Ein Smartphone, auf dem eine Carsharing-App geöffnet ist, wird von Männerhänden vor einem Carsharing-Auto festgehalten (Quelle: imago images/photothek)
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Mi 11.11.2020 | Dossier | Lesedauer etwa 7 Minuten - Carsharing: Durchblick im Anbieter-Dschungel

Unterschiede und Kosten

Während man auf dem Land meist auf ein eigenes Auto angewiesen ist, kann man in der Großtadt durchaus darauf verzichten. Mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln lassen sich gerade in Berlin viele Strecken gut bewältigen. Wenn es dann doch mal ein Auto sein soll, bieten viele verschiedene Carsharing-Anbieter ihre Flotten an.
 
Doch ist das Leihen von Autos wirklich so praktisch, günstig und umweltfreundlich wie sein Ruf? SUPER.MARKT erklärt, wo die Unterschiede sind und für wen sich Carsharing wirklich lohnt.

Stationsbasiertes oder Free-floating-Carsharing

In Berlin finden Sie sowohl stationsbasiertes als auch stationsloses, sogenanntens Free-floating-Charsharing. Bei der stationsbasierten Variante müssen die Autos - wie der Name schon erahnen lässt - an einer festen Station abgeholt werden. Nach der Fahrt muss das Auto an der gleichen Station wieder abgestellt werden. Einfach irgendwo im Stadtgebiet parken dürfen Sie mit solchen Carsharing-Autos nicht. Dafür lohnen sich die Preise vor allem für längere Fahrten.
 
Anders bei den Free-floating-Anbietern: Hier suchen, finden und mieten Sie Ihren Mietwagen per App. Die Wagen stehen frei im Geschäftsgebiet, das in größeren Städten vor allem den Innenstadtbereich, manchmal auch darüber hinaus, beinhaltet. Nach der Miete kann das Auto überall im Geschäftsgebiet wieder geparkt und die Miete beendet werden.
 
Für beide Varianten gilt: Schauen Sie genau in die Tarife und AGB. Fehlverhalten wie nicht Tanken oder besonderes Verschmutzen der Fahrzeuge kann sehr teuer werden.

Standortbasiertes Carsharing

  • Flinkster

  • Cambio Carsharing

  • Stadtmobil Berlin

  • Greenwheels

Free-floating-Carsharing

  • Sixt Share

  • ShareNow

  • WeShare

  • Miles

Private Autos ausleihen

Seit einiger Zeit kann man auch Autos von Privatbesitzern über die Portale Getaround (vormals Drivy) und Snappcar buchen. Die Fahrzeuge bucht man über das entsprechende Portal und holt es dann meist am Wohnort des Besitzers oder der Besitzerin ab.
 
Stiftung Warentest hat das Protal Snappcar jedoch im Frühjahr 2020 mit mangelhaft bewertet. Bei den meisten Anfragen der Tester wurden die Fahrten abgelehnt oder es wurde gar nicht erst auf die Anfrage reagiert. Mit Getaround ließen sich hingegen Schnäppchen vor allem für Wochenendausflüge machen.

Nur wenige Anbieter in Brandenburg

Während man sich in Berlin zwischen vielen Anbietern und Modellen entscheiden kann, sucht man in Brandenburg lange nach einem Carsharing-Angebot. In ländlicheren Gegenden scheint sich auch eine feste Station für die Anbieter nicht zu lohnen. Immerhin können Autofahrer in Potsdam auf das stationsbasierte Angebot von Greenwheels und Flinkster zugreifen. Auch in Cottbus ist Flinkster verfügbar. Über Getaround und Snappcar können an mehreren Orten in Brandenburg Privatautos gemietet werden.
 
Der Landkreis Barnim wurde gleich selbst aktiv: Seit 2019 gibt es dort das erste kommunale E-Carsharing-Angebot Barshare. Inzwischen können Kunden aus 45 Fahrzeugen im Landkreis auswählen. Die Hälfte der angebotenen Autos sind in den Kernzeiten jedoch für Verwaltungsmitarbeiter reserviert. Und wer noch umweltbewusster fahren möchte: Bei Barshare gibt es auch Lastenräder im Angebot.

Fazit

Carsharing lohnt sich laut Stiftung Warentest, wenn man nicht dauerhaft auf ein Auto angewiesen ist und weniger als 10.000 Kilometer im Jahr damit fährt. Wenn man die Auswahl hat, erledigt man spontane und kurze Fahrten besser mit einem Free-floating-Anbieter. Für längere Fahrten, die im Voraus geplant werden können, bietet sich stattdessen ein stationsbasierter Carsharing-Anbieter an - im Vergleich ist die Fahrt hier am günstigsten.
 
Carsharing hat einen umweltfreundlichen Ruf. Doch leider wird es diesem in der Praxis nicht ganz gerecht. So kommt eine gemeinsame Studie des Öko-Instituts e.V. und des Instituts für sozial-ökologische Forschung 2018 zu dem Ergebnis, dass die Nutzung von Free-floating-Angeboten keinen nennenswerten positiven Effekt auf den Ausstoß von Treibhausgasen hat - unter anderem auch, weil dieses Angebot nur in größeren Städten zur Verfügung steht. Nutzer und Nutzerinnen von solchen Free-floating-Angeboten verzichten außerdem seltener auf einen eigenen Pkw.
 
Etwas besser sieht es beim stationsbasierten Carsharing aus. Dieses kann in Verbindung mit einem guten ÖPNV und einer guten Radinfrastruktur dafür sorgen, dass sich der Verzicht auf einen eigenen Pkw lohnt, so der ADAC.