Eine Steuererklärung wird ausgefüllt (Quelle: dpa)
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Mo 01.03.2021 | Dossier | Lesedauer etwa 9 Minuten - Steuern: Geld zurück fürs Krisenjahr

Corona-Tipps für Ihre Steuererklärung

Verdienstausfälle, Kurzarbeit, Homeoffice, weniger Geschäftsreisen, weniger Dienstfahrten, dafür teilweise deutlich höhere Werbekosten: Corona wirbelt vielleicht auch Ihre Steuererklärung durcheinander - also fangen Sie am besten früh damit an. Wie wäre es mit: jetzt? Wir haben die Neuerungen für das Krisenjahr.

Zuallererst: die Fristen

Für die Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2020 ist der 2. August 2021 der Stichtag, denn der 31. Juli ist ein Samstag. Wer einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein beauftragt, hat sogar bis zum 28. Februar 2022 Zeit. Und: Wer freiwillig eine Erklärung macht, darf diese rückwirkend für bis zu vier Jahre abgeben - für das Steuerjahr 2020 gilt also der 31. Dezember 2024.
 
Übrigens: Auch für die Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2019 haben bestimmte Steuerzahler länger Zeit: bis zum 31. August 2021. Das gilt dann, wenn ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein von Ihnen mit der Erstellung der Steuererklärung beauftragt wurde.

Die Werbungskosten

Werbungskosten in Höhe von 1.000 Euro werden bei der Steuerberechnung pauschal vom Einkommen abgezogen, das ist der sogenannte Pauschbetrag. Er gilt für alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit dem Beruf entstehen. Das können etwa Fahrtkosten zur Arbeit, Arbeitskleidung oder Weiterbildungen sein. Durch diese Pauschale sinkt die Steuerlast. Haben Sie höhere Werbungskosten, lohnt es sich deshalb für Sie, diese genauestens aufzulisten.
 
Gerade 2020 hatten Sie eventuell höhere Kosten, um erst einmal das Büro zu Hause auszustatten. Wenn Sie diese Produkte zu mindestens 90 Prozent für die Arbeit nutzen, können Sie sie mit in die Werbungskosten einrechnen. Aber aufgepasst: Bei vielen Dingen wird das Finanzamt eine höhere private Nutzung voraussetzen und nur einen Teil des Kaufpreises geltend machen.

Homeoffice-Pauschale geltend machen

In die Werbungskosten hineingerechnet wird auch die neue Homeoffice-Pauschale. Diese Pauschale soll vor allem den Mehraufwand für Raumnutzung, Strom, Heizung und dergleichen kompensieren. Wer also zu Hause arbeitet statt im Büro, kann dafür fünf Euro pro Arbeitstag geltend machen. Insgesamt allerdings höchstens 600 Euro - was 120 Arbeitstagen entspricht. So landen Sie insgesamt also eventuell schneller bei den 1.000 Euro Pauschbetrag und können höhere Kosten geltend machen.
 
Wichtig: Die Pauschale gilt auch für Arbeitnehmer ohne Arbeitszimmer in der Wohnung. Selbst, wenn Sie am Küchentisch gearbeitet haben, haben Sie Anspruch auf die Homoffice-Pauschale.
 
Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem Arbeitgeber schriftlich bestätigen, ab wann bei Ihnen in der Firma Homeoffice angeordnet wurde und wie viel Sie zu Hause gearbeitet haben. Machen Sie am besten noch Fotos von Ihrer Arbeitssituation zu Hause.

Und fürs Arbeitszimmer?

Für Arbeitnehmer, die sowieso jährlich ein Arbeitszimmer geltend machen, gilt die Homeoffice-Pauschale nicht. Wer als Steuerzahler die strengen Voraussetzungen für ein Arbeitszimmer erfüllt, darf und sollte deshalb weiterhin seine nachweisbaren Kosten fürs Arbeitszimmer absetzen.
 
