Eine Steuererklärung wird ausgefüllt (Quelle: dpa)
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Di 05.10.2021 | Dossier | Lesedauer etwa 9 Minuten - Steuern: Geld zurück fürs Krisenjahr

Corona-Tipps für Ihre Steuererklärung - jetzt aber los!

Noch immer keine Steuererklärung gemacht? Dann aber los, am 1. November muss die Erklärung der meisten von uns spätestens beim Finanzamt sein. Die Zeit gilt es jetzt zu nutzen, denn durch Homeoffice, Pendlerpauschale, Arbeitszimmer und Kinderbetreuung ist die Steuererklärung in diesem Jahr viel komplexer als sonst. Aber: Sie kann sich auch lohnen. Verbraucherexperten rechnen für 2020 im Schnitt mit einer Steuernachzahlung von rund 1.000 Euro.

Fristverlängerung

Und weil es mit den ganzen Corona-Regelungen für 2020 nicht so einfach ist, gibt es in diesem Jahr für die Abgabe auch eine verlängerte Frist. Für alle, die ihre Steuererklärung selbst erledigen, endet sie ganze drei Monate später, am 1. November 2021. Wer Hilfe vom Lohnsteuerhilfeverein in Anspruch nimmt oder eine Steuerberaterin hat, für den ist der 31. Mai 2022 letzter Abgabetag.

Die Werbungskosten

Werbungskosten in Höhe von 1.000 Euro werden bei der Steuerberechnung pauschal vom Einkommen abgezogen, das ist der sogenannte Pauschbetrag. Dafür müssen keine Belege oder Nachweise eingereicht werden. Er gilt für alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit dem Beruf entstehen. Das können etwa Fahrtkosten zur Arbeit, Arbeitskleidung oder Weiterbildungen sein. Durch diese Pauschale sinkt die Steuerlast. Haben Sie höhere Werbungskosten, lohnt es sich deshalb für Sie, diese genauestens aufzulisten. Dafür sind dann auch entsprechende Belege notwendig.
 
Gerade 2020 hatten Sie eventuell höhere Kosten, um erst einmal das Büro zu Hause auszustatten. Wenn Sie diese Produkte zu mindestens 90 Prozent für die Arbeit nutzen, können Sie sie mit in die Werbungskosten einrechnen. Aber aufgepasst: Bei vielen Dingen, wie zum Beispiel einem Tablet, wird das Finanzamt eine höhere private Nutzung voraussetzen und nur einen Teil des Kaufpreises Homeoffice-Pauschale akzeptieren.

Homeoffice-Pauschale geltend machen

In die Werbungskosten hineingerechnet wird auch die neue Homeoffice-Pauschale. Diese Pauschale soll vor allem den Mehraufwand für Raumnutzung, Strom, Heizung und dergleichen kompensieren. Wer also zu Hause arbeitet statt im Büro, kann dafür fünf Euro pro Arbeitstag geltend machen. Insgesamt allerdings höchstens 600 Euro - was 120 Arbeitstagen entspricht. So landen Sie insgesamt also eventuell schneller bei den 1.000 Euro Pauschbetrag und können höhere Kosten geltend machen.
 
Wichtig: Die Pauschale gilt auch für Arbeitnehmer ohne Arbeitszimmer in der Wohnung. Selbst, wenn Sie am Küchentisch gearbeitet haben, haben Sie Anspruch auf die Homoffice-Pauschale.
 
Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Arbeitgeber schriftlich bestätigen, ab wann bei Ihnen in der Firma Homeoffice angeordnet wurde und wie viel Sie zu Hause gearbeitet haben. Machen Sie am besten noch Fotos von Ihrer Arbeitssituation zu Hause.

Und fürs Arbeitszimmer?

Für Arbeitnehmer, die sowieso jährlich ein Arbeitszimmer geltend machen, gilt die Homeoffice-Pauschale nicht. Wer als Steuerzahler die strengen Voraussetzungen für ein Arbeitszimmer erfüllt, darf und sollte deshalb weiterhin seine nachweisbaren Kosten fürs Arbeitszimmer absetzen.
 
Tipp: "Da ist meist ein deutlich höherer Abzug bei den Werbungskosten drin: Bis zu 1.250 Euro; möglicherweise für das Jahr 2020 wegen der Corona-Situation sogar noch mehr", so Udo Reuß von Finanztip gegenüber SUPER.MARKT.

