Screenshot einer Startpage-Suchanfrage mit einem Ergebnis zu einem Bild bei picclick.de
Bild: startpage

Mo 30.11.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 5 Minuten - Picclick: Ist das gut oder kann das weg?

Wie das Tool für Power-User von Ebay funktioniert

Ab und zu kommt es vor, dass man bei einer Suchanfrage im Internet auf Bilder einer seltsamen Domain namens Picclick.de verwiesen wird. Als vorsichtiger Internetnutzer macht man wahrscheinlich genau das nicht, wozu man durch den ziemlich profanen Namen aufgefordert wird: Man klickt nicht auf das Pic – denn die wollen einem doch bestimmt wieder nur etwas verkaufen. Wer es doch tut, der bekommt genau dafür die Bestätigung: Auf Picclick werden Produkte jeglicher Art angeboten, und es gibt große Buttons, die einen zu Ebay oder Amazon weiterleiten wollen.

Welches Konzept steckt dahinter?

Was steckt hinter diesem äußerlich ziemlich altmodisch wirkenden Angebot? Bei Picclick handelt es sich um ein Tool, das bereits im Jahr 2008 in Kalifornien entwickelt wurde und das sich als kommerzielle Meta-Suchmaschine für Ebay-Produkte versteht und vor allem Power-Usern den Einkauf erleichtern soll.
Alles, was man hier findet, steht auf Ebay zum Verkauf. Darüber hinaus gibt es Links zu vergleichbaren Produkten auf Amazon. Nutzen Sie dieses Tool und kaufen anschließend bei einem der großen Onlinehändler ein, so verdient auch Picclick damit Geld, denn das kleine Unternehmen wird von Ebay, bzw. Amazon dafür bezahlt, wenn es Sie erfolgreich auf deren Produkte verweist.

Ausschnitt eines Screenshots für eine Suche auf PicClick (Quelle: picclick.de)
Was soll das bringen?

Warum sollte man dann nicht gleich auf Ebay suchen, statt den Umweg über diese seltsame Suchmaschine zu nehmen? Picclick wirbt damit, dass es mehr aus Ebay herausholt. Hier werden für jede Suchanfrage Tausende Ergebnisse von weltweiten Anbietern gelistet. Die Darstellung bei Ebay erlaubt beispielsweise maximal vier kleine Thumbnail-Produktbilder in einer Reihe, bei Picclick sind es bis zu zehn - und diese werden mit allen anderen Suchergebnissen auf einer einzigen endlosen Seite präsentiert, während man bei Ebay viele kleine Seiten durchblättern muss.
 
Öffnet man dann ein solches Angebot auf Picclick, so werden sofort alle verfügbaren Informationen über das Produkt auf einer einzigen Seite dargestellt: sämtliche Bilder, der Preis, die vollständige Beschreibung, Preistendenzen vergleichbarer Produkte sowie Statistiken und Bewertungen zum jeweiligen Verkäufer. In der vergleichbaren Ansicht bei Ebay muss man für die meisten dieser Funktionen jeweils noch mindestens einmal klicken.

Kann man denen trauen?

Für Power-User, die sich über Picclick in ihrem Ebay-Account anmelden, steht eine komprimierte Ansicht aller Funktionen und Listen von Mein Ebay zur Verfügung. Ebenfalls im Stil der Ein-Seiten-Darstellung findet man seine persönliche Beobachtungsliste, letzte Suchanfragen, sowie gespeicherte Suchen und Verkäufer.
Dafür allerdings muss man zustimmen, sein Ebay-Konto mit Picclick zu verknüpfen, wovor wahrscheinlich viele Nutzer zurückschrecken werden. Schließlich sind im Ebay-Konto persönliche Daten hinterlegt und unter Umständen ist dort ein direktes Bezahlen über Paypal möglich.
Zwar ist das Tool nach Aussage von Picclick offiziell von Ebay lizensiert, auch werden letztendlich Interaktionen wie der abschließende Kauf oder die Kommunikation mit anderen Nutzern ausschließlich auf der Ebay-Seite vorgenommen - ob man jedoch einem externen Partner tatsächlich Zugriff auf sein Konto gestattet, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Dürfen die das?

Ebay-Nutzer, die selbstgemachte Fotos ihrer zum Verkauf angebotenen Produkte auf dieser externen Plattform finden, mögen sich fragen, ob es überhaupt rechtens ist, dass Picclick diese einfach von Ebay abgreift. Die Antwort darauf ist: Jein.
Hier besteht eine ähnliche Grauzone wie bei Suchmaschinen, die mithilfe von Crawlern Bilder im Netz sammeln und diese in ihren Suchergebnissen präsentieren.
Der Bundesgerichtshof entschied darüber folgendermaßen: Wer keine technischen Maßnahmen trifft, um seine Inhalte gegen einen solchen Zugriff zu schützen, der willigt stillschweigend ein, dass diese in externen Suchergebnissen gelistet werden.
Letztendlich dürfte es aber auch im Sinne des Verkäufers sein, dass sein Angebot auf möglichst vielen Wegen potenzielle Kunden erreicht.