Eine Ananas trägt Mundschutz und Sonnenbrille (Quelle: picture alliance / Zoonar | Ilja Enger-Tsizikov)
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Mo 29.03.2021 | Interview | Lesedauer etwa 4 Minuten - Reisen: ohne Risiko?

Warum Reiserücktrittsversicherungen nur unter Vorbehalt taugen

Fast die Hälfte der Deutschen plant trotz Pandemie auch in diesem Jahr mindestens eine Reise, so das Statistische Bundesamt. Doch zu Ostern wurde daraus für die meisten schon mal nichts. Große Enttäuschung bei vielen Reiselustigen. Und umso größer wird da also der Wunsch, jetzt wenigstens den Sommerurlaub zu planen. Das Problem: Niemand weiß, wie sich die Pandemie bis dahin entwickeln wird. Wie lassen sich Reisen jetzt absichern? Und was lohnt sich für wen?
 
Wir fragen nach bei Birgit Brümmel von Finanztest. Sie hat für die Stiftung Warentest die aktuelle Untersuchung zu Reiserücktrittsversicherungen geleitet

Worauf sollte man in diesen Zeiten achten? Welche Zusatzpolicen sind womöglich sinnvoll?

Birgit Brümmel: Zunächst mal sollte man schauen, ob der Pandemiefall eingeschlossen ist. Manche Versicherer haben das bereits in ihre Standardtarife aufgenommen. Andere bieten Zusatzpolicen an. Diese decken auch Quarantäne und dergleichen ab.

Viele Zusatzoptionen, die pandemiebedingte Eventualitäten einschließen, sind allerdings sehr teuer. Mit welchen Kosten muss man rechnen und für wen lohnt sich das trotzdem?

Für eine 3.000 Euro teure Reise würde eine Reiserücktritt- und Reiseabbruchversicherung zwischen rund 100 und 150 Euro kosten. Bei Senioren auch schon mal um die 200 Euro, das Alter spielt nämlich auch eine Rolle. Für die Corona-Zusatzpolice kommen dann noch 15 bis 50 Prozent des Versicherungspreises dazu. Es gibt aber auch einen Anbieter, der eine Standard-Versicherung mit Corona-Schutz unabhängig vom Reisepreis anbietet, da kostet das dann 13 bis 15 Euro pro Reise.

Zahlen alle Reiserücktrittsversicherung bei einem positiven Corona-Test?

Das kommt auf den Versicherer an. Der eine leistet schon bei einem positiven Test ohne Symptome. Der andere verlangt zusätzlich ein ärztliches Attest. Und wieder andere Versicherer zahlen lediglich bei einem schweren Verlauf. Man sollte sich deshalb genau informieren, wie der Versicherer damit umgeht, denn dieses Vorgehen ist häufig nicht in den Versicherungsbedingungen geregelt. Im Zweifelsfall also lieber nachfragen. Denn: Eine Reiserücktrittsversicherung macht in diesen Zeiten nur Sinn, wenn auch der positive Test abgedeckt ist. Reisen ist dann ja nicht möglich und ein kostenfreies Storno beim Reiseveranstalter auch nicht.

Und was ist, wenn ich die Reise bereits angetreten bin, aber dann im Reiseland an Corona erkranke oder in Quarantäne geschickt werde?

Dabei immer wichtig: Zusätzlich zur Reiserücktrittsversicherung auch immer eine Reiseabbruchversicherung buchen. Der Aufpreis ist meist minimal und dann sind auch alle Dinge mitversichert, die vor Ort passieren. Zum Beispiel, wenn ich im Reiseland krank werde und die Reise abbrechen muss. Oder wie es ja auch schon geschehen ist, wegen Krankheit oder verhängter Quarantäne die Reise verlängert werden muss. Den Quarantänefall decken allerdings nur zwei Versicherer im Standardtarif und die schon genannten Zusatzpolicen. Übrigens: Nicht zu verwechseln mit einer Auslandsreisekrankenversicherung. Die deckt die Behandlungskosten bei Krankheit oder Unfall. Braucht man also unbedingt.

Noch mal allgemein: Was raten Sie Verbrauchern, die jetzt ihren Sommerurlaub planen?

Wir empfehlen, eher kurzfristig zu buchen. Recht haben und Recht bekommen ist leider häufig zweierlei. Im vergangenen Jahr hatten viele damit zu kämpfen, ihr Geld erstattet zu kriegen, auch wenn sie im Recht waren. Deshalb eher flexible Tarife wählen oder Lastminute buchen, je nach dann aktueller Lage.