Ein Schild weist auf einen Friedhof hin (Quelle: imago images/Steinach)
Bild: imago images/Steinach

21.10.2018 | Beitrag | Lesedauer etwa 6 Minuten - Beerdigungen: Alles ist möglich

So finden Sie das Grab, das zu Ihnen passt

Mit was sollen Sie sich eigentlich noch alles auseinandersetzen? Jetzt auch noch mit Ihrem eigenen Ableben? Stimmt, so richtig lustig hört sich das Thema nicht an, spannend ist es aber allemal. Schon allein die vielfältigen Möglichkeiten, die es heutzutage gibt, um unter die Erde zu kommen. Und die Preisunterschiede!

Außerdem gilt ja: Wenn Sie sich heute Gedanken machen, was es denn nun sein soll - Urnengrab? Familiengrabstelle? Doch lieber der Ruhe-Forst? - und sich dann auch noch überlegen, wer das mal bezahlen soll, dann können Sie davon ausgehen, dass Zwist, Streitigkeiten und Unklarheiten nach Ihrem Ableben ausbleiben werden. Und was gibt es Spannenderes, als Familienmitglieder, die sich einfach mal ... nicht streiten?

Also, packen wir es - gemeinsam - an.

Welche Art Bestattung soll es sein?

Vielleicht haben Sie ja schon ein Familiengrab und wissen daher, wo Sie beerdigt werden. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte zuerst die Entscheidung für eine Art Grabstelle und damit auch Bestattung fallen: Wünschen Sie eine Erd- oder eine Feuerbestattung?

Wählen Sie die Erdbestattung, müssen Sie auf einem Friedhof beigesetzt werden, dazu gibt es keine Alternative. Doch auf dem Friedhof können Sie zwischen drei verschiedenen Grabarten wählen: Erd-Reihe-Rasen-Stelle, Reihengrab und Wahlgrab. Das Wahlgrab lässt Ihnen mehr Möglichkeiten, sie können etwa die Lage aussuchen, die Größe bestimmen oder es auch für andere Familienmitglieder "reservieren". Ein Reihengrab wird Ihnen hingegen von der Friedhofsverwaltung zugewiesen. Es ist allerdings meist deutlich günstiger als ein Wahlgrab. Die Erd-Reihe-Rasen-Stelle ist ein Grab unter einer Wiese. Darüber hinaus gibt es inzwischen auch für Erdbestattungen Gemeinschaftsstellen, die für die Angehörigen pflegefrei sind. Hier kann etwa nur an dafür vorgesehenen Stellen Blumenschmuck aufgestellt werden.

Entscheiden Sie sich für eine Feuerbestattung oder eine sogenannte Kremation, haben Sie vielfältigere Möglichkeiten für eine Grabstelle. Zum einen natürlich den Friedhof. Auch bei Urnen gibt es verschiedene Grabarten: Urnenreihenstelle und Urnenwahlstelle sind vergleichbar mit ihren Pendants bei den Erdbestattungen.

Darüberhinaus gibt es noch das Urnengemeinschaftsgrab, oft etwa auf einer Wiese im Friedhofsbereich, auf der anynom bestattet wird. Dann bieten Friedhöfe und Kirchen auch immer häufiger Kolumbarien an, also Urnenwände, in denen jede Urne eine Nische in einer Wand erhält. Auch Baumbestattungen gibt es auf Friedhöfen, die Urne wird dann unterhalb eines Baumes ins Erdreich gesetzt.

Doch immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, in einem Bestattungswald ihre letzte Ruhe zu finden, bei einer sogenannten Naturbestattung. Die biologisch abbaubare Urne wird dann im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt. Der Baum erhält - so dies gewünscht ist - ein kleines Schild mit Ihrem Namen. Auch das Verstreuen der Asche eines Verstorbenen ist in vielen Bestattungswäldern möglich.

Eine Seebestattung ist ebenso eine Möglichkeit, hier wird die Urne auf offener See versenkt. Das Material der Urne ist so beschaffen, dass es sich nach einiger Zeit im Wasser auflöst.

Weder Sarg noch Urne

Und kann man meine Asche nicht einfach in den Wind streuen? Doch, auch dies ist möglich. Oder fast. Denn die Asche von Verstorbenen wird bei der Ascheausstreuung nicht einfach in den Wind gestreut, sondern auf dafür vorgesehene Rasenflächen auf Friedhöfen. Dies ist allerdings nur in bestimmten Bundesländern möglich: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Nordrhein-Westfalen. In Berlin kann die Asche eines Verstorbenen auf einigen wenigen Friedhöfen in ein Grab gestreut werden, ohne Urne versteht sich. Lediglich in Bremen gibt es die Möglichkeit, dass die Asche eines Toten auf privaten Grundstücken verstreut werden darf.

Nur der Tod ist kostenlos? Stimmt nicht

Sterben kostet. Allerdings können die Geldausgaben für Grabstelle und Co. sehr unterschiedlich ausfallen: Die Wahlgrabstelle kostet natürlich mehr als die Reihengrabstelle, das Urnengrab weniger als das für einen Sarg. Obwohl: Schon da lohnt eine genaue Rechnung, denn auch die Kremation kostet: 197 Euro in Berlin, plus 31 Euro für die vorgeschriebene zweite amtsärztliche Leichenschau. Rechnet man alles zusammen, kommen die Friedhofsgebühren für eine Erdbestattung nicht viel teurer. Aber wer pflegt die Grabstelle später überhaupt? Machen dies die Friedhofsgärtner, wie etwa bei anonymen Grabfeldern üblich, kostet auch das.

