Durch Unwetter zerstörter Schuppen (Quelle: IMAGO / Gottfried Czepluch)
Bild: IMAGO / Gottfried Czepluch

Fr 23.09.2022 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Unwetter: Sind Garten und Balkon mitversichert?

Stürme, Starkregen, Hagel - noch zeigt sich der Herbst mild, aber Unwetter kommen auch in Berlin und Brandenburg immer öfter vor. Doch sind Terrassen, Balkone und Gärten mitversichert?

Egal ob eigener Garten, Kleingarten oder ein Balkon - ein kleines Stück Draußen genießen wohl die meisten von uns. Nicht selten wird viel Geld ausgegeben, um diese Orte in kleine, grüne Oasen zu verwandeln, von gemütlichen Möbeln bishin zu teuren Geräten. In Schuppen und Schränken sind diese in der Regel gut geschützt, aber was, wenn heftiges Wetter ebenso heftige Schäden anrichten?

Elementarschäden werden häufiger

Rund 12,7 Milliarden Euro an Schäden verursachten Naturgefahren wie Sturm, Hagel, Überschwemmung und Starkregen laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Jahr 2021. Diese warnt gleichzeitig, dass die Absicherung gegen Elementarschäden zwar immer wichtiger wird, aber trotzdem bundesweit nur rund die Hälfte aller Hausbesitzer:innen eine Elementarversicherung abgeschlossen hat. In Berlin sind es rund 46 Prozent, in Brandenburg sogar nur rund 39 Prozent.
 
"Viele sind sich ihrer individuellen Bedrohung durch Naturgefahren nicht bewusst." erklärt die GDV. Diese bietet auch einen "Naturgefahren-Check", mit dem sich überprüfen lässt, was es beispielsweise bisher für Schäden im Gebiet der eigenen Postleitzahl gab. Hat man sich zu einer Elementarversicherung entschlossen, bleibt aber die nächste Frage: Wo ist wie was und wann überhaupt versichert?

Genau prüfen, was wie versichert ist

Gesamtzahlen zu Schäden gibt es viele, aber auch auf Anfrage von SUPER.MARKT konnten verschiedene befragte Versicherungen keine genauen Zahlen zu Schäden an Balkonen und Gärten liefern. Diese werden nicht separat erfasst, aber alle beobachten, dass die Schäden nicht nur gefühlt zunehmen. Und: "Viele Schäden sind nicht über die Wohngebäude- oder die Hausratversicherung abgedeckt", warnt beispielsweise die R+V Versicherung und rät zu separaten Policen.
 
"Bei Schrebergärten greifen die Hausrat- und die Wohngebäudeversicherung normalerweise nicht", erklärt R+V-Expertin Christine Gilles. Diese trete nur ein, wenn sich das Nebengebäude direkt auf dem Grundstück des Wohnhauses befindet. "Einige Kleingartenvereine bieten ihren Mitgliedern eine Gruppenversicherung an. Wer sich dieser anschließen möchte, sollte vorher genau prüfen, welche Schäden sie abdeckt." erklärt Gilles weiter.
 
Auch bei der Ergo haben wir nachgefragt. "Um sich gegen Starkregen und die Folgen zu versichern, ist der Einschluss Weitere Naturgefahren (Elementarschadenversicherung) in die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung notwendig", heißt es hier auf unsere Anfrage. "Der Garten ist Bestandteil des Grundstücks und alle mit dem Boden fest verbundenen Sachen sind über die Wohngebäudeversicherung abgesichert. So sind Schäden etwa an Terrassen, verankerten Schaukeln und fest installierten Leuchten abgedeckt. Auch Aufräumungskosten (z.B. für Bäume, die weggeräumt werden müssen) und die Kosten für Neuanpflanzungen (Jungpflanzen) sind mitversichert." Auch ein Carport, Garten-, Gewächshäuser und fest verbaute Pools seien über die Wohngebäudeversicherung geschützt.

Durchblick im Tarifdschungel

Falls Sie nun denken, das sei schon verwirrend, überspringen Sie vielleicht den nächsten Absatz, denn wir haben bei weiteren Versicherern angefragt - und zu den verschiedenen versicherten Gegenständen kommen nun auch noch verschiedene Tarife.
 
Die Huk Coburg teilt uns mit, dass hier standardmäßig etwa sogar Schäden an Ladestationen für E-Fahrzeuge, "Garagen und Carports auch außerhalb des versicherten Grundstücks, wenn sie max. 3 Kilometer Luftlinie vom versicherten Gebäude entfernt sind" und "Einfriedungen und fest verankerte Sichtschutzelemente wie bspw. Zäune oder Hecken" in der Wohngebäudeversicherung mitversichert sind. Bei Pflanzen wird es dann schon konfus und auch, wenn das Gartenhäuschen über 20 Quadratmeter hat, muss eine Zusatzversicherung her.

Gut versichertes Haus hat Vorrang

Wenn Sie jetzt maximal verwirrt sind, haben wir noch eine gute Nachricht. Solange Sie kein Tausende Euro teures Mobiliar oder den Luxus-Rasenmäher in ihrem Blechschuppen stehen haben, können Sie sich in aller Ruhe nach dem passenden Versicherungsschutz umsehen.
 
Denn die Signal Iduna, welche wir auch noch angefragt haben, teilt uns mit: "Schäden in Gärten und Balkonen bewegen sich anteilig auf eher geringerem Niveau. Ganz klar dominieren hier die Gebäudeschäden an Dächern, Zäunen oder auch die Schäden im Zusammenhang mit Bäumen." Der Fokus sollte also ganz klar auf guter Absicherung des Hauses liegen.
 
Die Versicherung ergänzt auf Anfrage aber auch: "In Sachen Versicherungsschutz ist auch abseits der "klassischen" Gefährdungsregionen eine Elementar-Versicherung anzuraten." Und alle raten uns: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Auch wenn es nervig sein kann, sollten große Blumentöpfe, Wäschespinnen, Bäume, Schuppen und Möbel vor Unwettern gut geschutzt sein - etwa mit Seilen oder gut gesicherten Abdeckplanen.
 
Wer regelmäßig mit wachsamen Augen über Balkon oder durch den Garten geht, und sich um etwaige Gefahren oder Schäden frühzeitig kümmert, hat am Ende weniger Ärger. Sonst enden Sie und ihr davonfliegender Schirm vielleicht auch bald in einem der viralen Internetvideos.

Ein Beitrag von Dani Beck