Auf dem Boden eines Berliner Corona-Impfzentrums ist ein gelber Pfeil zu sehen (Quelle: dpa)
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Mi 13.01.2021 | Dossier | Lesedauer etwa 5 Minuten - Corona: Neun Impf-Infos für alle

Von wichtig bis spannend!

Die Corona-Krise überwinden mit der Impfung - ein äußerst hoffnungsvoller Gedanke in diesen Tagen. Auch wenn es offenbar schwierig ist, Millionen von Menschen in Berlin und Brandenburg zu impfen, wenn der Nachschub nicht kommt oder die Anmeldekapazitäten nicht ausreichen. Und dann ist auch nicht immer klar, wer wann dran ist, wohin man sich wenden muss und was bei der Impfung gilt. Hier sind die wichtigsten Impf-Infos für Sie:

1. Wer wird geimpft?

In Berlin können sich derzeit nur über 80-Jährige sowie Personal in der Pflege oder in Krankenhäusern impfen lassen. Impfberechtigte, die in Berlin leben und nicht in einem Pflegeheim wohnen, werden schriftlich von der Gesundheitsverwaltung zur Impfung eingeladen. Die Impfeinladung ist nicht übertragbar, Sie können sie also zum Beispiel nicht Ihrem jüngeren Ehepartner überlassen.
 
Auch in Brandenburg werden derzeit nur Personen über 80, Bewohnerinnen und Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen sowie das Personal in der Altenpflege und in medizinischen Einrichtungen geimpft. Impfberechtigte müssen sich, so sie sich impfen lassen wollen, per Telefon unter der 116 117 zum Impfen anmelden.

2. Immer wieder anrufen

Wer in Brandenburg allerdings über die Hotline 116 117 einen Impftermin will, braucht Geduld: Die Leitungen sind voll, zu voll. Das hat auch die Gesundheitsministerin des Landes, Ursula Nonnemacher (Grüne), erkannt - und verspricht Besserung. "Wir arbeiten gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg mit Hochdruck daran, die Erreichbarkeit zu verbessern." Das geschieht einerseits durch technische Aufrüstung sowie durch mehr Mitarbeiter an der 116 117. So können Impf-Willige dann zwar schneller an einen Impftermin kommen, nicht aber unbedingt schneller zur Impfung. Denn das Tempo für diese gibt wiederum die Verfügbarkeit der Impfstoffe vor, so Nonnemacher - und die sind derzeit (noch) knapp. Das ändert sich aber auch: Für die kommenden Tage sind große Impfstofflieferungen angekündigt.

3. Die Impfzentren

In Brandenburg soll es insgesamt elf Impfzentren geben, über das ganze Land verteilt. Die ersten drei in Potsdam (Metropolis-Halle im Filmpark Babelsberg), Cottbus (Messehalle) und Schönefeld sind schon eröffnet. Bis Anfang Februar sollen dann acht weitere Impfzentren in Betrieb gehen: in Eberswalde, Brandenburg/Havel, Elsterwerda, Frankfurt (Oder), Oranienburg, Kyritz, Luckenwalde und Prenzlau.
 
Die drei nunmehr eröffneten Berliner Impfzentren sind in der Messehalle 21 (Charlottenburg-Wilmersdorf), im Erika-Heß-Eisstadion in Mitte sowie in der Arena in Treptow-Köpenick. Weitere sollen in den ehemaligen Flughäfen Tegel (Terminal C) und Tempelhof (Hangar 4) sowie im Velodrom in Pankow eröffnet werden.

4. Ich bin zu alt zum impfen!

Viele ältere Menschen sind nicht in der Lage, so eine große Aktion wie eine Impfung im Impfzentrum alleine in Angriff zu nehmen, sei es, dass sie bettlägerig sind - sei es aus anderen Gründen. Wie viele Berliner und Brandenburger nicht in der Lage sein werden, alleine ein Impfzentrum aufzusuchen, ist aktuell nicht bekannt. Und: Es besteht auch noch kein flächendeckendes Konzept, wie diese Menschen an ihre Impfung kommen können. Aber es gibt erste Ideen! So bietet etwa der Verein Seniorenförderclub Berlin einen ehrenamtlichen Fahr- und Begleitdienst für die Coronaimpfung an. Und Berlinerinnen und Berliner, die mindestens 90 Jahre alt sind und einen Termin im Impfzentrum in Treptow haben, können kostenlos mit dem Taxi dort hin fahren, unter der 030 202020 kann ein Taxi für die Hin- und Rückfahrt gebucht werden.

