Bus der BVG (Quelle: imago / Emmanuelle Cotini)
Bild: imago / Emmanuelle Cotini

Do 30.07.2020 | Dossier | Lesedauer etwa 8 Minuten - Öffis in Coronazeiten: anders, aber möglich

So reisen Sie sicher und hygienisch mit Bus und Bahn

Für kurze Zeit lag der Bus- und Bahnverkehr nahezu still: Leere Bahnen, leere Busse, leere Züge waren das Resultat der steigenden Coronafallzahlen in Deutschland. Davon ist jetzt nicht mehr so viel übrig. Laut BVG sind die Berliner Öffis aktuell wieder zu 70 bis 75 Prozent mit Fahrgästen gefüllt. Die restlichen 25 bis 30 Prozent fehlen noch, weil Ferien sind, Touristen und Freizeitangebote ausbleiben und viele Menschen noch im Homeoffice arbeiten, vermutet BVG-Sprecher Jannes Schwentu.

Seit Anfang Mai fahren Bahnen, Busse und Fähren der BVG wieder (fast) im Regelbetrieb. Einzige Ausnahme ist die U55. Auch S-Bahnen und Regionalzüge fahren in der Region Berlin/Brandenburg laut Deutscher Bahn wieder nach Regelfahrplan. Beim schrittweisen Hochfahren des Fernverkehrs setzt die Deutsche Bahn auf Direktverbindungen zwischen Großstädten wie Berlin und München. Auch touristische Ziele werden im In- und Ausland wieder mit fast voller Kapazität angefahren.

Bus- und Bahnunternehmen brauchen mehr Fahrgäste

Obwohl sich die Züge wieder deutlich gefüllt haben, haben die Bus- und Bahnunternehmen durch die Coronapandemie hohe Verluste. Die Zahl der BVG-Abokunden fiel zwischen März und Juni von 870.300 auf 859.800 und der Verkauf von Tages- und Einzelfahrkarten ist zeitweise um 90 Prozent gesunken, berichtet die BVG. Die Deutsche Bahn verzeichnet in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 ein Minus von 3,7 Milliarden Euro, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Aufsichtsratskreisen erfuhr.

Für die BVG ist derzeit die wichtigste Maßnahme, zuverlässig zu fahren. So will der Betrieb sich Fahrgäste sichern. Außerdem ist geplant, die Mehrwertsteuersenkung auf die Ticketpreise umzulegen. Die Deutsche Bahn geht noch einen Schritt weiter: Neue attraktive Angebote sollen helfen, wieder mehr Kunden zu gewinnen. Die Deutsche Bahn investiert dafür in eine große Werbekampagne und hat neue Sparangebote.

  • Pendlerticket der Deutschen Bahn

  • Bahnverbindungen zu Urlaubszielen

  • Ostsee-Züge der VBB

  • Flexibles Reisen mit der Deutschen Bahn

Coronabedingte Hygienemaßnahmen in Nah- und Fernverkehr

Damit die Infektionszahlen nicht mit der Anzahl der Fahrgäste ansteigen, haben BVG und Deutsche Bahn einige Maßnahmen ergriffen: Mitarbeiter tragen Mund-Nasen-Bedeckungen, der vordere Busbereich ist zum Schutz des Busfahrers abgesperrt, Bahntüren öffnen automatisch, Fahrscheinkontrollen funktionieren per Scan und überall sind Hinweise, Durchsagen und Schilder zu Abstandsregeln, Maskenpflicht und Hygienemaßnahmen.

Außerdem wurden zusätzliche Reinigungsarbeiten eingeführt:

  • Busse und Bahnen der BVG werden an Knotenpunkten und Endhaltestellen zusätzlich geputzt: Mobile Reinigungsteams wischen Haltestangen, Griffe und Türtaster mit keimreduzierenden Reinigungsmitteln ab.
  • U-Bahnhöfe in Berlin werden regelmäßig gereinigt. "Grober Schmutz etwa wird je Bahnhof mehrfach täglich entfernt, eine Nassreinigung der Bodenflächen steht je nach Standort ein- bis dreimal pro Woche an", schreibt die BVG auf ihrer Webseite.
  • Regionalbahnen der Deutschen Bahn werden vor und nach der Fahrt gereinigt, im Schnitt dreimal pro Tag. Bei Linien mit vielen Reisenden auch häufiger. Sauber gemacht werden vor allem Griffe, Sitzplätze und Flächen an den Türen.
  • ICs und ICEs werden alle zwei Stunden bzw. mehrfach am Tag von mobilen Putzkräften an Bord sauber gemacht. Der Fokus liegt auf Kontaktflächen und Toiletten.

Seitdem Wissenschaftler festgestellt haben, dass sich das Coronavirus verstärkt über Aerosole in der Luft ausbreitet, haben Bus- und Bahnunternehmen die Belüftungssysteme ihrer Fahrzeuge kontrolliert. "Wir haben keine Klimaanlagen, die die Luft umwälzen", sagt BVG-Sprecher Jannes Schwentu. Die Belüftung der Bahnen funktioniere mit Außenluft. In den U-Bahnen durch Frischluft, die in die U-Bahn-Tunnel geleitet würde. Außerdem weist Schwentu darauf hin, dass Busse und Bahnen nun automatisch an jeder Haltestelle die Türen öffnen, was auch einen Lüftungseffekt hat.

Worauf achten, wenn ich mit Bus und Bahn unterwegs bin?

Die Hygienemaßnahmen der Bus- und Bahnunternehmen allein können nicht verhindern, dass Sie sich auf der Fahrt mit dem Coronavirus infizieren. Entscheidend für Ihren Schutz ist deshalb, dass Sie selbst vorsichtig sind.

  • Mund-Nasen-Schutz mitnehmen

  • Fahrkarten digital kaufen

  • Türöffner nicht drücken

  • Nach einem leeren Abteil suchen

  • Im ICE digitale Fahrkartenkontrolle nutzen

  • Auslastung der Züge prüfen

  • Stoßzeiten vermeiden

  • Weniger Umsteigen

Außerdem gelten natürlich auch in den Öffis die Basic-Regeln: Wenig anfassen, Abstand zu anderen halten, in die Armbeuge oder in ein Taschentuch niesen, nicht ins Gesicht fassen und regelmäßig und gründlich Händewaschen. Auf den Toiletten der Fernzüge befinden sich mittlerweile sogar vereinzelt Desinfektionsmittelspender.