Ein Kleinwagen fährt auf einer Küstenstraße entlang (Quelle: imago images/imagebroker)
Bild: imago images/imagebroker

Fr 22.04.2022 | Beitrag | Lesedauer etwa 6 Minuten - Mietwagen: knapp und teuer

Wie Sie jetzt noch clever buchen können

Die während der Corona-Pandemie aus dem Takt geratenen Lieferketten der Automobilindustrie haben nicht nur Auswirkungen für Käufer:innen von Neuwagen, die zurzeit lange auf ihr Auto warten müssen. Auch die Preise für Mietwagen schießen weltweit in die Höhe. Derzeit verlangen Autovermieter oft mehr als doppelt so viel, verglichen mit dem Zeitraum von vor zwei Jahren – also vor Ausbruch der Pandemie. Das hat eine Auswertung des Vergleichsportals billiger-mietwagen.de ergeben.
 
Bereits die Osterurlauber dürften gemerkt haben, dass man bei der Buchung eines Mietwagens ordentlich drauflegen muss. Dieser Trend wird sich auch über Pfingsten bis in die Sommerferien fortsetzen, prognostiziert ebenso eine Analyse von Check24 für die Deutsche Presse-Agentur. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede - es kommt darauf an, wo die Reise hingeht.

Hier wird es teuer

Ordentlich drauflegen müssen in diesem Sommer Spanien- und Portugalurlauber: Hier stiegen die Preise um 155, bzw. 158 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau. Am günstigsten fährt man noch in Island mit einem Mietwagen: Hier ist "nur" ein Anstieg von 35 Prozent zu verzeichnen. In Kroatien sind es einem Bericht des Magazins Spiegel zufolge sogar 180 Prozent mehr als im Krisenfrühjahr 2021, als der Tourismus wegen der Pandemie nahezu weltweit zum Erliegen kam.
 
Die Preise in Italien und Frankreich liegen für Pfingsten bei einem Plus von 60 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. In den Sommerferien aber könnte man dort - zumindest nach jetzigem Stand - noch billiger einen Mietwagen buchen als 2021.

Hohe Nachfrage - aber zu wenige Autos

In den vergangenen zwei Jahren mussten viele Autovermieter ihre Flotten verkleinern, um wirtschaftlich überleben zu können. Nun ist die Nachfrage - je nach Urlaubsregion - größer als das Angebot. “Die Situation wird durch den Chipmangel und die unterbrochenen Lieferketten zusätzlich verschärft. Das wirkt sich auf die Preise aus: Im Durchschnitt muss man 50 Prozent mehr bezahlen - in den USA sogar bis zu 70 Prozent", so Tobias Ruoff, Geschäftsführer der ADAC-Autovermietung.

Preise in Deutschland relativ stabil

In Deutschland halten sich die Preissteigerungen mit bis zu 10 Prozent Anstieg in Grenzen. In den Sommerferien sind die Mietwagen hierzulande sogar fast ein Viertel billiger als voriges Jahr. Dennoch geht man beim Autovermieter Sixt von weiteren Preissteigerungen auch hierzulande aus. Während Flug- und Hotelpreise in den vergangenen Jahren immer teurer geworden seien, habe die Mietwagenbranche erst jetzt nachgezogen.
 
Um trotzdem noch einen vergleichsweise günstigen Mietwagen zu bekommen, heißt es jetzt, gründlich Preise zu vergleichen. Am besten auch auf unterschiedlichen Plattformen und gleichzeitig beim Anbieter vor Ort. "Je früher man reserviert, desto günstiger ist in der Regel der Mietwagen", so Thomas Ruoff von der ADAC-Autovermietung.

Die Vorab-Checkliste

Auf der Suche nach einem Mietwagen, sind folgende Punkte wichtig:
 
- Tanken: Mit der verbraucherfreundlichen Tankregelung "voll-voll" zahlen Kunden nur für den Sprit, den sie auch tatsächlich verfahren und vermeiden so die meist teure Betankung durch den Vermieter. Besonders wichtig, bei den momentan extrem hohen Spritpreisen.
- Abholstation
: Befindet sich der Mietwagen nicht direkt am Flughafen, sollten Sie prüfen, ob es einen kostenlosen Shuttle zum Mietwagenverleih gibt.
- Zusatzkosten
: Für Extras wie Einwegfahrten, zusätzliche Fahrer oder Navis fallen je nach Anbieter unterschiedlich hohe Zusatzkosten an. Vergleichen Sie auch diese!

Und welche Versicherungen?

Für den Mietwagen sollten Sie eine Kfz-Haftpflichtversicherung abschließen, rät die Verbraucherzentrale. Hier ist es wichtig, auf die Deckungssumme zu achten. Oftmals ist diese viel zu niedrig angesetzt. Das Vergleichsportal Check24 rät zu einer Deckungssumme von mindestens einer Million Euro und einer Police ohne Selbstbeteiligung im Schadensfall.
 
Eine zusätzliche Kfz-Haftpflichtversicherung für das EU-Ausland kann außerdem Abhilfe schaffen. Diese gibt es in Form der "Mallorca Police". Außerhalb der EU gibt es eine sogenannte "Traveller-Police", die weltweit gilt.
 
Darüber hinaus deckt eine Vollkaskoversicherung Schäden am Mietwagen aufgrund eines selbst verschuldeten Unfalls ab. Diese sind nicht mit in der gesetzlichen Kfz-Haftpflichtversicherung inbegriffen. Die Police sollte am besten keine Selbstbeteiligung vorsehen und sowohl Diebstahl als auch Schäden an Reifen, Felgen, Unterboden und Dach mit einschließen.

Stornierungsbedingungen nicht vergessen

Zwei Jahre Pandemie haben uns gezeigt, wie dynamisch sich die Zahlen auch in kürzeren Zeiträumen entwickeln können. Reiseziele können etwa von neuen Corona-Infektionswellen erfasst werden, die eine Reise unmöglich machen. Dazu kommt jetzt noch der Krieg in der Ukraine. Darum gilt bei der Last-Minute-Planung: Checken Sie vor der Abreise noch mal die aktuell geltenden Reisebestimmungen. Und achten Sie bei der Buchung eines Mietwagens darauf, dass dieser möglichst bis zu 24 Stunden vor der Anmietung kostenlos storniert werden kann.

Gründlich sein - auch beim Säubern

Wenn Sie den Wagen vor Ort abholen, fragen Sie nach, ob das Fahrzeug auch von innen gründlich gereinigt und desinfiziert wurde. Säubern Sie selbst noch mal Lenkrad, Schaltung, Handbremse und Griffe. Schließen Sie keine Versicherungen ab, die Ihnen nicht vorher schon angeboten worden sind. Gerade alle Angebote, die irgendwie aus Ihrer Angst vor einer Corona-Infektion Kapital schlagen wollen, sollten sie strikt ablehnen.