Ein kleiner Puppenkopf neben einer Menge Haare
Bild: Colourbox

Mo 18.03.2019 | Dossier - Oben ohne: das Geschäft mit der Glatze

Gegenmittel, Mythen und Mütze ab - das müssen Sie bei Haarausfall wissen

Haare dort, wo sie nicht hingehören: in der Bürste, auf den Anziehsachen, im Bett. Das sind oft die ersten Anzeichen von Haarausfall. Und dann kann man bald schon mit bloßem Auge erkennen, dass die Haare dort, wo sie eigentlich hingehören, weniger werden. Autsch!

Haarausfall kann allerdings sehr unterschiedliche Ursachen haben - mit unterschiedlichen Behandlungsmethoden. Wir erklären kurz, welche Arten Haarausfall sich wie zeigen, und was dagegen zu tun ist.

Anlagebedingter Haarausfall

Beim anlagebedingten Haarausfall, der androgenetischen Alopezie, reagieren die Haarwurzeln überempfindlich auf das Geschlechtshormon Dihydrotestosteron. Das Haar-Wachstum wird dadurch extrem verlangsamt - schließlich kommt es zum Erliegen. Die androgenetische Alopezie ist die häufigste Ursache für Haarausfall.

Es können sowohl Frauen als auch Männer betroffen sein. Bei Männern fängt der anlagebedingte Haarausfall bei den Geheimratsecken an, bei Frauen wird das Haar um den Scheitelansatz herum immer dünner.

Gegenmittel oder Vorbeugemaßnahmen gibt es im Grunde keine - beziehungsweise lediglich medizinisch umstrittene: Für Männer gibt es Medikamente mit dem Wirkstoff Finasterid, der in Verdacht steht, Potenzprobleme auszulösen. Für Frauen gibt es Östrogen- und Minoxidil-Präparate. Laut Experten sind Hormone wie Östrogene beim anlagebedingten Haarausfall nicht hilfreich. Und Minoxidil hat den Nachteil, dass man es eigentlich nicht absetzen kann - denn dann fallen die Haare wieder aus. Immer mehr Betroffene entscheiden sich daher für eine Haartransplantation - bei Männern liegt die OP schon auf Platz vier der am häufigsten durchgeführten Schönheits-Operationen (Stand 2017).

Diffuser Haarausfall

Diffuser Haarausfall trifft Frauen häufiger als Männer. Die Haare fallen hier nicht an einer Stelle aus, der Haarverlust verteilt sich stattdessen mehr oder weniger gleichmäßig über den gesamten Kopf. Das Haar wird also licht, es zeigen sich aber keine ganzen kahlen Stellen. Die Ursachen für diffusen Haarausfall können vielfältig sein, etwa Hormonumstellungen, Infektionen oder Hautkrankheiten.

Es wird allerdings zwischen zwei Arten des diffusen Haarausfalls unterschieden: In der ersten setzt der Haarausfall in der Ruhephase des Haares ein, in der zweiten in der Wachstumsphase. Zweitere Art kann etwa durch eine Chemotherapie ausgelöst werden. Der Haarausfall ist hier sehr viel schneller sichtbar.

Diffuser Haarausfall kann zumeist gestoppt werden, wenn die Ursache behoben werden kann. Das Haar wächst ohne Schädigung nach.

Kreisrunder Haarausfall

Alopecia areata, kreisrunder Haarausfall, kann jeden treffen: vom Siebenjährigen bis zur Seniorin. Zumeist tritt diese Art des Haarverlustes aber im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt auf. Er zeigt sich durch erst kleine, dann aber schnell größer werdende kahle runde Stellen auf dem Kopf. Manchmal sind auch Körperbehaarungen an anderen Stellen betroffen, etwa die Augenbrauen.

Die Ursachen der Erkrankung sind noch nicht geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt.

Der kreisrunde Haarausfall verschwindet in vielen Fällen von allein - allerdings erst nach Monaten. Zumeist wird den Betroffenen zur Einnahme Zink verschrieben. In manchen Fällen ist aber auch eine Behandlung mit Cortison notwendig. Wegene der starken Nebenwirkungen darf diese allerdings nur kurzzeitig erfolgen. Es gibt für schwere Fälle weitere Behandlungsmöglichkeiten, die aber medizinisch noch umstritten sind.

Narbiger Haarausfall

Narbiger Haarausfall, die narbige Alopezie, entsteht durch Erkrankungen der Kopfhaut, etwa Verbrühungen, Infektionen oder auch Autoimmunkrankheiten. Da die Haarfollikeln sich in diesen Fällen entzünden und dadurch zerstört werden, ist der narbige Haarausfall nicht rückgängig zu machen.

In manchen Fällen besteht allerdings die Möglichkeit, die Entzündung der Haarwurzeln durch Medikamente rechtzeitig zu stoppen. Der Gang zum Arzt sollte also unbedingt schnell erfolgen!

Haben sich erst Narben gebildet, lassen sich die kahlen Stellen nur durch eine Haartransplantation wieder "bepflanzen".

Der Mythen-Check

  • Haarausfall ist ein Männerproblem

  • Mützen tragen lässt das Haar ausfallen

  • Färben führt zum Haarverlust

  • Schneiden lässt die Haare besser wachsen

  • Koffein für die Haare

  • Haarausfall ist nicht aufhaltbar