten Transaktions-Betrag. So kommt hübsch was zusammen.
 
Ebay will sich von seinem einstigen Tochterunternehmen Paypal verabschieden und ein eigenes Treuhand-System anbieten, um die Gebühren für Verkäufer auf seinem Portal tiefer ansetzen zu können und somit konkurrenzfähiger zu werden. Denn Amazon ist hier der große Konkurrent, Ebay-Kleinanzeigen will dagegen anscheinend die vom Käufer gezahlten Gebühren selbst einstreichen und den Part nicht mehr Paypal überlassen.

Was bringt's für den Verbraucher?

Ob so oder so: Wirklich unabhängig von Paypal und anderen kostenpflichtigen Online-Zahldiensten ist der Verbraucher nur, wenn er das System verlässt und beispielsweise per Überweisung bezahlt. Das heißt gerade bei Privatkäufen in vielen Fällen allerdings, ohne Käuferschutz unterwegs zu sein. Und spätestens da beißt sich die Katze in den Schwanz.