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18.02.2018 | Beitrag - Leibrente: das Quäntchen mehr Geld im Alter

Geld aus dem Eigenheim schöpfen - ohne auszuziehen

Eine auf den ersten Blick schlaue Variante, Geld im Alter zu generieren, ist die sogenannte Leibrente. Das Prinzip ist simpel: Man verkauft sein Haus oder seine Wohnung, darf aber noch so lange darin wohnen, bis man stirbt. Und kann sich in der Zwischenzeit von dem Geld noch richtig was gönnen. Doch, auch hier lauern Gefahren.

Es gibt verschiedene Anbieter, die Immobilien von Senioren kaufen und diese weiterhin mietfrei darin wohnen lassen. Sie bezahlen den gesamten Wert der Immobilie abzüglich einer Gebühr für lebenslanges Wohnrecht. Ist das Haus oder die Wohnung noch nicht abbezahlt, wird der fehlende Betrag zusätzlich berechnet. Die Summe überweist der Käufer in monatlichen Raten an die Senioren. Erst nach ihrem Tod kann er über das Haus verfügen - dessen Wert bis dahin eventuell noch steigt.

Altersarmut trotz Eigenheim

Schätzungsweise jeder zweite Rentner lebt im eigenen Heim, eigentlich eine gute Vorsorge. Und trotzdem: Bei vielen reicht das Geld im Alter nicht, um sich auch als Rentner noch etwas zu erlauben oder um nötige Reparaturen am Haus vornehmen zu lassen. Viele Senioren wünschen sich mehr finanzielle Unabhängigkeit. Für sie ist die Leibrente ein interessantes Modell.

Wer länger lebt, bekommt weniger  

Im Detail ist die Leibrente etwas komplizierter. Damit die Senioren bis zum Tod im Haus wohnen dürfen, zahlen sie eine feste Gebühr an den Käufer. Die Höhe dieser Gebühr hängt davon ab, wie viele Jahre Lebenserwartung die Hausverkäufer noch haben. Das heißt: Die Senioren müssen sich damit auseinandersetzen, wann sie sterben. Oft wird hier die Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes als Vergleichswert benutzt. Je länger die restliche Lebenserwartung, desto höher ist die Gebühr für das lebenslange Wohnrecht. Deshalb sprechen einige von einer Wette auf den Tod.

Achtung, das Modell hat Tücken

Verträge mit Leibrenten gehen nicht immer gut aus. Es gibt Menschen, die ihr gesamtes Eigentum durch einen Leibrenten-Vertrag verloren haben. Zwar hat die Leibrente ihre Finanzen für einige Jahre aufgebessert. Aber: Dann musste das Haus doch vollständig verkauft werden und die Senioren ausziehen.

Ein grundsätzliches Problem der Leibrente ist, dass sie auf einem Schätzwert basiert: der Lebenserwartung. Was aber, wenn die Eheleute länger leben? Müssen sie dann Gebühren zurückzahlen? Wo geht die restliche Leibrente hin, wenn beide eher sterben als eingeplant? Und was passiert, wenn der Käufer insolvent wird? Experten empfehlen, sich für diese Fälle abzusichern. Sie sollten auf Kleinigkeiten im Vertrag achten und den Anbieter genau prüfen.

Wichtige Details

  • Mindestlaufzeit

  • Grundbuch

  • Rückkaufrecht

  • Notarieller Vertrag

  • Nießbrauchrecht

Hier können Sie sich informieren

Es gibt verschiedene Anbieter, die eine Leibrente anbieten. Die Deutsche Leibrenten Grundbeseitz AG ist einer von bisher nur wenigen Anbietern auf dem Markt. Daneben gibt es auch noch die Möglichkeit, das Haus über eine Stiftung, wie die Stiftung Liebenau zu verrenten. Interessant für Menschen, die nach dem Tod noch etwas fürs Gemeinwohl tun wollen. Denn Erträge, die das Haus erwirtschaftet, kommen der Stiftung zugute und nicht einem Investor.

Ein weiterer Anbieter ist HausplusRente. Er tritt als Vermittler auf zwischen Hausverkäufer und Investor. Hier erhält der Hausverkäufer meist eine Einmalzahlung und ein sogenanntes lebenslanges Nießbrauchrecht.

Unser Fazit

Egal, für welchen Anbieter Sie sich entscheiden, sprechen Sie vor dem Immobilienverkauf unbedingt mit Ihren Erben. Denn die haben keinen Anspruch mehr auf das Haus oder die Eigentumswohnung. Die Leibrente ist zwar noch nicht so sehr verbreitet, aber für viele Situationen im Alter ein interessantes Modell. "Sie müssen sich allerdings wichtige Dinge zusichern lassen", betont SUPER-MARKT-Finanzexperte Gerald Meyer.