Mehrere unterschiedlich gefüllte Vorratsgläser in einem Regal (Quelle: Colourbox)
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Do 07.05.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 6 Minuten - Vorräte: Lebensmittel richtig aufbewahren

So landet weniger Essen im Müll

Die Karotten sind schon wieder schrumpelig und der Joghurt seit drei Wochen abgelaufen. Ein Fall für die Tonne? Häufig leider ja: In Deutschland werden jährlich knapp zwölf Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. Und gerade während der Corona-Krise haben viele nochmal ihre Vorräte aufgestockt.

Mehr Ordnung im Vorratsschrank

Doch mit der richtigen Lagerung in der Vorratskammer, im Kühlschrank oder Gefrierfach können die meisten Lebensmittel länger aufbewahrt werden. Auch SUPER.MARKT-Zuschauerin Martina Grollmann aus Steglitz hat aufgrund der Corona-Krise jetzt mehr Lebensmittel zu Hause als sonst. Gemeinsam mit Ernährungsexpertin Britta Müller bringt sie wieder Ordnung in ihre Vorratshaltung - damit der Vorrat auch wirklich ein Vorrat bleibt und am Ende nicht die Hälfte im Müll landet.

Nudeln, Reis und Co.

Martina Grollmann holt eine Reihe Lebensmittel aus ihrer Vorratskammer und stellt sie auf den Küchentisch. Damit die Lebensmittel länger haltbar bleiben, sollten sie teilweise umgepackt und geordnet werden. Trockene Lebensmittel, deren Verpackungen schon geöffnet sind, lassen sich am besten in luftdichten Behältern aus Plastik oder Glas aufheben. Dazu müssen Sie nicht einmal neue Gläser kaufen - benutzen Sie einfach alte, gesäuberte Konservengläser mit Schraubverschluss.
 
Doch woher weiß Martina Grollmann, bis wann die Lebensmittel haltbar sind, so ganz ohne Original-Verpackung? Der Tipp von Ernährungsexpertin Britta Müller: Einfach den Stempel mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum ausschneiden und auf den Vorratsbehälter kleben. Und auch für Ziebeln hat Müller einen Tipp: Die lassen sich nämlich wunderbar in einer Nylonstrumpfhose aufbewahren. Dazu die Beine abschneiden und die Zwiebeln nacheinander darin einknoten. So halten sie bis zu sechs Monate.

Obst, Gemüse und Kräuter

In ihrer Küche hat Martina Grollmann natürlich auch frische und damit schnell verderbliche Lebensmittel. Auch hier hat Britta Müller einen Tipp, wie die Sachen länger haltbar bleiben: "Den Bananenstrunk mit Frischhaltefolie umwickeln, das verlangsamt den Reifungsprozess. So halten sie einige Tage länger.
 
Äpfel und Tomaten getrennt lagern. Sie verströmen das Reifegas Ethylen - und das lässt anderes Obst und Gemüse schneller verderben."
 
Frische Kräuter kann Martina Grollmann zusammenbinden und kopfüber an einer Schnur in der Küche oder Speisekammer zum Trocknen aufhängen. Für hartes Brot empfiehlt Britta Müller ein Wasserdampfbad - danach ist es wieder weich und genießbar.

Eine Reihe unterschiedlicher Kräuter hängen an einer Leine zum Trocknen (Quelle: Colourbox)
Den Kühlschrank richtig einräumen

Als nächstes ist der Kühlschrank dran. Auch hier ist Ordnung die beste Voraussetzung für eine optimale Haltbarkeit! Das oberste Fach ist mit rund acht Grad das Wärmste. Hier gehören Gemüsegläser, Saucen und zubereitete Speisen hin. Darunter lagern Milchprodukte bei rund vier Grad optimal. Im untersten Ablagefach halten sich Wurst und Fleischwaren bei drei Grad am längsten.
 
Käse- und Wurstaufschnitt lagern am besten separat in luftdichten Behältern. Gegen die Feuchtigkeit hilft ein Stück Küchenpapier, dass zwischen den Aufschnitt gelegt wird. So bleiben Käse und Wurst länger frisch.
 
