Gärtner fällen einen Baum (Quelle: Colourbox)
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Mo 01.03.2021 | Dossier | Lesedauer etwa 4 Minuten - Baumschutz: Was ist wo erlaubt?

Fällen, nicht fällen oder wieder aufforsten - wir sagen Ihnen, was Sie dürfen

Obstbäume erlaubt! Kiefern - ja, nein, vielleicht. Und sowieso nur bis zu einem bestimmten Stammdurchmesser. Egal, wie schön die Motorsäge schon kreischt, die Antwort auf die Frage, ob Sie einen Baum wirklich fällen dürfen, ist kompliziert. Nicht zuletzt, weil die Regelungen dafür auf kommunaler Ebene erstellt werden.
 
Für Berliner kein großes Ding, für Brandenburger ein sehr großes. Denn hier heißt es: Am Seddiner See wird unter anderen Voraussetzungen gefällt als am Schwielowsee, in Herzberg unter anderen als in Falkenberg. Macht die Sache nicht einfacher, hat aber Sinn. Denn Gemeinden mit alten Baumbeständen können so mit der eigenen Baumschutzverordnung auf genau diesen Umstand eingehen. Junge Gemeinden hingegen - mit jungen Bäumen - haben die für sie passenden Regelungen.

Das ist in Berlin erlaubt

Die Berliner Baumschutzverordnung besagt, dass alle Laubbäume, die Waldkiefer sowie die Obstbaumarten Walnuss und Türkische Baumhasel schützenswert sind, soweit sie einen Stammumfang von mindestens 80 Zentimeter in 130 Zentimetern Höhe haben, bzw. 50 Zentimeter bei mehrstämmigen Bäumen. Hände weg also, wenn Sie so einen fällen wollen. Auch die Beschädigung eines solchen Baumes ist verboten.
 
Es gibt allerdings Ausnahmen, wie so oft. Ist der Baum krank oder umsturzgefährdet dürfen Sie fällen. Zusätzlich auch dann, wenn durch den Baum eine "sonst zulässige Nutzung des Grundstücks nicht oder nur unter wesentlichen Beschränkungen verwirklicht werden kann". Eine extreme Verschattung kann unter Umständen eine solche Einschränkung sein, aber auch Probleme bei der Realisierung eines Neubaus.
 
Antrag stellen leicht gemacht
 
Trifft einer der genannten Gründe bei Ihnen zu? Dann müssen Sie beim Umwelt- und Naturschutzamt Ihres zuständigen Bezirksamtes einen Antrag zur Fällung stellen. Das geht formlos und kann auch online erledigt werden. Machen Sie das nicht, kann es nachher teuer werden.
 
Außerdem gilt: War der Baum nicht krank, sondern wurde aus anderen Gründen mit Ausnahmegenehmigung gefällt, muss der Eigentümer eine Ausgleichsabgabe zahlen oder einen Ersatz pflanzen.
 
Übrigens: Alle anderen Obstbaumarten außer Walnuss und Türkische Baumhasel, andere Nadelbäume als die Waldkiefer sowie Bäume auf Dachgärten und in Pflanzkübeln sind von der Baumschutzverordnung ausgenommen, hier haben Sie - wenn Sie denn wollen - freie Hand.

Ein Schreiben zum Baumschutz (Quelle: rbb)
Und in Brandenburg?

Brandenburger wenden sich in jedem Fall erst mal an ihre Gemeinde. Denn hier verhält es sich tatsächlich so, dass es auf kommunaler Ebene zu großen Unterschieden in Sachen Baumschutz kommen kann. Seien es nun unterschiedliche Messverfahren, um den Schutzstatus eines Baumes zu ermitteln, oder unterschiedliche Vorgaben bei Ausgleichspflanzungen.

Wer hilft noch?

Im Zweifelsfall können Sie sich auch an die zuständige Untere Naturschutzbehörde wenden, von dort kann Ihre Anfrage weitervermittelt werden.
 
Einen umfangreichen Katalog zum Thema Baumschutz in Brandenburg hat der Brandenburger Landesverband des NABU erstellt.

Das gilt in Kleingärten

In Kleingärten gilt ebenfalls die Baumschutzverordnung der Kommune. Allerdings sind darin oft Kleingärten von bestimmten Schutzmaßnahmen ausgenommen. Auch hier gilt also: Besser einfach fragen, nicht einfach machen.

Typische Schadsymptome an Bäumen

Nicht jeder kranke oder abgestorbene Baum ist automatisch ein Sicherheitsrisiko und muss gefällt werden. Der Baumsachverständige Andreas Wüstenhagen empfiehlt gegenüber SUPER.MARKT aber, auf folgende Schadsymptome zu achten:

•  auf abgestorbene, an- oder abgebrochene Äste

•  großflächige Rindenschäden

•  Fäule

•  Risse im Boden und eine plötzliche Neigungszunahme des Baumes

 

Ob ein Baum abstirbt, kann man als Laie mit bloßem Auge erkennen: "Wenn der Baum nicht mehr in der Lage ist, in seinen Spitzen, in der Oberkrone jedes Jahr Neutriebe auszubilden, dann ist es ein Zeichen dafür, dass die Vitalität nachlässt", so erklärt Wüstenhagen.