Tipp: "Da ist meist ein deutlich höherer Abzug bei den Werbungskosten drin: Bis zu 1.250 Euro; möglicherweise für das Jahr 2020 wegen der Corona-Situation sogar noch mehr", so Udo Reuß von Finanztip gegenüber SUPER.MARKT.

Mehr Homeoffice = weniger Fahrtkosten

2020 wird wahrscheinlich als das Jahr mit den niedrigsten steuerlich absetzbaren Fahrtkosten in die Geschichte eingehen: Wenn Sie zu Hause gearbeitet haben, machen Sie nicht den Fehler und versuchen Sie, Fahrtkosten geltend zu machen, die nicht angefallen sind. Hier wird das Finanzamt bestimmt genauer hingucken. Für Sie heißt der Wegfall der Fahrtkosten natürlich weniger Werbungskosten. Schade - aber immerhin haben Sie die Kosten für die Fahrerei ja tatsächlich eingespart.
 
Tipp: Wenn Sie 2020 arbeitsbedingt ein Abo für den Öffentlichen Nahverkehr hatten und dieses nicht kündbar war, können Sie diese Kosten natürlich trotz Homeoffice geltend machen.

Steuerfreies Kurzarbeitergeld

Kurzarbeitergeld bleibt steuerfrei. Dennoch gilt: Wer im vergangenen Jahr mehr als 410 Euro bekommen hat, muss eine Steuererklärung abgeben.
 
Je nachdem, ob Sie zu hundert oder zu fünfzig Prozent Kurzarbeitergeld bekommen haben, kann der Umstand bei Ihnen zu einer Steuererstattung oder zu einer Steuernachzahlung führen. Letzteres wird vor allem diejenigen betreffen, die zu fünfzig Prozent in Kurzarbeit waren.
 
Hintergrund: Die Lohnersatzleistungen unterliegen dem sogenannten "Progressionsvorbehalt". Das heißt, dass das Kurzarbeitergeld im Rahmen der Steuererklärung im Nachhinein zum regulären Arbeitslohn hinzugerechnet wird. Es erhöht somit die Bemessungsgrundlage und den Steuersatz für das regulär ausbezahlte Gehalt.
 
Wichtig: Tage in Kurzarbeit zählen allerdings weder für die Homeoffice-Pauschale noch für die Fahrtkosten.

Der Corona-Kinderbonus

Sollten Sie 2020 den staatlichen Kinderbonus in Höhe von 300 Euro bekommen haben, geben Sie diese Summe in der Anlange Kind an - dort, wo auch das Kindergeld vermerkt wird. Das Finanzamt verrechnet den Bonus wie beim Kindergeld mit den Freibeträgen für Kinder und streicht ihn bei hohen Einkommen wieder.

Eine Frau mit einem 100-Euro-Schein (Quelle: dpa)
Bonus-Zahlungen

Sonderzahlung vom Cheffe? Freuen Sie sich, die bleibt für 2020 steuerfrei, wenn folgende vier Punkte zutreffen:
 
1. Sie ist ein Plus zum Normallohn.
 
2. Sie ist erst nach Februar 2020 vereinbart worden.
 
3. Sie ist im Zusammenhang mit der Coronakrise ausgezahlt worden.
 
4. Sie lag höchstens bei 1.500 Euro.

1.000 Euro zurück

Stiftung Warentest hat sich des Themas auch angenommen. Die Verbraucherexperten rechnen vor, dass Steuerzahler 2020 im Schnitt für ihre Einkommensteuererklärung 1.000 Euro vom Finanzamt zurückbekommen werden.
 
Warentest rät allen Steuerzahlern dringend, bei er Bearbeitung der Steuererklärung besondere Vorsicht walten zu lassen und alle Posten genauestens zu prüfen. Verbraucher sollen alles abrechnen, was geht: "Spenden, Versicherungsbeiträge, Kinderbetreuung, Krankheitskosten und Haushaltshilfen", so Stiftung Warentest. "Klingt zwar nach viel Arbeit, ist es aber meist gar nicht, und es lohnt sich", erklärte "Finanztest"-Expertin Marieke Einbrodt.