Im Gemüsefach kann Martina Grollmann ebenfalls leicht für längere Haltbarkeit sorgen: Gurken lassen sich am besten vor dem Austrocknen schützen, in dem das aufgeschnittene Ende in Alufolie gewickelt wird. Und Avocadohälften leben länger, wenn die Schnittseite mit Zitrone eingerieben und in Frischhaltefolie verpackt werden. Die Zitrone selbst gehört übrigens nicht in den Kühlschrank - sie ist empfindlich gegen Kälte. Zwei Zitronenhälften können mit einem Zahnstocher wieder zusammengeschoben werden, so trocknet nichts aus.

Einfrieren und sparen

Wer seine Lebensmittel lieber einfriert, kann mit diesem Tipp auch Energie sparen: Noch nicht gefrorene Lebensmittel legt Martina Grollmann einfach zwischen die bereits gefrorenen Sachen im Gefrierfach oder nach ganz unten. Übrigens lassen sich laut Ernährungsexpertin Britta Müller sogar frische Milch, Butter und gekochter Reis gut einfrieren.

Mindesthaltbarkeitsdatum vs. Verbrauchsdatum

Doch nicht nur falsche Vorratshaltung trägt zur Lebensmittelvernichtung bei. Viele Verbraucher werfen Produkte nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) einfach weg. Dabei ist es kein "Verfallsdatum". Das MHD besagt lediglich, wie lange ein Produkt mindestens haltbar ist, um den Hersteller rechtlich abzusichern.
 
Wann ein Lebensmittel verdorben ist, kennzeichnet dagegen das Verbrauchsdatum. Es findet sich meist auf leicht verderblichen Produkten und sollte unbedingt ernst genommen werden.
 
Verschlossene Produkte sind bei ordnungsgemäßer Lagerung auch noch genießbar, wenn das MHD schon abgelaufen ist. Die Verpackungen sind sehr steril, sodass sich schädliche Keime kaum bilden können.

Lebensmittel: verdorben oder nicht?

  • Eier kann man nach Ablauf des MHD noch erhitzt verwenden, solange sie noch frisch sind. Ob das so ist, verrät der Wassertest: Frische Eier bleiben in einem Gefäß mit kaltem Wasser am Boden liegen, ältere richten sich auf oder schwimmen sogar an der Oberfläche. Allerdings kein sicheres Indiz, dass das Ei schlecht ist. Deshalb Geruch checken: Wenn es komisch riecht, kann es weg.  

  • Verschlossene Milch kann man bei korrekter Lagerung (im Kühlschrank bei bis zu sieben Grad) noch etwa 14 Tage über das Haltbarkeitsdatum hinaus noch trinken.

  • Ein gewölbter Joghurt-Deckel ist kein Grund zum Wegwerfen. Die Wölbung könnte zwar ein Hinweis auf Fäulnis sein. Es könnte aber auch beim Einschweißen Luft in die Verpackung gekommen sein. Oder die Milchsäurebakterien haben sich vermehrt und Gase gebildet. Auch dann kann man den Joghurt noch essen.

  • Zwiebeln sollte man nicht mehr verwenden, wenn die Knollen verschimmelt sind. Gekeimte Zwiebeln sind kein Problem.

  • Bei Hartkäse kann man Schimmel großzügig abschneiden und den Rest weiter genießen. Denn er enthält wenig Flüssigkeit, sodass sich Schimmelsporen nicht so einfach ausbreiten können. Andere Käsesorten dagegen sollte man bei Schimmel wegschmeißen, weil sie feuchter sind.

  • Frischkäse muss bei Schimmel komplett weggeschmissen werden, denn hier ist die Gefahr groß, dass sich ungesunde Schimmelpilzsporen schon ausgebreitet haben. Achtung: Frischkäse ist auch manchmal schlecht, wenn er nicht schimmelt.

  • Wurst und Schinken sollte man nach Ablauf des MHD grundsätzlich nicht mehr verwenden!