Ein "Geldsorgen"-Stempel auf Geldscheinen (Quelle: imago images/Steinach)
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Mo 23.03.2020 | Beitrag | Lesedauer etwa 4 Minuten - Coronakrise: erst Verdienstausfall, dann Totalausfall

Was tun, wenn Sie Miete und Kredite nicht mehr zahlen können?

Die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus legen weite Teile des wirtschaftlichen Lebens in Deutschland lahm – und lösen bei vielen Menschen existentielle Sorgen aus, vor allem bei Selbständigen. Was ist, wenn von heute auf morgen kein Geld mehr verdient wird? Und was tun, wenn es finanziell wirklich so knapp wird, dass es nicht mehr für die Miete oder Kredite reicht?

Miete: Jetzt aktiv werden

Sehen Sie für die kommenden Wochen und Monate massive Verdienstausfälle auf sich zukommen, die Sie nicht durch ein finanzielles Polster auffangen können, müssen Sie wohl wenigstens keine Angst vor einer Kündigung Ihrer Wohnung haben. Denn die Bundesregierung will Mieter während der Corona-Krise schützen. Wer zwischen dem 1. April und 30. September 2020 seine Miete aufgrund von Einkommensausfällen nicht zahlen kann, dem soll nicht gekündigt werden dürfen. Allerdings müssen die Verdienstausfälle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen. Die Mietschulden müssen bis Ende September 2022 beglichen werden. Die Verpflichtung der Mieter zur Zahlung der Miete soll allerdings bestehen bleiben. Dies geht aus einem Gesetzesentwurf des Bundesjustizministeriums hervor. Der Entwurf wurde am Montag vom Bundeskabinett gebilligt. Nun müssen diese Woche noch der Bundestag und der Bundesrat den Beschlüssen zustimmen.

Sollte das bei Ihnen der Fall sein, sprechen Sie trotzdem so schnell wie möglich mit Ihrem Vermieter. Die großen deutschen Wohnungsbaugesellschaften sowie der Vermieterverband Haus & Grund haben alle Gesprächsbereitschaft signalisiert. "Vermieter und Mieter müssten in diesen Zeiten zusammenstehen und kooperieren", heißt es etwa bei Haus & Grund.

Zwangsmaßnahmen aussetzen

Auch Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, rät Mietern, direkt auf die Vermieter zuzugehen. Denn eine Krise wie diese ist im Mietrecht nicht geregelt, es gibt kein klares richtig oder falsch. Sein Appell an die Vermieter ähnelt dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung vom Wochenende: Die Vermieter sollten in der gegenwärtigen Krise auf Zwangsmaßnahmen wie Vollstreckungsbescheide und Wohnungskündigungen verzichten und ihre Bereitschaft dazu auch öffentlich verkünden.

Schon vergangene Woche zeigten sich die Berliner Justizbehörden sich bereit, Zwangsräumungen für die Dauer der Coronavirus-Krise zu unterbinden und Zwangsvollstreckungen auf das absolut notwendige Mindestmaß zu reduzieren.

Kreditwirtschaft im Wartemodus

Haben Sie laufende Kredite, die Ihnen derzeit Bauchschmerzen bereiten, sollten Sie ebenfalls schnellstmöglich auf die zuständige Bank zugehen. Cosima Ningelgen, Sprecherin des Ostdeutschen Sparkassenverbands, erklärt SUPER.MARKT, dass jede Sparkasse selbst dafür zuständig ist, den Kunden mögliche Aufschübe zu gewähren, etwa indem Überziehungsrahmen gestreckt würden.

Doch insgesamt warten die Sparkassen auf Ansagen des Bundes, denn nur dort können Lockerungen des Kreditrechts veranlasst werden. Bis dieses kommt, sind die Sparkassen "da flexibel, wo sie es gerade sein können" und ansonsten im Wartemodus. Die Bundesregierung hat  am Montag im Bundeskabinett neuen Schutzmaßnahmen für Kreditnehmer zugestimmt. Bei Darlehen soll es beispielsweise eine gesetzliche Stundungsregelung geben. Auch dieses Beschluss muss noch diese Woche vom Bundestag und Bundesrat durchgewunken werden.

Ein milliardenschweres Kreditprogramm für Unternehmen hat die Bundesregierung schon verabschiedet. Ab Montag, 23. März, können Firmen, die durch die Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, die neuen Sonderkredite der KfW in Anspruch nehmen, die Kreditgenehmigungsprozesse wurden dafür massiv vereinfacht.