Eine Frau geht an einer Werbung für günstige Kredite vorbei (Quelle: dpa)
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Do 26.11.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Kredite: jetzt bloß nichts Dubioses

So erkennen Sie unseriöse Angebote

Das Jahr geht zu Ende, Weihnachten steht schon fast vor der Tür. Für viele Verbraucher ist das eine Zeit, in der mehr Geld ausgeben wird also sonst: Geschenke, Feststimmung, gutes Essen - das alles will bezahlt werden. Gerade in diesem von Corona durchkreuzten Jahr suchen daher viele nach einem günstigen Kredit. Dabei geht es oftmals nicht um hohe Summen - aber auch Kleinvieh macht Mist. Und was für einen.
 
Denn gerade vermeintlich schnelle und unkomplizierte Kredite sind oft mit großen Mehrkosten und noch größeren Sorgen verbunden.

Die aktuellen Kredittricks

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht einen Anstieg bei Fällen von Kredit-Abzocke. Meryem Osanmaz, Referentin beim Team Marktbeobachtung Finanzmarkt, erklärt dazu gegenüber SUPER.MARKT, 2020 seien mehr als 500 Verbraucherbeschwerden zu dem Thema über ihren Tisch gegangen, davon seien 70 Prozent dubiose Kreditvermittler gewesen. Osanmaz sowie die Verbraucherzentralen Berlin und Brandenburg warnen daher gleich vor mehreren Maschen, die derzeit weit verbreitet sind.

1. Revolvierende Kreditkarten

Die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) sieht ein wiederkehrendes Problem bei sogenannten "revolvierenden Kreditkarten" - hier zahlt der Kunde nach dem Einkauf nur den Zins, tilgt aber nicht seine Schulden.

2. Prepaidkarten-Masche

Auch die Prepaidkarten-Masche ist weiter aktuell, so die VZB. Bei dem Trick werden den Verbrauchern scheinbar "Schufa-freie" Kredite und goldene Master Cards angeboten. Anstatt des beworbenen Kredits erhalten Sie jedoch nur eine Prepaid-Karte, die zudem mit erheblichen Kosten verbunden ist.
 
Noch perfider wird es hier, erklärt Meryem Osanmaz, wenn der Kredit unangefordert telefonisch angeboten wird. Ein beliebter Trick ist es dabei, dem abwehrenden Verbraucher ("Nein, ich brauche keinen Kredit") eine scheinbar einfache Nachfrage zu stellen, wie "Aber Sie heißen doch XY...?" - der Angerufene antwortet mit "Ja", der Betrüger nimmt es, um die Masche ins Laufen zu bringen. Mehr brauchen die Abzocker nicht von ihren Betrugsopfern.

3. Schufa-freie Kredite

Problematisch sind meistens sowieso Fälle, bei denen mit "Schufa-freien Krediten" geworben wird. Hier sieht Finanzierungsexpertin Osanmaz ein erheblich gesteigertes Betrugsvorkommen. Der klassische Fall sieht so aus, dass Verbrauchern, die im Internet nach einem Schufa-freien Kredit suchen, auf einer der Anbieterseiten ihre Daten eingeben - und damit geht der Betrug los. Die Verbraucher bekommen nun keinen Kredit, sondern die Zusage einer Vermittlung. Das Unternehmen helfe dem Kunden erst, seine Bonität zu verbessern, so das Versprechen. Um diese Bonitätssteigerung in Gang zu setzen, muss der Kunde zahlen. Zahlt er, soll er mehr zahlen, zahlt er nicht, landet er sofort im Mahnverfahren - Droh-Briefe von Inkasso-Unternehmen, die ebenfalls zu dem Betrügernetzwerk gehören, inklusive.
 
Osanmaz beschreibt einen Fall, in dem ein Verbraucher zuerst 1.320 Euro für die Vermittlung eines Kredits in Höhe von 16.000 Euro zahlte, dann monatlich 199 Euro als Kaution für die Auszahlung des Kredits. Erst nach sechs Monaten wendet sich der Geprellte an die Verbraucherzentrale. Zu spät: Die Briefkastenfirma hat ihre Spuren gut verwischt. "Juristisch ist das ein Riesenaufwand, der selten zum Erfolg führt. Das Geld zurückzuholen, ist im Grunde unmöglich", so Osanmaz' Fazit.
 
"Vor allem Firman wie Milanda UG, Platinum Card Service LTD oder Credify.me sind mit der Masche derzeit aktiv", sagt Osanmaz.

4. Wetten auf Kryptowährungen

"Zunehmend treten Fälle auf, in denen ein schneller Gewinn versprochen wird, etwa mit Wetten auf Kryptowährungen", so Erk Schaarschmidt, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Brandenburg, gegenüber SUPER.MARKT. "Die Betrüger agieren aus dem Ausland, fordern Überweisungen für den schnellen Gewinn. Depots werden nachgebildet, Gewinne vorgetäuscht. Will der Kunde eine Auszahlung, bricht der Kontakt ab oder es wird noch mehr Geld verlangt" - sei es zum angeblichen Weiterzocken oder als Wechselgebühr, um die Bitcoin in Euro umzutauschen. "Tatsächliche Transaktionen oder Auszahlungen finden nicht statt", warnt Schaarschmidt.

Nie in Vorkasse gehen

Der Rat der Verbraucherexperten heißt deshalb in allen Fällen: Wenn bei einem Kredit Vorkasse verlangt wird, müssen Verbraucher hellhörig werden. "Geld zahlen, bevor man Geld bekommt? Aufgepasst!", so Osanmaz. Holen Sie sich in dem Fall sofort Hilfe von der Verbraucherzentrale Ihrer Region.
 
Es gibt natürlich weitere Maschen - auf den Seiten der Verbraucherzentrale Berlin finden Sie einen guten Überblick.

Kredit oder Ratenzahlung?

Stehen Sie vor einer teuren Anschaffung und haben das nötige Kleingeld nicht parat, kommen im Grunde zwei Möglichkeiten für Sie in Frage: Ein Kredit oder die Ratenzahlung.

 

Viele Warenhäuser und Onlineshops bieten Ratenzahlungen an. Allerdings rät das Verbraucherportal Finanztip, hier ganz genau hinzuschauen, denn neben Zusatzkosten, die anfallen können, sind die Zinsen oft sehr hoch: Versandhändler Otto nimmt zum Beispiel für drei Monatsraten einen effektiven Jahreszins von 13,9 Prozent, Quelle sogar 15,3 Prozent. "Das sind sehr teure Kredite in Zeiten von Negativzinsen, und ist mehr, als die allermeisten Banken als Dispo-Zins verlangen", so die Finanzexperten. Sie raten von solch einer teuren Ratenzahlung ab.

 

Eine Alternative kann es sein, über Paypal oder Klarna eine Ratenzahlung abzuwickeln, so Finanztip. "Der effektive Jahreszins beträgt meist 9,99 Prozent."

 

Sollte es ein Kredit werden, kommen Rahmen- oder Ratenkredite von der Bank in Frage. Vergleichsportale im Internet helfen bei der Suche nach einem niedrigen Zins. Wichtigster Vergleichspunkt auch hier: Wie hoch ist der effektive Jahreszins, also wie teuer ist der Kredit über die gesamte Laufzeit pro Jahr? Und auch das sind wichtige Details: Zusätzliche Gebühren können den Kredit verteuern, zum Beispiel für Sondertilgungen oder Kontoführungsgebühren.

 

Finanztip erklärt im Dossier "Kredite vergleichen und Zinsen sparen" wie die Kreditaufnahme gelingt.

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