Mehr Homeoffice = weniger Fahrtkosten

2020 wird wahrscheinlich als das Jahr mit den niedrigsten steuerlich absetzbaren Fahrtkosten in die Geschichte eingehen: Wenn Sie zu Hause gearbeitet haben, machen Sie nicht den Fehler und versuchen Sie, Fahrtkosten geltend zu machen, die nicht angefallen sind. Hier wird das Finanzamt bestimmt genauer hingucken. Für Sie heißt der Wegfall der Fahrtkosten natürlich weniger Werbungskosten. Schade - aber immerhin haben Sie die Kosten für die Fahrerei ja tatsächlich eingespart.
 
Tipp: Wenn Sie 2020 arbeitsbedingt ein Abo für den Öffentlichen Nahverkehr hatten und dieses nicht kündbar war, können Sie diese Kosten trotz Homeoffice geltend machen.

Steuerfreies Kurzarbeitergeld

Kurzarbeitergeld bleibt steuerfrei. Dennoch gilt: Wer im vergangenen Jahr mehr als 410 Euro bekommen hat, muss eine Steuererklärung abgeben.
 
Je nachdem, ob Sie zu hundert oder zu fünfzig Prozent Kurzarbeitergeld bekommen haben, kann der Umstand bei Ihnen zu einer Steuererstattung oder zu einer Steuernachzahlung führen. Letzteres wird, wenn überhaupt, diejenigen betreffen, die zu fünfzig Prozent in Kurzarbeit waren. Es hängt aber von vielen Faktoren ab, unter anderem von der Höhe des Lohns.
 
Hintergrund: Die Lohnersatzleistungen unterliegen dem sogenannten "Progressionsvorbehalt". Das heißt, dass das Kurzarbeitergeld im Rahmen der Steuererklärung im Nachhinein zum regulären Arbeitslohn hinzugerechnet wird. Es erhöht somit die Bemessungsgrundlage und den Steuersatz für das regulär ausbezahlte Gehalt.
 
Tipp: Wollen Sie sicher gehen, dass mit dem Steuerbescheid kein finanzielles Ungemach auf Sie zukommt, sprechen Sie mit dem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater. Oder legen Sie - wenn es geht - etwa zehn Prozent Ihres Kurzarbeitergelds für eine eventuelle Steuernachzahlung zur Seite.
 
Wichtig: Tage in Kurzarbeit zählen allerdings weder für die Homeoffice-Pauschale noch für die Fahrtkosten.

Der Corona-Kinderbonus

Sollten Sie 2020 den staatlichen Kinderbonus in Höhe von 300 Euro bekommen haben, geben Sie diese Summe in der Anlange Kind an - dort, wo auch das Kindergeld vermerkt wird. Das Finanzamt verrechnet den Bonus wie beim Kindergeld mit den Freibeträgen für Kinder und streicht ihn bei hohen Einkommen wieder.

Eine Frau mit einem 100-Euro-Schein (Quelle: dpa)
Bonus-Zahlungen

Sonderzahlung vom Cheffe? Freuen Sie sich, die bleibt für 2020 steuerfrei, wenn folgende vier Punkte zutreffen:
 
1. Sie ist ein Plus zum Normallohn.
 
2. Sie ist erst nach Februar 2020 vereinbart worden.
 
3. Sie ist im Zusammenhang mit der Coronakrise ausgezahlt worden.
 
4. Sie lag höchstens bei 1.500 Euro.

1.000 Euro zurück

Stiftung Warentest hat sich des Themas auch angenommen. Die Verbraucherexperten rechnen vor, dass Steuerzahler 2020 im Schnitt für ihre Einkommensteuererklärung 1.000 Euro vom Finanzamt zurückbekommen werden.
 
Warentest rät allen Steuerzahlern dringend, bei er Bearbeitung der Steuererklärung besondere Vorsicht walten zu lassen und alle Posten genauestens zu prüfen. Verbraucher sollen alles abrechnen, was geht: "Spenden, Versicherungsbeiträge, Kinderbetreuung, Krankheitskosten und Haushaltshilfen", so Stiftung Warentest. "Klingt zwar nach viel Arbeit, ist es aber meist gar nicht, und es lohnt sich", erklärt "Finanztest"-Expertin Marieke Einbrodt. Und weil bis zum 1.11. nicht mehr so viel Zeit ist, listen die Warentester aktuell fünf Wege auf, mit denen Sie es noch rechtzeitig schaffen.