Eine FFP2-Maske (Quelle: dpa)
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Di 26.01.2021 | Dossier | Lesedauer etwa 5 Minuten - FFP2-Masken: Richtig geprüft, richtig geschützt

So erkennen Sie, ob die FFP2-Maske etwas taugt

Die Bayern machen's vor, der Rest Deutschlands folgt? Die FFP2-Maskenpflicht im öffentlichen Raum wurde in den vergangenen Tagen heftig diskutiert und war auch beim Bund-Länder-Treffen am 19. Januar Thema. Dort wurde allerdings beschlossen, dass lediglich medizinische Mundnasenschutze in verschiedenen Lebensbereichen Pflicht werden sollen - die dünneren, meist blauen Masken also. Dennoch setzen viele Verbraucher jetzt auf die FFP2-Maske. Aber was soll die besser können als Alltagsmasken, etwa solche aus Baumwolle? Und wie erkenne ich überhaupt, ob es sich wirklich um eine FFP2-Maske handelt - oder um eine Billo-Kopie?

Das macht die FFP2-Masken aus

FFP2-Masken sind sogenannte partikelfiltrierende Halbmasken, sie werden häufig im Arbeitsschutz eingesetzt. Die FFP2-Masken sind dichter als andere Masken, sie filtern die Umgebungsluft bis zu 94 Prozent und schützen den Träger so vor Partikeln, Tröpfchen und eben auch Aerosolen. Das Risiko einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus kann durch das Tragen einer FFP2-Maske also erheblich reduziert werden. Auch, um andere zu schützen, ist die Maske gut - wenn Sie kein Ausatemventil hat.
 
Trotzdem sind FFP2-Masken kein Corona-Allheilmittel. Denn immerhin werden immer noch sechs Prozent der Umgebungsluft nicht gefiltert - und der richtige Sitz der Maske ist unerlässlich, um überhaupt Schutz zu bieten. Dazu später mehr in diesem Dossier.

Ein Schild wirbt für den Verkauf von zertifizierten FFP2-Masken (Quelle: dpa)
Auf diese Prüfzeichen achten

Die FFP2-Maske unterliegt bestimmten Normen, die ihre Wirksamkeit sicherstellen. Daher ist es wichtig, zertifizierte und geprüfte Qualität zu kaufen. Doch es sind Fälschungen im Umlauf und zusätzlich massenhaft Masken, die durch eine Sonderregelung nur im Kurzverfahren geprüft wurden. Diese Kurzprüfung darf zwar mittlerweile nicht mehr stattfinden, doch die so geprüften Masken dürfen noch abverkauft werden.
 
Achten Sie zu Ihrer Sicherheit also darauf, dass die Maske folgende Merkmale aufweist:
 
• Das CE-Kennzeichen zeigt, dass die Maske alle rechtlichen Anforderungen in der EU erfüllt.
• Auf das CE-Zeichen folgt eine vierstellige Nummer. Sie gibt Rückschluss auf das Prüfinstitut, das die Zertifizierung durchgeführt hat.
• Zudem sollte die Maske einen Herstellername oder eine Marke aufweisen. Die Herstellerangabe mit der Anschrift sollte auch auf der Verpackung abgebildet sein.

Hier den Check machen

Auf der Suche nach der richtigen Maske hilft Ihnen das Netz weiter! In der sogenannten NANDO-Datenbank der EU können Sie prüfen, ob die angegebene Nummer einer Prüfstelle korrekt ist. Es ist allerdings ein wenig umständlich: Auf dieser englischsprachigen Seite müssen Sie im zweiten Auswahlfeld diesen Punkt auswählen: "Equipment providing respiratory system protection" - und dann auf "Search" klicken. Dann erhalten Sie die Liste mit allen zertifizierten Prüfstellen.
 
Und bitte hier nicht irritieren lassen - auf diesen Seiten steht vor den vierstelligen Nummern das "NB" für "Notified Body" ("benannte Stelle") und nicht das "CE" wie später auf den Produkten. Es geht hier ausschließlich um die vierstellige Ziffernreihe.
 
Eine zusätzliche Informationsquelle für Produktwarnungen hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz veröffentlicht. In der Liste "Gefährliche Produkte in Deutschland" sind alle bisher entdeckten mangelhaften FFP2-Masken aufgelistet.

Zum Merken

Hat die Maske das CE-Zeichen UND die vierstellige Prüfnummer, kann man sich relativ sicher sein, dass das Produkt nicht im Kurzverfahren geprüft wurde, sondern aufwändiger.

