EIn Mann trägt einen Mückenschutz als Kopfbedeckung (Quelle: imago images/All Canada Photos)
Bild: imago images/All Canada Photos

Mo 06.09.2021 | Dossier | Lesedauer etwa 6 Minuten - Mücken: fiese kleine Stecher

So wehren Sie sich!

In Deutschland gibt es 50 verschiedene Mückenarten – alle sind auch in Berlin und Brandenburg heimisch. Und aktuell stechen sie wieder besondern fleißig. Sie kennen das: Gerade will man einschlafen, schon macht es summmmm - und der erste Stich sitzt. Hier erfahren Sie, was am besten gegen das große Kratzen hilft.

Chemische oder natürliche Mittel?

Icaridin, Diethyltoluamid, Citriodora sowie Geraniol. Diese Wirkstoffe werden vornehmlich als Mückenschutz angeboten. Die ersten beiden sind chemische Wirkstoffe, letztere natürliche.

Produkte mit dem Wirkstoff Icaridin gibt es schon für wenig Geld in der Drogerie, aber zum Beispiel auch das Markenprodukt "Autan" enthält Icaridin. Diethyltoluamid, kurz DEET, ist ebenfalls ein chemischer Wirkstoff. Die DEET-Produkte sind um einiges teurer. Beide Wirkstoffe können bei falscher Anwendung Umweltorganismen schädigen. Wie giftig sie dabei für den Menschen sind, ist umstritten. Dennoch gilt: Halten Sie sich beim Gebrauch unbedingt an die Packungsanweisungen und übertreiben Sie es nicht.
 
Naturprodukte sind oft ebenfalls teurer, sie basieren häufig auf den Wirkstoffen Citriodora - gewonnen aus den Blättern des Eukalyptus - und Geraniol, ein natürlicher Duft- und Aromastoff, der in ätherischen Ölen verschiedener Pflanzen vorkommt. Zu ähnlichen Ergebnissen kam die Stiftung Warentest: Im Test von 2017 schnitten die Mittel mit den Wirkstoffen Icaridin und Diethyltoluamid (DEET) gut ab, Mittel mit Geraniol waren mangelhaft.

Der SUPER.MARKT-Test

SUPER.MARKT ließ fünf Probanden vier Mittel testen, die mit den oben genannten Wirkstoffen Mücken fernhalten wollen: Die Probanden saßen dafür zwei Stunden getrennt voneinander zur besten Mückenzeit von 19 bis 21 Uhr am Berliner Nikolassee.
 
Das Ergebnis: Vor allem die Produkte mit den chemischen Wirkstoffen wirkten, die Probanden fühlten sich gut geschützt. Wobei DEET die Mücken auf Entfernung hielt, Icaridin die Mücken zwar nicht fern-, aber vom Stechen abhielt.
 
Schlechter schnitten dagegen die Naturprodukte ab: Ein teures Anti-Stich-Armband mit Geraniol wirkte anscheinend überhaupt nicht, das Produkt mit Citriodora wirkte lediglich über einen kürzeren Zeitraum, und nur bei hohem Verbrauch.

Viele Mythen um die Mücken

Dr. Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung - kurz ZALF - erforscht seit 30 Jahren Mücken. Für sie sind die Testergebnisse nicht überraschend. Aber sie hat noch einen Tipp: "Anti-Mücken-Apps helfen gar nicht." Beim Einschalten einer solchen App ertönt ein hoher Ton. Dieser soll Insekten vertreiben, aber Werner warnt: "Theoretisch, aber leider nicht praktisch."
 
Außerdem räumt sie mit ein paar Mückenmythen auf: "Dass die regelmäßige Einnahme von B-Vitaminen gegen lästige Stiche hilft, ist leider wissenschaftlich nicht belegt", so die Expertin. Und auch Alkohol schütze nicht davor gestochen zu werden – im Gegenteil, erläutert Werner: "Der Alkohol bewirkt, dass unsere Durchblutung angeregt wird, was wiederum bedingt, dass unsere Schweißproduktion angekurbelt wird. Und das zieht wiederum die Mücke an."
 
Gar nicht angezogen werden Mücken von Licht - oder von süßem Blut: "Mit der Blutgruppe oder gar dem Zuckergehalt im Blut hat die Anfälligkeit für Mückenstiche nichts zu tun", so Werner.

Das rät die Expertin

Stattdessen empfiehlt Werner: Schweiß abduschen vor dem Zubettgehen und durchlüften - denn Mücken werden vor allem von unserer Atemluft und unserem Schweißgeruch angezogen. Was daher auch helfen kann: Bettwäsche häufiger wechseln. Denn darin halten sich Schweißgeruch und andere menschliche Gerüche besonders lange.