Und das sind nur die festen Kosten. Hinzu kommen noch die variablen: Blumen? Musik? Trauerrede? Grabstein? Und welche Zusatz-Dienstleistungen des Bestatters?

Schnell können sich die Gesamtkosten für eine Bestattung so auf mehrere tausend Euro summieren. 2.500 Euro ist nach Angaben der Bestatterinnung in etwa das Minimum, mit dem Sie für ein Urnenreihengrab in Berlin mitsamt der Bestatterkosten rechnen müssen. Ohne Extras, versteht sich. Mit allen Extras kann eine Erdbestattung auch knapp 10.000 Euro kosten.

Wenn Sie nicht vorsorgen, tragen diese Kosten Ihre Hinterbliebenen. Dabei rät zum Beispiel Stiftung Warentest von sogenannten Sterbegeldversicherungen deutlich ab - zu hoch sind die Kosten, wenn man mit fortgeschrittenem Alter eine solche Versicherung abschließt.

Sinnvoller ist es, sich vor dem eigenen Ableben Gedanken darüber zu machen, wie man sich die eigene Beerdigung und die eigene Grabstelle wünscht. Dabei sollten Sie allerdings das eigene Portemonnaie und das Ihrer Verwandtschaft nicht komplett aus den Augen verlieren. Überlegen Sie, was für eine Grabstelle es sein sollte, vergleichen Sie die Preise verschiedener Bestattungsunternehmen. Fabian Lenzen, Pressesprecher der Bestatterinnung Berlin-Brandenburg rät etwa, ein konkretes Angebot für die gewünschten Leistungen von einem Bestatter einzuholen, und dieses dann mit anderen Angeboten zu vergleichen.

Bei Pauschalangeboten, die sich oft gut und günstig anhören, sollte man ganz genau hinsehen, oft werden dort nur Teilleistungen beworben und es fehlen vermeintliche Kleinigkeiten, die später teuer werden können. Etwa Zusatz-Überführungskosten, falls der Leichnam nicht direkt vom Krankenhaus ins Krematorium kommt.

Vielleicht geben Sie Ihren Hinterbliebenen auch einfach freie Hand, alles, was nach Ihrem Tod kommt, so zu gestalten, wie es für sie am besten ist. Auch das kann ein Weg sein, damit umzugehen.

Und zu guter Letzt können Sie sich wenigstens darüber freuen, dass sowohl Berlin als auch Brandenburg durch die große Konkurrenzsituation zwischen den Bestattungshäusern zu den günstigeren Bestattungs-Bundesländern gehören.

Wo wollen Sie beerdigt werden?

Friedhöfe gehören Gemeinden und Kirchengemeinden. Ruheforste - oder Bestattungswälder - sind formell gesehen auch Friedhöfe, die in aller Regel den Kommunen gehören. Betrieben werden sie allerdings oft von privaten Unternehmen, die sich hier einen Geschäftszweig erschlossen haben.

In Ihrem Testament oder in einer sogenannten Bestattungsverfügung, die Sie einer vertrauten Person überreichen, können Sie verfügen, wo und wie Sie bestattet werden möchten. Tun Sie dies nicht, oder äußern Sie sich nicht eindeutig, können Ihre Hinterbliebenen entscheiden, wo Ihre letzte Ruhestätte sein wird. Achtung, falls Ihr Testament beim Notar liegt: Das Testament wird erst einige Wochen nach Ihrem Ableben eröffnet - zu spät, um die Bestattung post mortem mitzuplanen.

Schritt für Schritt zur Grabstelle

  • Was wünschen Sie sich für die Zeit nach dem Tod? Das ist die allerwichtigste Frage. Wenn Sie sich etwa partout keine Feuerbestattung vorstellen können, sagen Sie das Ihren Angehörigen und halten Sie es zusätzlich in einer Bestattungsverfügung fest.
  • Sprechen Sie ohnedies mit Ihren Angehörigen über Ihre Wünsche, auch wenn es anfangs schwerfällt. Möchten Sie niemanden behelligen, halten Sie Ihre Bestattungswünsche in Ihrem Testament oder Ihrer Bestattungsverfügung fest. Vielleicht ist es Ihnen auch wichtig, dass Ihre Angehörigen keine Arbeit mit der Grabpflege haben. Da die Regelungen zur Grabpflege auf Friedhöfen recht strikt sind, könnte diese Frage in Ihre Überlegungen mit hineinspielen.
  • Finden Sie ein Bestattungsunternehmen, dem Sie vertrauen, welches die von Ihnen gewünschten Dienstleistungen anbietet und das preislich in Frage kommt. Im Fall Ihres Ablebens müssen sich Ihre Angehörigen jetzt nur noch an den Bestatter wenden, bestenfalls, ohne sich den Kopf zerbrechen zu müssen, wie Sie denn gerne bestattet worden wären.