 

Aber: Erst wenn es auch eine amtliche Bestätigung des Prüfungsprozesses gibt, ist wirklich klar, dass diese Maske für den Pandemieschutz taugt. Masken, die CE-Zeichen und Prüfnummer aufweisen, sollten auch diese amtliche Bestätigung haben. Sie können sich diese vom Händler zeigen lassen - etwa, wenn Sie Ihre Masken in der Apotheke kaufen. Auch im Web sollten Händler die Bestätigung auf Nachfrage vorweisen können.

 

Sollten Sie übrigens N95- (aus den USA) oder KN95-Masken (aus China) kaufen wollen, sind diese theoretisch ähnlich zu bewerten, wie die FFP2-Variante. Allerdings sollten Sie den Händler auch hier um die Bestätigung der zuständigen deutschen Marktüberwachungsbehörde bitten. Gibt es dieses Schreiben, ist die Maske mindestens im oben angesprochenen Kurzverfahren geprüft worden.

Der Alltag mit der Maske

Keine Sorge, wenn Sie auf die FFP2-Maske setzen, müssen Sie nicht jeden Tag eine neue verwenden. Auch wenn das Produkt eigentlich als Einwegprodukt für eine Acht-Stunden-Schicht entwickelt wurde. Doch wer sie tagsüber nur für Fahrten im Öffentlichen Nahverkehr oder den Einkauf im Supermarkt benutzt, kann sie deutlich länger benutzen. "Für den privaten Bereich im Alltag kann die Maske allerdings auch öfter benutzt werden", urteilt etwa auch der TÜV-Verband (VdTÜV).

Nur wenn's sitzt, passt's

Die Krux an der FFP2 - der richtige Sitz. Denn wo man bei einer Stoffmaske noch mal rumzuppeln und nachjustieren kann, ist das vorhandene Material bei der FFP2 arg begrenzt, rumzuppeln ist da nicht. Lediglich der Nasenbügel am oberen Rand kann (und sollte) so gedrückt werden, dass er gut an der Nase aufliegt. Sie spüren den korrekten Sitz daran, dass Sie beim Tragen einer FFP2-Maske einen höheren Atemwiderstand spüren, das Ausatmen erzeugt wiederum einen spürbaren Überdruck in der Maske.

 

Das Problem: Wenn die Maske nicht direkt auf der Haut aufliegt und es zu Lücken kommt, verliert sie ihre Wirksamkeit, Luft kann an den Stellen entweichen, und mit der Luft Sars-CoV-2-Viren. Die FFP2 schützt in dem Fall nicht besser als jede andere Maskenart - eher schlechter: Denn wo bei einer nicht dicht anliegenden Stoffmaske der Stoff vor Mund und Nase wenigstens noch teilweise Viren zurückhält, geht bei der FFP2-Maske die komplette Virenladung durch die Lücke nach draußen.

 

Probieren Sie, bis es passt: Wenn Sie die Maske aufhaben und neben der Nase, am Kinn oder an den Wangenknochen noch Lücken sind, dann ist dieses bestimmte Fabrikat einfach nicht geeignet für Sie - dann heißt es, nächstes FFP2-Modell ausprobieren. Es gibt nämlich durchaus verschiedene Größen, sogar für Kinder. Gerade Bartträger werden hier häufiger Probleme haben und länger suchen müssen, bis sie ein passendes Modell gefunden haben - mitunter ist eine FFP2-Maske bei Vollbart aber auch ungeeignet.

EIn Mann trägt eine FFP2-Maske (Quelle: dpa)
Aber was sollten Sie bei der Nutzung einer FFP2-Maske dennoch beachten?

• Setzen Sie die Maske auf, indem Sie nur die Bänder anfassen. Vermeiden Sie es, das Filtermaterial innen oder außen zu berühren.
 
• Wichtig für die Sauerstoffversorgung und somit Ihr Wohlergehen: Setzen Sie die Maske nach einer Stunde für eine kurze Weile ab. Dafür müssen Sie sich natürlich von anderen Menschen wegbegeben.
 
• Lagern Sie ihre FFP2-Maske in trockener Raumluft, etwa an einem Wandhaken.
 
• Sind Sie unterwegs und wollen die Maske nur kurz absetzen, verzichten Sie darauf, die Maske in die Manteltasche zu stecken. Tragen sie sie stattdessen - für kurze Zeit - am Handgelenk. Oder lassen Sie sie einfach auf.
 
• Ist die Maske stark verschmutzt, sollte sie ausgetauscht werden.
 
