Verschiedene Spendenorganisationen auf einer Karte (Quelle: imago images/epd)
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Mo 23.11.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 3 Minuten - Spenden: Fakten vor Gefühl

So erkennen Sie seriöse Spendensammler

Geben ist seliger denn Nehmen. Vor allem, wenn die Nehmenden unseriöse Spendensammler sind, bei denen das Geld nicht bei Bedürftigen landet, sondern eher in den eigenen Taschen. Doch um genau das zu verhindern, gibt es einige gute Tipps. Beachten Sie diese, klappt es auch mit dem Geben, dem Nehmen und der Seligkeit. Passt ja gut in die Vorweihnachtszeit.
 
Deutschland zählt um die 600.000 Vereine und rund 22.000 rechtsfähige Stiftungen, sie alle freuen sich über Geldzuwendungen. Und die Deutschen geben auch gerne: Zwar waren es 2019 insgesamt weniger Spender als in Vorjahren, doch immerhin rechnet der Deutsche Spendenrat vor, das dies das fünftbeste Ergebnis seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005 war.
 
Eine repräsentative Umfrage von Finanztest und dem Marktforschungsinstitut GfK vom September 2020 zeigt, dass etwa jeder zweite in den letzten zwei Jahren Geld gespendet hat. Die meisten Spenden gingen dabei an den Tier­schutz (29,4 Prozent), die Kinder­nothilfe (28 Prozent), an Gesundheitsorganisationen (19,4 Prozent), die Not- und Katastrophen­hilfe (17,7 Prozent) und Umwelt­schutz-Verbände (17,2 Prozent).

Eine Spendenbox (Quelle: dpa)
Vorsicht vor Gefühlen

Wer spenden will, fährt am besten, wenn er sich eines fest vornimmt: Sich nicht überrumpeln oder von Gefühlen - sprich: einem schlechten Gewissen - leiten zu lassen. Es hört sich hart an, Sie sollten es aber dennoch beherzigen: Krasse Schicksale, mitleiderregendes Bildmaterial oder emotionsgeladene Aufrufe sollten kein Spendengrund sein. Sie alle sind vielmehr oft Zeichen unseriöser Werbung, so die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB). Klare Informationen und transparente Einblicke stehen hingegen für Glaubwürdigkeit.
 
Oft warten in den Fußgängerzonen Spendensammler, die mit Ständen und Infomaterial um Spenden werben. Teils passiert das auch mal aufdringlich. Bleiben Sie gelassen, lassen Sie sich den Mitglieds­ausweis des Spenden­sammlers zeigen - auf dem sollte der Name des Samm­lers und ein Hinweis zu etwaigen erfolgs­abhängigen Vergütungen zu lesen sein - und bitten Sie, wenn Sie interessiert sind, um Broschüren zum Thema. Dann können Sie in Ruhe zuhause entscheiden, wie Sie vorgehen wollen.
 
Auch latenter Druck ist vielmals ein Zeichen dafür, dass hier jemand eher an Ihrem Geld, als an echter Spendenbereitschaft interessiert ist. Fühlen Sie sich belästigt, ist dies absolut ein Grund, Nein zu sagen.
 
Vorsicht gilt ebenfalls, wenn Sie um Dauerspenden gebeten werden oder gleich Fördermitglied werden sollen - inklusive monatlicher Überweisung. Hier wird ein Großteil des Geldes häufig für Ausgaben wie Werbung und Verwaltung verwendet, nur ein Bruchteil landet beim Hilfsprojekt. Oder schlimmer: Es handelt sich um komplett unseriöse Spendensammler.

Dauerspende ja oder nein?

Natürlich kann eine Dauer­spende auch sinnvoll sein, in dem Fall sollten Sie die Empfängerorganisation aber noch genauer unter die Lupe nehmen, als ohnehin schon. "Seriöse Organisationen räumen Ihnen bei Vertrags­schluss ein 14-tägiges Widerrufs­recht ein", erläutern die Experten von Finanztest. Für Fördermitgliedschaften, Dauer­spenden oder Patenschaften mit konkretem Zweck sollten "während der Lauf­zeit Kündigungs­fristen gelten, die die Dauer eines Monats nicht über­schreiten".

Sie entscheiden, wer Ihr Geld bekommt

Lassen Sie sich allerdings auch nicht von einer klar gestalteten Website oder einem gut gemachtem Handzettel täuschen. Auch hier gilt: Lieber noch einmal ins Impressum schauen, wer dahintersteckt, und die Nachrichtenlage checken. Der Nachrichtenüberblick gilt auch bei Organisationen, von denen Sie in der Vergangenheit schon Gutes gehört haben. Vielleicht gab es mittlerweile Veruntreuungsskandale, Gutachten, Prozesse, die die Organisation in einem neuen Licht zeigen? Wählen Sie den Empfänger Ihrer Spende also mit Bedacht.

So informieren Sie sich

Spenden ist eine tolle Gelegenheit, Gutes zu tun, wählen Sie also den Empfänger auch gut aus. Nur so wird am Ende auch wirklich Sinnvolles mit Ihrem Geld passieren.
 
1. Informieren Sie sich über die jeweilige Organisation, egal, ob gerade Vertreter dieser vor Ihrer Haustür stehen, Sie in der Einkaufsstraße ansprechen oder im Internet um Aufmerksamkeit buhlen.
 
2. Bitten Sie die Spendensammler um einen sogenannten Jahresbericht der Organisation, "seriöse Sammler senden ihn auf Anfrage zu", sagen die Experten der Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB).

3. Auch mithilfe des vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DIZ) vergebenen Spendensiegels können Sie sich orientieren. Dieses zeichnet förderungswürdige Organisationen aus. Allerdings kann es "nur von gemeinnützigen Organisationen beantragt werden, die jeweils mindestens 25.000 Euro Geldspenden in den zwei jüngsten abgeschlossenen Geschäftsjahren erhalten haben", so das DIZ. Außerdem müssen sie sich selbst beim DZI für eine Prüfung melden und die Kosten hierfür zahlen.
 
Kleine Vereine und Organisationen können aber natürlich auch förderungswürdig sein - hier sollten Sie aber auf Berichte in der Tagespresse Wert legen oder das direkte Gespräch mit den Organisatoren suchen, um zu einer Einschätzung zu gelangen.

Finanztest hat weitere Tipps

In einem umfangreichen Dossier befasst sich auch Finanztest mit dem Thema "Richtig spenden". Die Verbraucherschützer raten, zweckungebunden zu spenden - so kann die Organisation überschüssiges Geld für ähnliche Hilfs­projekte einsetzen, "die kaum öffent­liche Schlagzeilen machen". Auch die Höhe der Spende entscheidet darüber, wieviel Geld am Ende wirklich bei Ihrem Herzensprojekt landet. Daher verteilen Sie Beträge bis zu 150 Euro nicht auf verschiedene Spendenempfänger - so geht weniger Geld für Verwaltungsaufwände drauf.