Viele Einfamilienhäuser bilden aus der Vogelperspektive ein Herz (Quelle: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)
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Mo 12.04.2021 | Dossier | Lesedauer etwa 6 Minuten - Immobilien: mein Schatz

So ermitteln Sie den Wert Ihres Schmuckstücks

In vielen Situationen ist es sinnvoll zu wissen, was man hat. Wer das Auto bepackt, muss vorher wissen, wie viele Koffer rein sollen. Wer etwas kocht, checkt zuerst Kühlschrank und Speisekammer. Und wer eine Immobilie verkaufen will oder zu vererben hat - sollte bestenfalls auch wissen, was er hat. Also, ein Wert muss her. Aber wie ermittelt man den? Und wer ermittelt den?
 
Wir zeigen Ihnen die vier gängigsten Möglichkeiten, den Immobilienwert zu ermitteln. Plus Einschätzung unseres Fachmannes für Finanzfragen, Gerald Meyer.

Ganz einfach: vergleichen

Es klingt ein wenig banal, aber die einfachste und doch sehr gute Variante, den Wert eines Hauses oder einer Eigentumswohnung zu ermitteln, ist: So zu tun als ob man so ein Objekt wie das eigene kaufen wollen würde. Suchen Sie auf den großen Immobilienplattformen im Internet nach vergleichbaren Häusern oder Wohnungen in Ihrer Gegend. Auch wenn das Angebot meist nicht sehr groß sein wird - Sie haben eine gute Möglichkeit zu sehen, wo die angebotene Immobilie vielleicht besser ist als Ihre (komplett modernisiert zum Beispiel) oder auch schlechter (kein Aufzug?). Und dann sehen Sie sich den Kaufpreis an.

Mit Online-Tools zum Wert

Der einfachste und schnellste Weg ist, diverse Online-Tools zur Wertermittlung von Immobilien zu benutzen. Marktführer sind Mc Makler, Check 24 und Immobilienscout 24, aber es gibt diverse Portale, die den Service kostenlos oder zu Preisen von bis zu 60 Euro für eine Ermittlung anbieten. Und auch immer mehr Banken, etwa die Berliner Sparkasse, bieten den Online-Service an.
 
Alle Preisrechner verlangen dabei ähnliche Daten. Neben Infos wie Größe, Zimmer, Lage auch Adresse und Telefonnummer.
 
Beim Vergleich, den Gerald Meyer online für SUPER.MARKT durchführt, fällt allerdings eines sofort auf: Die unheimliche Bandbreite der Summen, mit der konkrete Immobilien bewertet werden. Die Ergebnisse der Online-Tools schwanken um mehr als 300.000 Euro beim Testobjekt, einem Einfamilienhaus in Brandenburg.
 
Für Gerald Meyer ein unbefriedigendes Ergebnis. Er rechnet selbst noch einmal den Wert der Test-Immobilie durch. Dafür sieht er sich unter anderem Bauweise, Ausstattung und Lage an. Sein Wert liegt bei dem obersten Wert, den eines der Online-Tools ermittelt hat.

Der Gutachter begutachtet

Wer also ganz sicher gehen will, kann für die Preisermittlung seiner Immobilie auch einen Gutachter bestellen. Ein Gutachten braucht man vor allem für gerichtliche Angelegenheiten, es kostet zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Die Fertigstellung kann mehrere Wochen dauern. Tom Kiebach, Makler und zertifizierter Immobiliengutachter, erklärt, wann ein Gutachten unabdingbar ist: "Es gibt Situationen, da ist ein Gutachten wirklich sinnvoll, wenn es zum Beispiel Auseinandersetzungen gibt im Fall eines Erbes oder bei Trennungen vielleicht, da mag es seine Berechtigung haben."
 
Um einen Gutachter zu finden, können Sie etwa auf den Seiten des Bundesverbands Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter (BDSF) nachsehen, beim Verband der Vereidigten Sachverständigen (VVS) oder auch beim Deutschen Gutachter und Sachverständigen Verband (DGuSV). Sehr übersichtlich geht es auch auf Deutsche-Gutachterauskunft.de, ebenfalls einer Seite des DGuSV.

Der Makler will makeln

Tom Kiebach rät, durchaus auch auf örtliche Makler zuzugehen, um eine Bewertung zu erhalten: "Der hat idealerweise auch schon ähnliche Immobilien im Portfolio und ist der etwas bessere Ansprechpartner."
 
Ähnlich wie ein Gutachter beurteilt auch ein Makler im Vorfeld Bodenrichtwert und Vergleichsimmobilien – richtet sich aber noch stärker nach der Nachfrage am Markt und dem persönlichen Eindruck vor Ort. Die Wertermittlung erfolgt in den meisten Fällen kostenlos - natürlich mit dem Hintergedanken, später die Immobilie ins Portfolio aufnehmen zu können. Doch das ist kein Muss.
 
Im Test mit unserem Brandenburger Immobilienobjekt kommt der Makler übrigens zu dem Preis, den auch Gerald Meyer ermittelt hatte: 700.000 Euro - und damit an der Obergrenze dessen, was die Online-Tools vorgeschlagen hatten.
 
Wenn Sie einen Makler suchen, können Sie auf den Seiten des Ringes Deutscher Makler (RDM) oder des Immobilienverbands Deutschland (IVD) unter "Expertensuche" einen finden.

Fazit

Immobilienpreisbewertungen im Internet sind sehr grob. Sie können allerdings eine erste Orientierung geben. Wer es genauer braucht, zum Beispiel für Erbangelegenheiten, der sollte tatsächlich einen Gutachter beauftragen. Ob Sie einen Makler mit der Wertermittlung beauftragen, ist - so drückt sich Gerald Meyer aus - "Geschmackssache": Man kann ihn hinzuziehen, aber mit den Kriterien, die Sie auch beim Onlinetool eingeben müssen, können Sie durchaus selbst auf einen guten Verkaufspreis kommen. Eine gute Vorstellung vom Wert Ihrer Immobilie bekommen Sie in jedem Fall, wenn Sie auf den entsprechenden Portalen nach vergleichbaren Objekten in Ihrer Gegend suchen.