Passagiere stehen im Check-in Bereich eines Flughafens, doch es werden keine Check-ins durchgeführt (Quelle: imago images/Ritzau Scanpix)
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12.11.2019 | Dossier | Lesedauer etwa 5 Minuten - Thomas Cook: Was Reisende wissen müssen

Update: Auch Reisen ab Januar 2020 abgesagt

Der britische Reiseanbieter Thomas Cook - das älteste Reise-Unternehmen der Welt - ist pleite. Auch die deutschen Ableger haben Insolvenz beantragt: die Thomas Cook GmbH, die Thomas Cook Touristik GmbH sowie die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH. Wie das Unternehmen mitteilt, ist der "reguläre Geschäftsbetrieb eingestellt". Reisen der Veranstalter Thomas Cook Signature, Neckermann Reisen, Bucher Reisen, Öger Tours, Air Marin werden nicht mehr verkauft.
 
Bei Condor - auch eine Thomas-Cook-Tochter, allerdings eigenständig - ist die Lage anders: Hier läuft alles, denn dem Unternehmen wurde von der Bundesregierung ein Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro bewilligt. Mitte Oktober hat die EU-Kommission dem zugestimmt.
 
Aber Vorsicht: Auch wenn Condor-Flüge und -Reisen stattfinden, können Sie als Käufer einer Thomas-Cook-Pauschalreise nicht mehr mit dem Ferienflieger losfliegen, auch wenn es in Ihren Reiseunterlagen so steht. Das hat rechtliche Hintergründe.

 
Alle Reisen für 2019 und 2020 abgesagt

 
Thomas Cook Signature, Neckermann Reisen, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen führen keine Reisen mehr durch. Sowohl für 2019 als auch für 2020 sind alle Reisen abgesagt worden, auch wenn diese zum Teil oder vollständig bezahlt sind. Wie viele Kunden hier betroffen sind, teilte das Unternehmen nicht mit.

Pauschalurlaub oder Individualreise - die Unterschiede

Im Falle einer Insolvenz können Pauschalurlauber Haftungsansprüche stellen. Reisende, die sich Flug, Hotel, etc. selbst zusammengstellt haben, hingegen nicht.
 
Wenn Sie also als Pauschalurlauber mit Thomas Cook gebucht haben und Ihre Reise nun abgesagt wurde, suchen Sie den Sicherungsschein raus, der bei Ihren Reiseunterlagen liegen muss. In dem Schein finden Sie den Kontakt zum Absicherer der Reise, das ist die Zurich-Versicherung.
 
Auf der Website von Thomas Cook teilt das Unternehmen mit, dass Sie sich "für Informationen zum weiteren Vorgehen" an den Dienstleister Kaera AG, Telefon 06172/99761123, wenden sollen. Sie können auch Ihr Reisebüro bitten, Sie bei der Schadensmeldung zu unterstützen. Auf der Website der Kaera AG finden Sie ein ausführliches Frage-Antwort-Dossier. Empfohlen wird grundsätzlich, sich eng mit dem Versicherer über die jeweils nächsten Schritte zu verständigen.
 
Derzeit ist laut Verbraucherzentrale Bundesverband allerdings unklar, ob die Gesamtsumme für diese Absicherung für die vielen Fälle ausreicht, da ein Großteil des Geldes für das Zurückholen der vielen Touristen benötigt wurde.
 
Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Summe von 110 Millionen Euro pro Geschäftsjahr (1.11. bis 30.10.), wobei das Datum der Insolvenzanmeldung für alle etwaigen Entschädigungsansprüche zählt. Heißt: Auch wenn Ihre Reise erst im nächsten Geschäftsjahr stattfinden sollte, werden Sie - theoretisch - aus dem 110-Millionen-Topf für das Insolvenz-Jahr entschädigt. Reicht diese Summe nicht aus, wird Ihr Schaden nur anteilig ersetzt.  
 
Da für den Zeitraum bis September 2020 rund 660.000 Urlauber eine Reise gebucht haben sollen, sieht es schlecht aus. Branchenexperten rechnen damit, dass Cook-Kunden höchstens zehn Prozent ihres Geldes wiederbekommen.
 
Individualreisende, die nur einen Teil Ihrer Reise mit Thomas Cook gebucht haben, etwa das Hotel oder den Flug, sind leider nicht über den Sicherungsschein abgesichert. Sie müssen darauf hoffen, dass im Falle einer Insolvenz genügend Geld übrigbleibt, um alle geschädigten Individualbucher zu entschädigen.

EIn letzter Tipp für alle Fälle

Die Experten des Verbraucherportals Finanztip weisen daraufhin, dass es auch möglich ist, bereits geleistete Zahlungen in Eigeninitiative zurückzuholen. So könnten Sie Lastschriften zurückbuchen oder, wenn Sie mit Kreditkarte bezahlt haben, sich das Geld über das sogenannte Chargeback-Verfahren zurückholen. Auch der Käuferschutz von Paypal könnte greifen. Alle diese Möglichkeiten sollten vor allem auch Kunden nutzen, die ihre Reise(-komponenten) individuell gebucht haben, also zum Beispiel nur den Flug, und nun keinen Anspruch auf eine Entschädigung haben. Laut Finanztip hätten sich diese Varianten bei der Pleite der Fluglinien von Air Berlin und Germania bereits bewährt.