Eine scheinbar endlose Kette von Strommasten auf dem Land bei Abenddämmerung (Quelle: imago images/imagebroker/Kröger)
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Mi 25.03.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 6 Minuten - Energie: teure Tarife trotz sinkender Strompreise

Wie Sie jetzt beim Strom trotzdem sparen können

Auch wenn viele Menschen durch die Corona-Krise gerade wesentlich mehr Zeit zu Hause verbringen und die Stromzähler dadurch täglich ein paar mehr Umdrehungen machen, ist der Energieverbrauch in den letzten Tagen in Deutschland stark gesunken. Grund ist die Industrie, die inzwischen ihre Produktion zum Teil heruntergefahren oder ganze Werke geschlossen hat.
 
Der sinkende Energieverbrauch hat zu deutlich gesunkenen Preisen an der Strombörse geführt. Der Großhandelspreis für Strom hat sich laut der Verbraucherzentrale im Vergleich zu den Jahren 2018 und 2019 im Mittelwert nahezu halbiert. Dürfen sich jetzt also alle Verbraucher über sinkende Strompreise freuen?

Keine sinkenden Strompreise für Verbraucher

Nein, wir Verbraucher werden von den aktuell günstigen Großhandelspreisen nicht viel zu spüren bekommen. "Energieversorger beziehen den größten Teil ihres Stroms über langfristige Verträge - mit im Voraus festgelegten Preisen", erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V..
Dadurch wollen die Versorger das Risiko stark schwankender Beschaffungskosten minimieren.
 
Ohnehin würden die Beschaffungskosten für Strom nur gut ein Viertel des Strompreises ausmachen, so Kerstin Andrea. "52 Prozent des Strompreises hingegen ist staatlich verursacht. Seit 2010 ist die Belastung für Stromkunden durch Steuern, Abgaben und Umlagen um rund 70 Prozent gestiegen." Daher fordere der BDEW seit langem, den staatlichen Anteil am Strompreis zu senken, denn so könnten Unternehmen und Verbraucher gerade angesichts der Corona-Krise entlastet werden.

Kritik von der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale kritisiert die Argumentation der Energieversorger. "Wenn die Energiepreise steigen, wird dies oft mit steigenden Beschaffungskosten begründet. In diesem Fall wird nicht mit den langfristigen Verträgen argumentiert. Wir fordern die Energieversorger daher auf, auch die sinkenden Großhandelspreise an die Verbraucher weiterzugeben", sagt Dr. Thomas Engelke, Leiter Team Energie und Bauen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Allerdings sieht der VZBV ebenso die Bundesregierung in der Handlungspflicht, was die Senkung von Umlagen, Steuern und Abgaben auf Strom betrifft.

 
Auch Arik Meyer, Geschäftsführer des Tarifwechsel-Dienstleisters SwitchUp, sieht das Handeln der Energieversorger kritisch. "Vor dem Hintergrund der jüngst dramatisch gesunkenen Strom- und Gaseinkaufspreise, ist in der Tat die Frage, warum Anbieter dies nicht weitergeben - insbesondere für die Haushalte in den Grundversorgertarifen. Denn diese sind ohnehin meist deutlich teurer als andere Tarife und es sind genau diese Grundversorgertarife, die jüngst - in der Annahme steigender Einkaufspreise - durch die Erhöhungen noch teurer geworden sind."

So können Sie trotzdem sparen

Gerade Verbraucher, die ihren Strom noch über den Grundversorger, wie in Berlin beispielsweise Vattenfall, beziehen, können angesichts der aktuellen Lage also erst Recht über einen Anbieterwechsel nachdenken. Immerhin beziehen noch 27 Prozent der deutschen Haushalte ihren Strom über Grundversorgertarife.
 
Wenn Sie wechseln möchten, können Sie entweder die Tarife auf einem Vergleichsportal prüfen oder sie überlassen diese Arbeit einem der sogenannten Tarifaufwechsel-Dienstleister. Diese behalten für Sie die Tarife im Blick und wechseln gegebenenfalls den Versorger für Sie. Haben Sie selbst einen günstigen, für Sie passenden Tarif gefunden, sollten Sie sich genau ansehen, wer der Anbieter ist und ob nur der Erstjahrespreis besonders preiswert ist. Außerdem lohnt es sich, jedes Jahr vor Ablauf der Kündigungsfrist erneut die Tarife zu vergleichen.

 
Und ein Wechsel kann sich richtig lohnen: Laut dem Vergleichsportal Verivox liegen die durchschnittlichen Kosten der Grundversorgung für einen Verbrauch von 4.000 kWh momentan bei 1.329 Euro. Das günstigste verfügbare Angebot mit empfehlenswerten Bedingungen liegt aktuell bei 1.033 Euro. Verbraucher können mit einem Tarifwechsel also rund 300 Euro sparen.