Der Schatten eines Fahrrads auf der Straße (Quelle: dpa)
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Di 22.09.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Fahrräder und Autos: Wer darf was?

Faktencheck für die Fahrbahn

Streit, Frust und riskante Manöver zwischen Autofahrern und Radlern - auf deutschen Straßen herrscht oft das viel beschworene Hauen und Stechen. Dabei resultiert das zum großen Teil aus Unwissenheit. Wer darf denn überhaupt was? Und wieso dürfen die das, ich aber nicht?
 
Ein genauer Blick in die Straßenverkehrsordnung bringt Klarheit. Auch uns: Mit Hilfe eines Potsdamer Polizisten haben wir die gängigsten Frustpunkte einem Faktencheck unterzogen - und zitieren gleich noch aus Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht." Ach, wenn nur die anderen nicht solche Rowdys wären ... Oder wie sehen Sie das?

Der Potsdamer Revierpolizist Carsten Tetzlaff
Radfahrer müssen auf der Straße hintereinander fahren

"Das stimmt so nicht", sagt der Potsdamer Revierpolizist Carsten Tetzlaff gegenüber Brandenburg aktuell. Grundsätzlich müssen Radfahrer im Straßenverkehr nicht hintereinander fahren. "Allerdings gilt zu beachten, dass beim nebeneinander Fahren keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet werden dürfen", ergänzt er.
 
Wann eine Behinderung vorliegt, ist von der Situation abhängig. Autofahrer müssen aber die Chance haben, mit Mindestabstand von 1,50 Metern zu überholen.

Wege, die mit Straßenverkehrsschild als Radweg gekennzeichnet sind, sind benutzungspflichtig

Mit einem der drei unten abgebildeten Straßenverkehrsschilder ausgewiesene Radwege sind zu benutzen. "Man kann von dem Radweg abweichen und auf der Straße fahren, wenn eine Gefahr besteht", sagt Tetzlaff. Also etwa, wenn der Radweg im Winter sehr glatt ist. "Aber nur bei kleinen Unebenheiten, etwa Wurzeln - das würde nicht rechtfertigen, die Fahrbahn zu benutzen."

Drei Verkehrsschilder weisen Radwege aus (Quelle: rbb)
Sportliche Aktivitäten sind auf öffentlichen Straßen untersagt

Training mit dem Rad ist im öffentlichen Verkehrsraum erlaubt - solange sich die Radrennfahrer an die Straßenverkehrsordnung halten.

Radfahrer im Verband müssen keinen Radweg nutzen und auch nicht hintereinander fahren

Dazu müsste man erstmal wissen, was ein Verband ist! Der fängt nämlich erst ab einer Gruppengröße von 16 Radfahrern an.
 
Im Verband muss dann nicht der Radweg benutzt werden. "Ich darf dann auf der Straße fahren und ich darf auch nebeneinander fahren. Es muss nur für die übrigen Verkehrsteilnehmer zu sehen sein, dass diese Radfahrer zusammengehören", erläutert Tetzlaff. Das heißt, die Abstände zwischen den einzelnen Fahrern dürfen nicht zu groß sein.