Ein Mann trägt in einem Bus der BVG eine BVG-Maske (Quelle: dpa)
Bild: dpa

Mo 16.11.2020 | Dossier | Lesedauer etwa 6 Minuten - Alltagsmaske: Welche, wo, wie und wann waschen?

Viele Unsicherheiten, viel mehr Antworten

Alltagsmasken - soviel steht mittlerweile fest - sind keine Übergangslösung. Die Mund-Nasen-Schutze werden uns auf unbestimmte Zeit begleiten. Egal, ob man sie nun als ganz normales Kleidungsstück, als schickes Accessoire oder als medizinische Notwendigkeit nimmt. Aber wie klappt es eigentlich wirklich mit Reinigung, Lagerung und Handhabung? Wir haben die drängendsten Fragen geklärt.

Eines bleibt trotz Maske wichtig: Abstand halten.
Das Material

Doktor Frank Drewnick vom Max-Planck-Institut für Chemie hat 52 Alltagsstoffe, vom Staubsaugerbeutel bis zum Taschentuch, für den Gebrauch als Alltagsmaske getestet. "Dabei hat sich gezeigt, dass insbesondere flauschige Stoffe, etwa Sweat, Fleece, Velours oder Nicki, im Verhältnis zur Durchatembarkeit besser filtern." Schlechter filternde Materialien waren laut Drewnick Seide, Naturseide, manche Polyesterstoffe, gewebte oder häufig auch lockerer gestrickte Baumwolle.
 
Die meisten Masken, die wir im Laden kaufen können, sind allerdings entweder aus Polyester oder aus Baumwolle. Veloursmasken sind selbst im Internet schwierig zu bekommen. Bleibt für den Verbraucher, sich eine Maske aus flauschigem Stoff selbst zu nähen oder nähen zu lassen. Am besten aus mehreren Lagen – die Weltgesundheitsorganisation rät zu drei. Zusätzlich kann ein Filtervlies eingenäht werden. Solche Masken gibt es mittlerweile auch im Handel, entweder mit eingearbeitetem Filter oder welchen zum Einlegen.
 
Frank Drewnick rät an dieser Stelle davon ab, das Filtervlies durch Taschentücher zu ersetzen: "Papiertaschentücher filtrieren nicht sonderlich gut, und gleichzeitig ist es relativ schwer, durchzuatmen. Insgesamt eignen sich all diese papierbasierten Materialien nicht als guter Filter."

Der Sitz

Der Sitz der Maske ist enorm wichtig. Dabei gibt es leider noch keine Masken, die auf das eigene Gesicht zugeschnitten sind. Eine begrüßenswerte Verbesserung, denn, so Frank Drewnick: "Selbst kleine Lecks von nur ein oder zwei Prozent der gesamten Maskenfläche können schon dazu führen, dass die gesamte Filterleistung um die Hälfte oder sogar zwei Drittel einbricht."
 
Achte Sie also darauf, dass der Nasenbügel so eng wie möglich an der Nase sitzt. Unten sollten Sie den Maskenstoff ein gutes Stück übers Kinn ziehen können.

Zusammengefasst

• Benutzen Sie eine Alltagsmaske aus einem möglichst flauschigen Stoff
 
• Am besten mit der Option, ein Filtervlies einzulegen. Filervlies können Sie in diversen Shops online bestellen, auch im stationären Textilhandel und in gut sortierten Baumärkten ist es erhältlich.
 
• Achten Sie darauf, dass die Maske gut sitzt, das ist das A und O: oben an der Nase
eng anliegend, unten bis unters Kinn.

Die Pflege

Die Frage aller Fragen: Wie oft gehört die Alltagsmaske nun wirklich gewaschen? Dr. Christian Brandt, Direktor des Vivantes Instituts für Hygiene und Umweltmedizin, rät gegenüber SUPER.MARKT, gesunden Menschenverstand walten zu lassen: "Wenn die Maske durchfeuchtet war, verdreckt ist oder wenn sie einfach einen unangenehmen Geruch hat, dann gehört sie natürlich gewaschen. Ansonsten halte ich es für nicht erforderlich, dass ich die Maske jeden Tag wasche."
 


Wenn das Teil in Ihre Waschmaschine wandert, sollte Sie darauf achten, dass die Waschtemperatur bei über 60 Grad liegt, ab dieser Temperatur werden Viren und vor allem Bakterien deutlich reduziert. Und waschen Sie die Maske am besten in Kombination mit einem klassischen Vollwaschmittel, das sauerstoffbasiertes Bleichmittel enthält. Der freigesetzte Sauerstoff wirkt desinfizierend.


Sonderfall Einwegmaske

Eine Frau setzt eine OP-Maske auf (Quelle: dpa)
dpa

Wer Einwegmasken, sogenannte OP-Masken, bevorzugt, kann diese auch länger tragen. Einweg bedeutet in diesem Fall nicht, dass man die Maske nach einem Mal tragen sofort entsorgen muss. Einweg bedeute, dass sie nicht waschbar sei, so Brandt.

 

"Wenn die Maske wirklich sichtbar verdreckt ist oder sie eben nach meinem eigenen Mundgeruch stinkt - dann kann ich sie nicht waschen. Darauf bezieht sich das Einweg." In dem Fall also: weg damit.

Der Transport

Damit die Maske lange hält, nicht so schnell kaputt geht oder verdreckt, sollte sie entsprechend behandelt werden. Das fängt schon beim Transport an: Ums Handgelenk geschlungen? Am Hals baumelnd? In der Hosentasche? Oder der Tüte?

Eine Frau setzt einen Mund-Nasen-Schutz auf (Quelle: dpa)

Brandt rät, die Maske so zu lagern oder zu transportieren, dass sie nichts anderes kontaminieren kann. "Das heißt, sie zum Beispiel in eine Plastiktüte zu stecken oder - wenn es eine kurze Zeit ist und ich jetzt nicht im Gedränge bin - sie ums Handgelenk zu machen. Das halte ich auch für vertretbar."
 
Dazu gehört auch, dass man die Maske so wenig wie möglich mit den Händen anfasst - die Außenseite der gebrauchten Maske ist potentiell erregerhaltig und die Innenseite mit der eigenen Rachenflora belegt. Ausnahme: Beim Aufsetzen muss die Maske justiert werden. Danach aber bitte: Hände weg.

Kurz gesagt

Aufsetzen

1. Hände desinfizieren oder ausgiebig waschen.
2. Maskenstoff bei Aufsetzen so wenig wie möglich anfassen.
3. Sitz kontrollieren und bestenfalls über die Bänder justieren.

 

Absetzen

1. Hände desinfizieren oder ausgiebig waschen.
2. Maske absetzen, in dem die Bänder abgemacht werden, nicht, indem der Stoff vom Gesicht genommen wird.
3. Maske für Transport in Plastiktüte stecken, zu Hause an einen luftigen Platz.
4. Hände nach dem Absetzen wieder waschen oder desinfizieren.

 

Verschiedene Masken hängen an einer Wäscheleine (Quelle: dpa)