5. VBB rüstet für Impfwillige auf

Außerdem hat der VBB seinen Begleitservice erweitert: Ältere, bewegungs-oder auch seheingeschränkte Menschen können den Service neuerdings auch für die Begleitung zum Impftermin nutzen.
 
Personen, die einen Impftermin haben, können sich ab sofort beim VBB Bus und Bahn-Begleitservice unter der Telefonnummer 030-34 64 99 40 melden (von Montag bis Freitag, 9:00 bis 16:00). Dies gilt unabhängig davon, ob die zu Begleitenden einen Taxigutschein besitzen und mit dem Taxi begleitet werden möchten oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dabei richtet sich der Dienst ausdrücklich auch an Menschen, die sich unsicher fühlen, Bus und Bahn alleine zu nutzen oder Hilfe an Umsteigepunkten benötigen. Der Service wird erweitert um Unterstützung beim Impfen und das Organisieren von Erledigungen.
 
Geichzeitig hat der VBB sein Onlineangebot impfgerecht aufgerüstet: Damit Berliner und Brandenburger schnell den Weg zum Impfzentrum finden, wurden die entsprechenden Standorte in die VBB-Fahrinfo eingearbeitet.

6. Mit dem Shuttle zum Impfen

Ja, auch das geht! Die BVG hat für Berliner mit einem Termin im Treptower Impfzentrum einen kostenlosen Fahrservice mit Kleinbussen vom Parkhaus des Einkaufszentrums "Park-Center" zur Arena eingerichtet. Direkt am Impfzentrum gibt es laut BVG keine Parkplätze, so will das Unternehmen aushelfen. Die beiden Kleinbusse sind täglich von 8.00 Uhr bis 18.30 Uhr unterwegs. Abfahrt ist an der Haltestelle Beermannstraße (wie Linien 104, 166, 194). Das Impfzentrum ist - dann allerdings mit einem Fußweg von etwa 600 Metern - auch mit anderen Verkehrsmitteln des öffentlichen Nahverkehrs erreichbar.

7. Stichwort Herdenimmunität

Wissenschaftler - etwa von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) - sprechen davon, dass sich etwa 60 bis 70 Prozent der Einwohner eines Landes impfen lassen müssten, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Laut einer nicht-repräsentativen Umfrage von rbb24 wollen sich knapp 60 Prozent der Berliner und Brandenburger impfen lassen, zehn Prozent sind sich unsicher, gut 30 Prozent sagen Nein zur Impfung. Bei einer Umfrage der Krankenkasse Barmer lag die Zahl der Impfwilligen deutschlandweit allerdings mit 53 Prozent deutlich unter der Quote zur Immunisierung.

8. Hausärzte

Hausärzte können derzeit keine Corona-Impfungen anbieten. Und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben. Grund dafür ist die Beschaffenheit der beiden Impfstoffe von Biontech und Moderna, die eine sensible Logistik erfordern. Der neue Impfstoff von Astra Zeneca, der demnächst die EU-Zulassung erhalten soll, ist in dieser Hinsicht robuster und könnte auch von Hausärzten gespritzt werden. Doch dafür fehlt es an den Strukturen. Die Impfung beim Hausarzt ist bislang also Zukunftsmusik. Bundesgesundsheitsminister Jens Spahn hofft allerdings, dass in der zweiten Jahreshälfte 2021 Impfungen durch die Hausärzte möglich sein werden.

9. Freie Impfstoff-Wahl?

Nach dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer wurde Anfang Januar auch der Impfstoff des US-Herstellers Moderna in der EU zugelassen. Der dritte Impfstoff, vom Hersteller Astra Zeneca, steht vor der Zulassung. Auch um die Impfbereitschaft zu erhöhen, hat die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci den Vorstoß gemacht, den Impfberechtigten die Wahl zu lassen, mit welchem Vakzin sie geimpft werden wollen. Theoretisch ginge das wohl in Berlin: "Wir haben zur Zeit eine Sortierung der Impfzentren nach Impfstoff", so die Senatorin. Bei der Terminanmeldung könnten Berliner also bestimmen, in welches Zentrum sie gehen - und damit auch auswählen, welches der zugelassenen Mittel sie bekommen. Allerdings gab es auf das Ansinnen eine klare Absage vom Bundesgesundheitsministerium. Jede und jeder Berechtigte hat also die Wahl, Ja oder Nein zur Impfung zu sagen, aber keine Impfstoffwahl.