• Unterschiedliche Ansichten gibt es beim Thema Desinfektion der Maske:
 
An der Universität Münster hat eine Forschungsgruppe Möglichkeiten zum Desinfizieren der FFP2-Masken entwickelt. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Privatpersonen eine FFP2-Maske je nur einen Tag lang nutzen und sie anschließend eine Woche lang auslüften sollten. "In dieser Zeit verlieren potenziell auf den Masken befindliche Viren weitestgehend ihre Infektiosität, so dass anschließend eine Wiederverwendung möglich ist", so Stephan Ludwig, Direktor des Instituts für Molekulare Virologie an der Universität Münster. Man könne sogar die einwöchige Regenerationszeit verkürzen, wenn man die Maske eine Stunde lang bei 80 Grad Celsius im Backofen erhitzt, so die Münsteraner. Bei der Temperatur sollen die Viren, nicht aber die Masken zerstört werden. Wichtig: Von den Empfehlungen aus Münster sind vorgeformte FFP2-Masken ausgenommen.
 
"Von einer Reinigung im Backofen kann ich nur abraten", sagt hingegen André Siegl, Experte für Arbeits- und Gesundheitsschutz beim VdTÜV. "Die Masken bestehen häufig aus hitzeempfindliche Fasern, die den hohen Temperaturen im Backofen nicht standhalten. Eine Reinigung im Backofen senkt also das Schutzniveau und die freigesetzten Schadstoffe sind ungesund."
 
• Selbst wenn jeder von uns sieben Masken nutzt, jede nur einmal wöchentlich: Übertreiben sollten wir es nicht. Nach spätestens fünf Gebrauchszyklen sollten die FFP2-Masken dann wirklich entsorgt werden.

Soviel darf die FFP2-Maske kosten

Kaum wird verstärkt über die FFP2-Maske diskutiert, schon schlägt sich das im Preis wider? Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) rechnete am Dienstag zumindest mit steigenden Preisen für FFP2-Masken, sollten Bund und Länder eine flächendeckende Tragepflicht beschließen. Die ist nun nicht gekommen, die Pflicht gilt für die einfacheren medizinischen Mundschutze ("OP-Masken"). Dennoch hat schon die verstärkte Diskussion über Nutzen und Wirken der FFP2 die Nachfrage verstärkt.
 
Wenn Sie sich FFP2-Masken zulegen wollen, achten Sie auf den Preis: Die Masken gibt es von seriösen Herstellern ab etwa 1,20 Euro zu kaufen. Je mehr Sie kaufen, desto günstiger wird das Angebot natürlich. In den meisten Apotheken werden die Masken deutlich teurer verkauft - die Apotheken erklären diese höheren Preise unter anderem damit, dass sie im Gegensatz zu anderen Händlern auch Beratung rund um die Maske anbieten: Die richtige Größe und der richtige Sitz können hier etwa geklärt werden.

Was ist mit FFP3-Masken?

Eine FFP3-Maske filtert mindestens 99 Prozent der Aerosole aus der Luft. Wenn sie richtig sitzt, schützt sie also besser als eine FFP2-Maske. Umso besser die Maske filtert, umso größer wird aber auch der Atemwiderstand. Fällt das Atmen mit einer FFP2-Maske schwer, fällt es mit einer FFP3-Maske also schwerer. FFP2/3-Masken sollten laut Robert Koch-Institut generell maximal 75 Minuten getragen werden. Danach sollte man 30 Minuten pausieren, um den Körper nicht zu sehr zu beanspruchen.

Pro und Contra

Wie immer - und vor allem während der Corona-Pandemie - gibt es zu allem zwei Meinungen, oder sogar mehr. So natürlich auch zu den FFP2-Masken. Denn da der richtige Sitz so wichtig ist bei dieser Maskenart, sehen Kritiker die Gefahr, dass die FFP2-Maskenpflicht die Coronasituation eher verschlimmern könnte: Wenn alle die FFP2 tragen, aber nur wenige auf den richtigen Sitz achten, wähnen sich dennoch alle in Sicherheit und agieren eventuell unvorsichtiger.

 

Nach Einschätzung von Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, kann die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken die Infektionslage nicht merklich verbessern. "Im schlimmsten Fall kann sich die Lage sogar verschlechtern", so Knobloch.

 

Korrekt verwendet biete eine solche Maske zumindest mehr Eigenschutz, gibt Jonas
Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg zu bedenken. "Ich kann mich selbst schützen und bin weniger darauf angewiesen, dass die Menschen in meiner Umgebung sich richtig verhalten." Trage man eine korrekt angelegte FFP2-Maske, sei es für einen selbst weniger riskant, wenn andere Menschen im Raum nur einen Schal oder einen falsch angelegten Mund-Nasen-Schutz trügen.