Geldscheine hinter einem Schukostecker und Steckdose (Quelle: imago images/Steinach)
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Do 10.12.2020 | Dossier| Lesedauer etwa 7 Minuten - Stromanbieter: Häufiger Wechsel spart Geld

Wie Sie Tarife vergleichen und wer Ihnen dabei hilft

Bei vielen Menschen in Berlin und Brandenburg kommt der Strom vom örtlichen Grundversorger. Weil das schon immer so war. Oder weil das sicher und bequem ist. Oder weil ein Wechsel super kompliziert erscheint. Aber ist es so kompliziert, den Stromanbieter zu wechseln? Und voller Tücken? Wir sagen Ihnen, wie Sie den besten Tarif für sich finden, was beim Wechsel zu beachten ist - und wie Sie Geld sparen können.

Tarif prüfen und sparen

Florian Munder, Energieberater bei der Verbraucherzentrale Berlin, empfiehlt, den eigenen Stromtarif regelmäßig mit denen anderer Versorger zu vergleichen. So lasse sich eine ganze Menge Geld sparen. Aber was, wenn der neue Anbieter pleite geht? Bleibt es dann dunkel zu Hause? Diese Angst sei unbegründet, erklärt Munder: "Wenn das passieren sollte, rutscht man wieder in die Grundversorgung und der Strom fließt auf jeden Fall."

Tarife mit Bonus sind teurer

Am besten eignen sich Vergleichsportale für den Tarifvergleich, wie beispielsweise Check 24 oder Verivox. Dort können Sie Ihren aktuellen Tarif eingeben und erhalten dann die Tarife anderer Anbieter in einer Übersicht. Experten empfehlen, die Bonuszahlungen nicht mit in den Vergleich einzubeziehen. Denn dadurch erscheinen viele Tarife sehr günstig, aber im zweiten Jahr werden sie umso teurer.
 
Das Modell dahinter: Viele Tarife sind durch die hohen Boni im ersten Jahr nicht kostendeckend für den Anbieter. Das Unternehmen will daher im Folgejahr Geld verdienen, indem es den Kunden mindestens weitere zwölf Monate in einem verhältnismäßig teuren Tarif bindet. Deswegen sollte die Vertragslaufzeit möglichst nur ein Jahr betragen, die Kündigungsfrist maximal sechs Wochen und die automatische Verlängerung maximal einen Monat dauern. So binden Sie sich nicht unnötig lange an einen Anbieter und bleiben flexibel - auch, wenn Sie die Kündigungsfrist nach den ersten zwölf Monaten verpasst haben sollten.

 
Und noch ein Tipp: Bei den Vergleichsportalen sind, ähnlich wie bei Suchmaschinen, öfter mal Anzeigen zwischen den Suchergebnissen geschaltet. Diese sind meist aber nicht die günstigsten Angebote.

Energieberatung der Verbraucherzentralen

Wenn Sie sich Unterstützung beim Tarifwechsel wünschen, können Sie sich an die Energieberatung der Verbraucherzentralen wenden. Dort besprechen sie die Angebote mit den Experten und umgehen so Online-Fallstricke. Die persönlichen Beratungen sind kostenlos.

Wechseldienste statt selber vergleichen

Wem der Weg durch den Tarifdschungel trotzdem zu anstrengend oder zeitintensiv ist, der kann auf sogenannte Wechseldienste zurückgreifen. Diese wechseln regelmäßig und automatisch in den für Sie günstigsten Tarif.
 
Stiftung Warentest hat 2019 neun Anbieter (u.a. Esave, Switchup, Wechselpilot und Wechselstrom) getestet. Sieben werden von den Testern empfohlen, denn sie optimieren Ihre Tarife und übernehmen die komplette Kommunikation mit den Versorgern. Bequemer geht der Wechsel nicht. Allerdings ist der Dienst nicht bei allen Wechseldiensten kostenlos. Im Schnitt verlangen die Anbieter 20 bis 30 Prozent der tatsächlichen Ersparnis als Provision. Es gibt aber auch Wechselservices, die sich über eine Provision der Energieversorger finanzieren. Laut der Einschätzung von Stiftung Warentest lohnt sich der Service aber auch mit Provision, da trotzdem genug Geld eingespart werden kann.