Eine Frau schreit einen Laptop an (Quelle: Colourbox)
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Mi 14.08.2019 | Beitrag | Lesedauer etwa 5 Minuten - Wish: auf Schnäppchenjagd in die Kostenfalle

Verbraucherzentrale warnt vor der Onlineshopping-Plattform

Bluetooth-Earphone für einen Euro, Bikini für fünf Euro, Tablet für 28 Euro: Die Angebote der Shopping-Plattform "Wish" sind wirklich verlockend. Leider auch zu schön, um wahr zu sein. Verbraucherschützer warnen ausdrücklich davor, hier einzukaufen. Sie berichten über schlechte Qualität, versteckte Kosten und ungeahnte Sperr- und Mahnverfahren.
 
Im App-Store sieht "Wish" harmlos aus: weltweit mehr als 300 Millionen Nutzer, 4,5 von 5 möglichen Sternen und Angebote mit bis zu 90 Prozent Rabatt für Mode, Schuhe, Geräte, Haushaltswaren, Kinderartikel, Kosmetik, Schmuck, Uhren und Accessoires. Die günstigen Preise seien laut Wish möglich, weil der Kunde direkt beim Hersteller kauft. Und genau hier liegt das Problem.
 
Versteckte Kosten, schlechte Qualität, komplizierte Retoure
 
Was bei "Wish" günstig aussieht, kann schnell teuer werden. Zum beworbenen Schnäppchenpreis muss der Kunde zusätzliche Gebühren für Versand, oft auch für Zoll und die Rücksendung zahlen - Kosten, die den Gesamtpreis der Produkte extrem in die Höhe treiben können. Auch keine Seltenheit: Verkäufer berechnen beim Kauf von mehreren Gütern auch mehrmals die Versandkosten. Bei Lieferungen außerhalb der EU können außerdem Zollkosten anfallen.
 
Die bestellte Ware, die oft erst nach Wochen ankommt, sieht meist nicht so aus, wie erwartet: Transportschäden, schlechte Verarbeitung und billige Qualität sind keine Seltenheit. Wer das Produkt jetzt zurückschicken möchte, kann sich auf ein kompliziertes, mit Kosten verbundenes Verfahren einstellen. Denn: "Wish" ist nicht der Partner im Kaufvertrag, und der Kontakt zum eigentlichen Verkäufer, der im Ausland sitzt, ist nur schwer herzustellen.
 
Kontosperrung durch Rücksendung
 
Besonders dreist ist aber diese Masche: Immer mehr Wish-Kunden erhalten ohne Vorwarnung folgende Meldung: "Dein Konto wurde wegen übermäßig vieler Rückerstattungen markiert." Wie übermäßige Rücksendungen definiert sind, verraten die App-Betreiber nicht. Laut Verbraucherzentrale berichten einige Kunden, dass sie nach bereits einem Kauf gesperrt wurden.
 
Ist ein "Wish"-Konto markiert, hat der Kunde keinen Zugang mehr zum Kundenservice. Das heißt: Er kann weder Mängel reklamieren, noch offene Bestellungen stornieren oder verloren gegangene Lieferungen melden.
 
Es gibt offenbar nur eine Möglichkeit, das Konto wieder herzustellen: Indem man weiter über die App einkauft und damit seinen Kundenstatus "verbessert". Wie viele Käufe das sein müssen, ist ebenfalls ein Geheimnis.
 
Kauf bei der Wish-App: Darauf sollten Sie achten
 
Die Verbraucherzentrale Brandenburg warnt grundsätzlich vor Online-Shopping mit Waren aus dem Ausland. Als Nutzer sollten Sie die Plattformen kritisch überprüfen und vorsichtig sein. Für "Wish"-Nutzer hat die Verbraucherzentrale konkrete Nutzungshinweise ausgearbeitet.
 

  1. Prüfen, woher das Produkt kommt. Bei Waren aus dem fernen Osten ist Vorsicht geboten.
  2. Rechnen Sie mit ein, dass zum Kaufpreis hohe Versandkosten entstehen können.
  3. Bei Händlern außerhalb der EU sollen Sie sich über die Zollbestimmungen informieren. Denn: Es könnten zusätzliche Zollkosten oder Steuern anfallen.
  4. Zahlen Sie nach Möglichkeit erst, wenn das Produkt unversehrt bei Ihnen angekommen ist und Sie zufrieden sind. Bekommen Sie Zahlungsaufforderungen, bevor Sie Ware erhalten haben, ignorieren Sie sie nicht, sondern melden Sie sich beim Online-Kundenservice von Wish bzw. Klarna und erklären dort, dass Sie noch nichts erhalten haben.
  5. Bei Bestellungen aus Fernost sollten Sie lange Lieferzeiten einkalkulieren.